Lebewohl SPD!

Lebewohl SPD!

Mit deutlicher Mehrheit hat die Basis der SPD entschieden. Im Mitgliedervotum sprachen sich die Genossen für die große Koalition aus. Zeit der Partei Lebewohl zu sagen.

Ende mit Schrecken

Laut einem Spruch ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Nach einem weiteren stirbt die Hoffnung zuletzt. Natürlich habe ich noch bis zuletzt gehofft, dass die Vernunft siegen würde. Hat sie nun aber nicht. Das Ergebnis des Mitgliedervotums verdammt die SPD für vier weitere Jahre, die Politik von CDU und CSU mit zutragen. Es wird darüber hinaus die dringend notwendige Neuausrichtung der Partei erheblich erschweren, wenn nicht sogar verhindern. Auch wenn ich gehofft hatte, überwog bei mir doch die Angst vor genau diesem Ergebnis. Heute Nacht träumte ich sogar von der Verkündung des Ausgangs. Die Parteispitze nachts im Fakelschein vor dem Reichstag bekennt sich zu Deutschland. Auch wenn es ein Albtraum für mich war, so gab es da dennoch einen anständigen Moment. Niemand ließ vorab das Ergebnis vor der offiziellen Verkündung durchsickern — ganz anders als heute morgen in der traurigen Wirklichkeit.
Ja, ich bin maßlos enttäuscht. Und ja, ich stehe zu meinem Wort. Ich für meinen Teil bezeichne mich als Sozialdemokrat, der seine Heimat verloren hat. Die SPD kann nicht mehr meine Partei sein. So werde ich ihr also zum zweiten Mal in meinem Leben Lebewohl sagen.

Lebewohl SPD
loilamtan / Pixabay

Lebewohl Sozialdemokratie

Über x Prozent der Mitglieder haben für eine Große Koalition gestimmt. Erwartet hatte ich zwar ein Ja, aber ein knapperes Ergebnis. Eines, welche zumindest noch einen Rest Hoffnung lässt. Die ist nun dahin. Die SPD hat aus den vergangenen Jahren nichts gelernt, offensichtlich ist das Interesse an der Regierungsbeteiligung auch an der Basis größer als die Einsicht zur Opposition. Selbstverständlich hat die Partei Verantwortung. Vor allem aber für die Menschen in unserem Land, die abgehängt sind. Für die Menschen, die die SPD schon lange nicht mehr erreicht und aus dem Auge verloren hat.
Ich kann und will diesen Kurs nicht länger mittragen. Schon beim letzten Mitgliedervotum, als es ebenfalls um die Regierungsbeteiligung ging, hatte ich kein gutes Gefühl gehabt. Leider hatte ich Recht damit. Anders als beim letzten Mal gibt es auch für mich in der Partei nichts mehr, was mich noch hält. Die Aussicht auf eine Parteivorsitzende Andrea Nahles empfinde den ich als zutiefst verstörend. So kann ich nur Lebewohl sagen. Genau so, wie ich in den 90er Jahren auch nicht mehr bereit war, den Kurs mitzutragen, der sich nach den Petersberger Beschlüssen gegen Flüchtlinge richtete. Genossen, das habe ich nicht vergessen. Genau so wenig, wie ich Hartz IV und andere Grausamkeiten vergessen habe.

Sterbt alleine

Liebe SPD, richte dich doch bitte alleine zu Grund. Und bitte, nenne dich nicht Sozialdemokratisch, es ziemt sich nicht. Du bist nicht sozial, dir geht es um Versorgung derer, die bereits besitzen. Vom Facharbeiter bis zum Parteivorsitzenden. Armen, Obdachlose und Abgehängte gibst du keine Stimme, also wunder dich auch nicht, wenn du auch von ihnen keine bekommst.
Bei einem Ergebnis von 66,02 Ja-Stimmen und lediglich 33,98 Nein-Stimmen kann ich nur Lebewohl sagen. Gleich werde ich meine Austrittserklärung ausdrucken und unterschreiben. Der nächste Briefkasten wartet schon.

One Reply to “Lebewohl SPD!”

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren