Aderlass, Teil 3

Aderlass, Teil 3

Innerhalb des Arbeitsbereichs für Zeitgeschichte der Fakultät für Geschichtswissenschaft lag der Schwerpunkt Ihrer Arbeit auf der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Nach dem Gespräch mit Gröger hatte Elke dennoch eine ziemlich gute Vorstellung, wie das mit der Inquisition gewesen sein muss. Auf dem Weg in Ihr Büro versuchte sie das zurückliegende Gespräch zur Seite zu schieben. Für Elke stand fest, dass sich Gröger selber in eine Sackgasse navigieren würde.

Elke schloss die Tür auf. Sie blicke auf das Chaos, so wie sie es gestern Abend nach dem Überfall zurück gelassen hatte. Die Hoffnung, alles wäre wieder von alleine in Ordnung gekommen, verflog. Von Anfang an eine unrealistische Hoffnung, wie Elke nur zu gut wusste. Um wieder Ordnung zu schaffen, fehlte hier heute die Kraft. Zudem war ihr im Dekanat gesagt worden, sie müsse für polizeiliche Ermittlungen alles so belassen.

Aderlass
stevepb / Pixabay

Elke stellte ihren Rucksack ab und ging zum Schreibtisch. Unter der Tischplatte klebte nach wie vor der USB-Stick mit dem Backup ihrer Arbeit. Sie nahm den Stick an sich und holte das alte Ersatznotebook aus dem Rucksack. Der Rechner brauchte lange zum hochfahren. Elke übersprang die Updatehinweise, kontrollierte den Inhalt des Sticks und rief dann das E-Mail Programm auf. Ein, zwei E-Mails, die Anteilnahme zum Ausdruck brachten. Der größere Teil bestand jedoch aus den üblichen Beschimpfungen und Drohungen.

Von ihrer Sekretärin hatte Elke eine Mail bekommen mit dem Hinweise auf einen Zeitungsartikel zum Überfall. Elke rief den Link auf. Der Reporter des Westfälischen Boten schrieb über den Angriff und mutmaßte, er würde mit der Arbeit von Elke Lonz zusammenhänge. Für die lokale Antift-Gruppe war Elke ein rotes Tuch, seit dem sie auch öffentlich bei einer Podiumsdiskussion ihre Thesen zum Aderlass vehement verteidigt hatte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren