Auslöschung auf Amerikanisch

Auslöschung auf Amerikanisch

Über die Verfilmung eines Romans von Jeff VanderMeer kann man geteilter Meinung sein. Oder sich Mühe geben und Auslöschung bei Netflix einfach genießen. Zumindest soweit das möglich ist.

Amerikanisches Ende

Man muss zunächst einmal richtig stellen, dass wenn über „amerikanisch“ geschrieben wird, streng genommen US-amerikanisch gemeint ist. Die Mexikaner sind völlig unschuldig an diesem Film. Abgesehen davon hatten die Briten noch ihre Finger mit im Spiel. Für mich persönlich steht und fällt jeder Film mit seinem Ende. Jeder Regisseur hatte das anders, genau so wie jeder Autor eine andere Vorstellung von einem gelungenen Ende hat. Und dann gibt es noch solche, die unbedingt ein Epilog unterbinden wollen, um wirklich alles erzählt zu haben. Meistens führt das eher dazu, auch noch den Rest zu ruinieren.
Ob es sich beim Ende von Auslöschung tatsächlich um einen Epilog gehandelt hat, darüber kann man streiten. Ich für meinen Teil tendiere dazu, es für einen Epilog zu halten. Schließlich fängt der Film so an, dass man über das Ende der Expedition aufgeklärt wird. Erst dann erfährt man, wie es dazu überhaupt kam und was währenddessen passierte. Das Ende des Films wiederum knüpft an den Anfang an, so dass es eine Konstellation von Prolog und Epilog als Klammer ergibt. Wenn man so was gut macht — solche Spekulationen erübrigen sich aber bei Auslöschung.

Auslöschung
Hans / Pixabay

Auslöschung des Menschen

Was ich in Bezug auf das Ende meine, kann man ohne Spoiler nicht verstehen. Im Grunde ist ein Spoiler bei Auslöschung nicht schlimm, denn nicht das Ende ist relevant, sondern der Weg dorthin. Das im Epilog also beide der Hauptfiguren das ist in ihren Augen das typische Prisma des Schimmers haben, beschert einem das schlimme Ende. Eine Andeutung, das Ungewisse wäre hier geschickter gewesen. Aber wir reden ja nicht über einen französischen Film, sondern über US-amerikanisches Zeug.
Positiv kann auf jeden Fall erwähnt werden, dass ein komplett weibliches Team den wesentlichen Teil der Handlung bestreitet. Sie gehen zusammen durch die Schimmer, ohne einen blassen Schimmer zu haben, was sie dort erwarten wird — sorry für das plumpe Wortspiel.
Wie bei vielen Werke sind auch bei Auslöschung unterschiedliche Interpretationen möglich. Den Schimmer selber und das was er bewirkt, kann man als Bedrohung auffassen. So wie ich. Eine andere Sicht wäre die, die Angst der Menschen vor dem Unbekannten, vor dem was sie nicht begreifen, als Mittelpunkt zu sehen. Sie fürchten die Veränderung, die sie mit aller Gewalt bekämpfen wollen.
Was man auf jeden Fall wissen sollte: der Film bildet nur den ersten Band einer Trilogie ab.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren