Krankenhaus in zwei Akten

Krankenhaus in zwei Akten

Kein Krankenhaus gleicht in Köln dem anderen. Eine mitunter schmerzhafte Erfahrung.

Sechs Wochen und zwei

Meine Frau war innerhalb von sechs Wochen in zwei verschiedenen Kölner Krankenhäusern zur Behandlung. Das erste Mal kurz vor Weihnachten und dann Ende Januar diesen Jahres. Krankenhaus Nummer eins liegt im Norden von Köln, das andere im Süd-Westen.
Um was es dabei genau ging, lassen wir dabei unter den Tisch fallen — zu privat und Sache meiner Frau. Was ich aber auf gar keinen Fall unter den Tisch fallen lassen möchte, sind ihre Erfahrungen, welche sie machten durfte beziehungsweise musste. Das es innerhalb einer Stadt so erhebliche Unterschiede geben kann, hätte wir beide nie für möglich gehalten. Eigentlich dürfte es so was gar nicht geben in unserem Gesundheitssystem.

Krankenhaus
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Krankenhaus Nummer eins

Als meine Frau im Dezember in Krankenhaus Nummer eins kam, hatte sie sehr spezifische Beschwerden, die aber schnell abgetan wurden. Dafür wurde an anderer Stelle nur halb und schlecht vorbereitet nachgeschaut. Mangels Bettenplatz kam sie bei der Aufnahme sogar auf die Station für Privatpatienten. Blut abnehmen und Zugänge legen scheint man in diesem Krankenhaus unabhängig von der Versicherungsart nicht zu können. Die Arme meiner Frau waren ziemlich zerstochen. Das ihr ein Pfleger mit dreckigen Fingernägeln Blut abgenommen hat, ist ein echtes Unding.
Die Krönung jedoch war die Verabreichung eines Schmerzmittels, das explizit nicht für Asthma-Patienten geeignet ist und sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben kann. Das sie Asthma hat, hat meine Frau mehrfach gegenüber Pflegepersonal und Ärzten gesagt.
Die Ärzte waren mehr damit bestätigt, untereinander ihre Stellung zu verteidigen als sich um die Patienten zu kümmern — so der Eindruck meiner Frau. Die Informationen, die sie bekam, waren spärlich und zum Teil unvollständig. Details wurden, obwohl sie im Entlassungsbericht für den Hausarzt standen, bewusst verschwiegen.

Nummer zwei im Süd-Westen

Als meine Frau am vergangene Wochenende ins Krankenhaus Nummer zwei musste, hatten wir beide von Anfang an einen ganz anderen Eindruck. Wirklich jede dort arbeitenden Person begegneten einem freundlich und zuvorkommende. Hier scheint die Patientin beziehungsweise der Patient wirklich im Mittelpunkt zu stehen. Jeder einzelne Schritt wurde besprochen und erklärt. Die gesamten Untersuchungen und Vorbereitung der OP waren vorbildlich. Man stellte sich nicht mit „ich bin Frau Dr. So und so“ sondern „ich bin eine der Ärztinnen“ vor. Ärzte, die sich zum Wohle der Patientinnen und Patienten als Team verstehen.
Das positive Klima war auch beim Pflegepersonal deutlich zu spüren. Als meine Frau nach der OP auf Toilette musste, klingelte sie nach einer Schwester. Zufällig kam einer der Ärztinnen vorbei wegen der Nachbesprechung. Sie war sich nicht zu schade, meiner Frau auf die Toilette zu helfen.

Krankenhaus-Phobie

Ganz persönlich habe ich so was wie eine Krankenhaus-Phobie. Mich beschleicht schon beim Betreten eines Krankenhauses ein mulmiges Gefühl – selbst wenn ich nur Besucher bin. Auf den ersten Blick wirkte Krankenhaus Nummer eins von außen freundlich und offen, anders als Nummer zwei. Ganz deutlich aber die Erfahrung, dass der erste Eindruck ziemlich täuschen kann. Das man überhaupt solche extrem unterschiedlichen Erfahrungen machen kann, ist in meinen Augen ein echtes Unding. Eigentlich sollten die Krankenkassen ziemlich Druck machen. Ich weiß, dass das Pflegepersonal alles andere als gut bezahlt und die Ärzte überlastet sind. Das ist dann eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Hier muss man so starken Druck aufbauen, dass den Politikern nichts anderes über bleibt als zu handeln.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren