Weihnachtsmärkte treffen Physik

Weihnachtsmärkte treffen Physik

Mit Physikunterricht verbinde ich so etwas wie eine Hassliebe. Auf der einen Seite mag ich Physik (genau wie Weihnachtsmärkte), auf der anderen Seite hapert es manchmal mit dem Verständnis.

Physik leicht verständlich

Einer der Gründe, warum ich mit Physik nicht zurecht kam, war sicherlich die unpassende didaktische Anleitung — also mit anderen Worten, ich schiebe es auf schlechte Lehrer. Wie vielen Dinge im Leben kann man Physik (zumindest die Grundlagen) einfach und verständlich erklären oder aber so, dass Schülerinnen und Schüler bereits nach den ersten Minuten geistig abschalten. Aus diesem Grund wohl verlor ich mein anfängliches Interesse (und ich behaupte mal, ein solches ist grundsätzlich bei allen Menschen vorhanden).
In der Oberstufe konnte ich Physik vermeiden, im Studium war es kein Bestandteil eines der Fächer, die ich studiert habe. Immerhin, eine E-Herd an Starkstrom anschließen konnte ich, allerdings eher aus Unwissenheit. Erst im Sommer diesen Jahres stieß ich auf ein Buch, mit dem die Grundlagen der Physik spaßig erklärt wurden. Nach wie vor kann ich „Methodisch korrektes Biertrinken“ uneingeschränkt empfehlen. Es gibt aber auch noch andere Menschen, die physikalische Zusammenhänge anschaulich erklären können.

Weihnachtsmarkt und Physik
ShenXin / Pixabay

Weihnachtsmarkt in Essen

Beruflich pendle ich bekanntlich an drei Tagen die Woche ins Ruhrgebiet mit dem ICE bis nach Essen. Unmittelbar in Nähe zum Hauptbahnhof stehen dort die ersten Buden vom Weihnachtsmarkt. Meistens schaffe ich es in Köln nicht, auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen. Jedenfalls nicht zu einer Zeit, wo man nicht im üblichen Gedränge ertrinkt. Daher finde ich es schon nett, zumindest in Essen einen kleinen Zipfel vom Weihnachtsmarkt mitzubekommen. Wenn ich denn etwas früher Feierabend mache oder von der Bahn mit Verspätungen beglückt wurde.
Über den Weihnachtsmarkt muss ich wohl nicht viele Worte verlieren. Die übliche Ansammlung an Buden, Schwerpunktthema wie auf vielen anderen Weihnachtsmärkten ist Essen und Trinken (vornehmlich Glühwein). Letzte Woche war ich kurz auf dem Weihnachtsmarkt in Essen, aber erst auf dem Rückweg zum Bahnhof hatte ich einen kurzen Moment des Schauderns. Ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes stand vor mit Geschenkband umwickelten Betonklötzen. Die sollen wohl zur Abwehr eines terroristischen Anschlags dienen. An die mögliche Gefährdung hatte ich nicht mehr gedacht. Vermutlich geht es vielen Menschen so, bis sie dann wieder mit der Nase drauf gestoßen werden.

Fliegende Gefährdung

Kommen wir wieder zurück zur Physik und einen Artikel in der Süddeutsche Zeitung von Christopher Schrader über „Fliegende Lastwagen“. Darin geht es um Lastwagen, Weihnachtsmärkte, die Betonabsperrungen und natürlich um Physik. Man muss Christopher Schrader wirklich für seinen Artikel loben. Man lernt beim lesen eine ganze Menge über den inelastischen Stoß, Bewegungsenergie, kinetische Energie und den Energieerhaltungssatz. Nicht theoretisch, sondern ziemlich deutlich und drastisch an Beispielen erklärt. Angsteinflößenden Beispielen. Es wird über Tests berichtet, welche die Wirksamkeit der Betonabsperrungen auf Weihnachtsmärkten untersuchen sollten. Betonklötze wie in Essen dürften demnach Anschläge nicht verhindern, sondern sogar noch schlimmer machen.
Triff ein LKW auf einen der Klötze im richtigen Winkel auf, wird er zwar abgebremst, aber die Bewegungsenergie überträgt sich auf das Hindernis. Der Betonklotz wird wie ein Puk über das Eis schießen — mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit, wie sie der LKW hatte.

Fragwürdige Sicherheitskonzept

Angesichts der Versuche durch die Dekra stellt das meiner Meinung nach die vielerorts durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen in Frage. Sie verkommen zur bloßen Augenwischerei und werden im schlimmsten Fall zu einer größeren Gefahr. Im Artikel von Schrader werden aber auch Alternativen aufgezeigt — etwa Betonklötze, die mit einem Stahlseil verbunden sind, damit sich die Energie auf mehrere Klötze verteilt.
Unabhängig davon, wie ernst das Thema ist, zeigt der Artikel die Bedeutung von Physik. Wäre ich Lehrer, würde ich den Text wohl im Unterricht verwenden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren