Träm hielt seinen Vater für eine Laune der Natur. Eine besonders üble Laune. Ähnlichkeiten mit seinem Erzeuger hatte der Senior jedenfalls nicht. Der Großvater von Georg Träm gab sich großzügig, was seiner umgänglichen Frohnatur entsprach. Ein herzensguter Mensch, der Träm gerne etwas zusteckte. Großvater Träm lebte, seit dem sich sein Enkel erinnern konnte, alleine. Einmal im Monat besuchte er das Grab seiner Frau. Die Stunden danach waren die einzigen, wo er sich regelmäßig betrank. So lange, bis sich seine Melancholie im Suff verlor.

Träms Einschulung

annca / Pixabay

Seinem Großvater hatte Träm viel zu verdanken. Auch die große Schultüte, die er am Tag der Einschulung stolz in den Händen hielt. Sie tröstete darüber Träm etwas, denn niemand wollte neben dem Jungen mit der hässlichen Brille sitzen. Lange hielt der Trost jedoch nicht an, denn am Nachmittag seines ersten Schultags nahm im Vater die Schultüte ab und verschloss sie in seinem Arbeitszimmer. Zu viel Süßes sei nicht gut für den Jungen, hieß es. Über Wochen bekam Georg Träm immer wieder nur ein Teil der Süßigkeiten aus der Schultüte. Diese Süßigkeiten nahm sein Vater auch zum Anlass, das Taschengeld zu kürzen. Schließlich habe der Junge ja was Süßes bekommen, da müsste er sich nicht noch was selber kaufen.

Das heimlich zugesteckte Geld von seinem Großvater verschwieg Träm. Aus gutem Grund.

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