Träm tritt ab — 10

Träm tritt ab — 10

Mittlerweile betrug die Verspätung des ICE 1056 tatsächlich 15 Minuten. Georg Träm spürte eine leichte Unannehmlichkeit im Magen. Ein linksseitiges Ziehen, welches er nicht zuordnen konnte. Auf die Klassenfahrt freute er sich genau so, wie andere sich auf die Kehrwoche freuen. Eine lässige Verpflichtung, die man auf sich nahm.

Erträglicher wurde das im Falle von Träm durch die bald anstehenden Schulferien. Vor diesen stand aber die Zeugnisvergabe an. Für Lehrer bedeutet dies im Vorfeld wieder eine Menge Arbeit. Notenfindung, Konferenzen und aufgebrachte Eltern am Mittag des letzten Schultags. Bei welchen Eltern mit Widerspruch gegen die Zeugnisnote zu rechnen war, wusste Träm ziemlich genau. Entsprechend bereitet er sich auch stets darauf vor.

Träms Abgang
distel2610 / Pixabay

Auf das, was an diesem Morgen in Bielefeld passieren würde, hatte er sich jedoch nicht vorbereitet. Obwohl er eigentlich gewusst hatte, dass eine Schülerin der Klasse heute Geburtstag hatte. Träm hätte ahnen können, dass die Mitschüler ihr noch vor der Abfahrt auf dem Bahnsteig gratulieren wollten. Das man nicht nur Happy Birthday sang, sondern auch noch zu Ehren der Schülerin eine Wunderkerze anzündet, jedoch nicht.

Als die ersten Funken anfing zu sprühen, stand Georg Träm direkt neben dem Schüler, der die Wunderkerze hielt. Instinktiv wich Träm ein paar Schritte zurück. Zu seinem Pech hatte der ICE nicht mehr als die angekündigten 15 Minuten Verspätung.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren