Wein aus China

Wein aus China

Wer bei der Erwähnung von Wein aus China merkwürdige Vorstellungen entwickelt, wird möglicherweise nicht enttäuscht. Das Land ist einfach speziell.

Wunderbare Welt

Meine Frau und ich verfolgen derzeit bei arte die 20-teilige Dokumentation „Wunderbare Welt der Weine“. Dabei gibt es das Ganze nicht in homöopathischen Dosen, sondern in riesigen Portionen. Mit anderen Worten, wir warten fünf Tage ab und schauen dann die Folgen, die unter der Woche neu erschienen sind. In der vergangenen Woche standen sehr Unterschiedliche Regionen auf dem Programm. Landschaftlich beeindruckend fanden wir Ungarn. Die herbstlichen Impressionen im Frühnebel waren sagenhaft. So was würde ich gerne auch mal selber erleben.
Den König der Weine, Tokajer, muss ich dagegen nicht unbedingt verkosten. Er wird mir mit Sicherheit zu intensiv und zu süß sein — zählt er doch zu den Likörweinen. Zudem hat er mit Sicherheit seinen Preis, denn die Herstellung ist mit enormen Risiken behaftet. Die Trauben müssen von Botrytis befallen werden, um eine Edelfäule zu entwickeln. In der letzen Fahre kurz vor der Lese kann Regen den gesamten Ausfall der Ernte bedeuten. In der Dokumentation traf es den Winzer, über den arte berichtet. Er stand kurz davor, in Tränen auszubrechen, weil die Arbeit eines gesamten Jahres vergeblich war.

Wein aus China
sasint / Pixabay

Weinfest

Von Lavaux im Kanton Waadt in der Schweiz ist vor allem das Weinfest hängen geblieben. Natürlich werden die Reben dort von der Sonne geküsst, auch durch den Genfer See. Aber Wein aus der Steillage gibt es ansonsten auch an der Mosel. Für mich sieht es dort auch ein wenig unzugänglicher aus. Und trotzdem wird bei der Lese kein Hubschrauber an der Mosel verwendet. Zumindest ist mir so was bisher noch nicht bekannt.
Wie dem auch sei, der darauf folgende Teil acht der Dokumentation handelt von Wein aus China. Es war das erste Mal, dass meine Frau zu Beginn sagte, sie hätte keine Lust mehr diesen Teil zu Ende zu sehen. Nachvollziehbar, wenn man in Shadong eine Art Disneyland für Wein gesehen hat. Dort wurden Kopien französischer Weingüte gebaut. Angehörige der aufsteigenden chinesischen Mittelschicht können sich dort ihren Traum erfüllen und ein eigenes Château erwerben. Man muss das wirklich gesehen haben, noch ist der Teil bei arte in der Mediathek. Das ist nicht schön, sondern schrecklich. Vermutlich werde ich dauerhaft diese Bilder im Kopf haben, wenn ich auf Wein aus China stoße.

Kitsch statt Wein aus China

Man könnte bei Thema Wein aus China über das Kopieren lamentieren. Oder das Ganze einfach als Marotte durchgehen lassen. Selbst meine Frau musste zugeben, dass die Reben und Trauben ziemlich prall und gut aussehen. Aber machen wir uns nichts vor. Die Arbeitsbedingungen dort lassen sich nicht mit unseren Standards messen. Zudem, und das ist mein Hauptkritikpunkt an diesem Teil, fehlt jeglicher kritische Kommentar. Wein aus China, das ist Wein, der in einer Diktatur hergestellt wurde. So was sollte man sich vor Augen führen. So bonbonsüß und kitschig, wie die Folge daher kam dürfte die Realität vor Ort nicht sein. Vor allem nicht für die Bauern, die nicht mehr auf ihren Feldern arbeiten, sondern in den Weingütern, die ihren Feldern weichen mussten.
Teil neun handelt dann von Wein aus den USA, den ich auch nicht unbedingt probieren muss. Anders sieht es mit dem Wein aus Japan aus. Die pinke Kōshū-Traub sieht wirklich anders aus. Von der Pergola-Erziehung hatte ich bisher auch noch nichts gehört. Als sehr angenehm im Vergleich zu China und den USA fand ich die Winzer in Japan. Menschen, die sich selber zurück nehmen und nicht in den Mittelpunkt stellen. Das es dort auch ein Budo Yakushi, eine Buddha-Statur mit einer Rebe in der Hand gibt, finde ich ziemlich sympathisch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren