Träm tritt ab — 6

Träm tritt ab — 6

Auf die Details kommt es genauso  an wie darauf, sich ausdrücken zu können. Beides zusammen erleichterte  Träm die Wahl seiner späteren Unterrichtsfächer. Es erleichterte ihm die ersten Jahre im Beruf genau so, wie es insgesamt sein Leben einfacher machte. Nicht aber das der Menschen, die mit Träm zu tun hatten. Immer wieder verlor sich Träm in Kleinigkeiten und konnte sich über Dinge aufregen, die für andere lediglich Nichtigkeiten waren. Träm fand sie jedoch bedeutsam.

Die Schule, in der er arbeitete, lag nicht weit von seiner Wohnung. Wobei es sich genau genommen, was man auch im Falle von Georg Träm tun sollte, umgekehrt verhielt. Die Wohnung lag nah genug an der Schule, so dass Träm zu Fuß zur Arbeit laufen konnte. So hatte er sich das ausgesucht. Auf dem Weg zu Schule kam er immer an einer Bäckerei vorbei, die sich selber für eine Handwerksbäckerei hielt.

Träm kauft ein
Couleur / Pixabay

Wochenlang beschäftigte Träm das Schild vor der Bäckerei, was neuerdings dort stand und „Frische Brötchen“ versprach. Kurz vor den Sommerferien konnte Träm nicht mehr. Er musste die Bäckerei betreten, auch auf die Gefahr hin, nicht pünktlich zu ersten Stunde in der Schule zu sein. Frische Brötchen hielt Träm für selbstverständlich. Für etwas, auf das man nicht explizit hinweisen musste. Genau das erklärte er auch der verdutzten Verkäuferin. Sie sah ihn genau so fassungslos an, wie die anderen Kunden im Laden, die zu Träm herüber schauten. Gekauft hatte er an dem Tag nichts. Wie immer. Er verließ die Bäckerei wieder.

Nach den Sommerferien stand das Schild nicht mehr vor der Bäckerei. Es stand auch keine Kunden mehr im Landen. Nur ein Schild hing im Schaufenster, wo etwas von allersbedingter Geschäftsaufgabe stand. Man habe keinen Nachfolger gefunden. Träm konnte sich diesmal zurückhalten, die Grammatikfehler in den wenige Sätzen zu unterstreichen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren