Trinkgeld

Trinkgeld

Mit dem Trinkgeld ist das so eine Sache. Häufig genug stolpert man in Situation, bei dem man unsicher wird — vorausgesetzt, man ist nicht von Natur aus geizig.

Besondere Anlässe

In einem Restaurant gebe ich, wenn das Essen gut und die Bedienung zuvorkommend war, gerne Trinkgeld. Und darunter verstehe ich nicht etwa lediglich aufrunden. Für mich gehört das dazu. Es ist meine Art, mich für ein gelungenes Erlebnis zu bedanken. Und Essen gehen muss ein Erlebnis sein, sonst kann ich auch selber kochen — im Prinzip, denn genau hier fängt schon das erste Problem an. Essen gehen und „Essen gehen“ sind tatsächlich für mich zwei verschiedene Dinge. Es gibt besondere Anlässe oder Abend, die man mit einem Restaurantbesuch abrunden will. Aber es gibt auch den schieren Hunger, wenn man gerade von A nach B unterwegs ist und sich einen Döner holt. Damit man manierlicher isst, setzt man sich dann in den Imbiss rein. Bei dieser Art Essen zu gehen, gebe ich kein Trinkgeld. Was auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit ist. Fünf bis zehn Prozent vom Rechnungsbetrag bei einer Summe von 60 bis 100 Euro ist in Ordnung. Bei einem Döner von 4 Euro sieht das Ganze aber anders aus.
Aufrunden ist immer eine Möglichkeit, wirkt auf mich aber knauserig. Dann gebe ich lieber kein Trinkgeld. Neben Restaurantbesuchen gibt es für mich noch einen anderen Anlass, bei dem ich regelmäßig Trinkgeld gebe: wenn ich ein Taxi in Anspruch genommen habe. Sofern der Fahrer nicht grob fahrlässig unterwegs war und keinen Umweg genommen hat, ist ihm ein Trinkgeld von mir sicher.

Trinkgeld
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Trinkgeld im Alltag

In meinem Alltag gibt es eine ganze Menge Situationen, wo ich kein Trinkgeld gebe. Etwa bei Friseur (meiner ist Inhaber und Chef von mehreren Angestellten). Oder beim Paketboten. Das würde mich bei den vielen Bestellungen auch arm machen. Was Toiletten angeht, hängt es ziemlich von der Klofrau oder dem Klomann ab. Und wer irgendwo ein Kölsch trinken geht, sollte auf jeden Fall Trinkgeld geben, wenn er noch mal vorhat, in die gleiche Kneipe zu gehen. So ein Köbes hat ein verdammt gutes Gedächtnis (kleiner Scherz am Rande).
Im Grunde genommen betrachtet ich Trinkgeld als das, was es ist. Eine freiwillige Leistung. Sobald es eine Erwartungshaltung gibt, werde ich zickig. Insbesondere dann, wenn ich für eine alltägliche Dienstleistung noch zusätzliche zahlen soll. Machen wir uns nichts vor, das Trinkgeld erhöht letztendlich den Gesamtbetrag, mit dem man zu rechnen hat.

Herz für Zusteller

Natürlich ist mir bewusst, welchen miesen Job Zusteller und Lieferboten habe. Ehrlich gesagt ist das aber nicht meine Schuld. Jedem Zusteller begegne ich höflich, auf Augenhöhe. Das ist mein Beitrag, ihm seinen Job nicht noch zusätzlich zu erschweren. Aber es gibt, wie gesagt, kein Trinkgeld, wenn ich mal wieder ein Paket zugestellt bekommen. Dafür gibt es dann zu Weihnachten eine Aufmerksamkeit — so wie sie früher auch immer der Zeitungszusteller bekommen hat, als ich noch keine Digitalausgabe bezog. Was ich damit sagen will: ich habe durchaus ein Herz für Zusteller.
Jetzt wäre freilich der ganze Artikel unnötig, wenn es nicht einen konkreten Anlass gäbe, mich aufzuregen. Nein, bei einer Getränkelieferung im Wert von 15 bis 25 Euro gibt es von mir kein Trinkgeld. Auch nicht, weil wir in einer autofreien Siedlung wohnen. Für mein Geld muss ich auch arbeiten. Wenn ich das Trinkgeld auf den Warenwert aufschlagen muss, kann ich auch die Flaschen selber am Büdchen holen. Preislich macht das dann keinen Unterschied mehr. So viel unbequemer ist das auch nicht, wenn man fast in Hausschuhen zum Büdchen gehen kann.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren