Sturm Herwart trifft die Bahn

Sturm Herwart trifft die Bahn

Das eine Woche auf Borkum viel zu kurz ist, wussten wir bereits vor dem letzten Tag. Allerdings wurde unser Urlaub auch nicht unfreiwillig durch Sturmtief Herwart verlängert.

Noch auf Borkum

Das sich ein Sturm für das hinter uns liegenden Wochenende ankündigen würde, wussten wir bereits vorher. Die Wettervorhersage war diesbezüglich ziemlich eindeutig. Frei nach dem Motto „Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“ nahm wir es jedoch auf die leichte Schulter. Die Zeit auf Borkum hatte ganz unterschiedliche Wetterverhältnisse gehabt, da würde uns etwas Wind nicht schrecken — dachten wir. Zum Urlaub selber und zu Borkum speziell werde ich in den kommenden Tagen noch ein paar Worte zusammenschreiben. Erstmal aber steht Herwart auf dem Plan.
Das es doch etwas windig ist, stellten wir bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag fest, als ein ordentliches Lüftchen an den Ja­lou­sie vom Wohnzimmer rüttelte. Mit Ohropax merkt man im Schlaf dann aber nicht mehr viel davon. Da müsste schon ein Wolf das Haus umblasen, damit wir wach werden. Am Sonntag morgen hörte sich das Ganze noch etwas bedrohlicher an. Noch waren wir etwas optimistisch, was unsere Heimreise betraf. Bis dann die ersten Horromeldungen per SMS und Telefon zu uns vordrangen.

Borkum vor Herwart
Borkum vor Herwart

Heimweg trotz Herwart

Schnell waren meine Frau und ich uns einig, dass wir nach Möglichkeit die Heimreise trotz Herwart antreten würden. Die Wohnung war nur bis Sonntag Vormittag gebucht. Genau festgelegt hatten wir uns auf die Fährverbindung nach Emden-Außenhafen. „Schauen wir mal, wie weit wir kommen“, meinte ich zu meiner Frau. Irgendwo würden wir schon landen und unterwegs sein ist immer besser als hilflos anderswo abzuwarten. In Ruhe brachten wir das Altglas weg, tauschten Pfandglas gegen Bargeld und hoben noch zur Sicherheit etwas zusätzlich vom Automaten ab. Dann stiegen wir in die Kleinbahn am Borkumer „Hautbahnhof“.
Dort hieß es bereits, die Verbindungen mit dem Katamaran seien auf Grund des Sturms gestrichen worden. Für uns kein Problem, wir hatten von Anfang an die günstigere aber um eine Stunde längere Verbindung mit der Fähre gebucht. Und die sollte auch tatsächlich fahren. Zudem hatte die AGM EMS zusätzlich noch Entlastungszüge zum Hafen und Zusätzliche Fährverbindungen eingerichtet. Ganz wichtig: trotz Sturm Herwart, der die Nachbarinsel Langeoog ziemlich erwischte, versuchte man den Fährbetrieb aufrecht zu erhalten.

Ankunft Emden-Außenhafen

Ziemlich pünktlich nach einer Überfahrt mit etwa Seegang (niemanden an Bord in meiner Nähe ist schlecht geworden) erreichten wir von Borkum-Reede aus den Außenhafen in Emden. Von dort aus sollte es dann mit der Bahn weiter gehen. Saisonbedingt fuhr der IC von Emden-Außenhafen nach Köln nicht, über eine durchgehende Verbindung hätte ich mich nämlich wie auf der Hinfahrt gefreut. Wir mussten also von Emden-Außenhafen nach Münster mit der Regionalbahn. Diese fuhr trotz Zugausfällen im Fernverkehr an andere Stelle regulär.
Unterwegs erfuhr ich dann, dass es ab Münster wieder nur mit einer Regionalbahn weitergehen würde. Der Fernverkehr der Bahn war eingestellt worden. Trotzdem sah ich sowohl in Emden als auch in Münster ganze IC-Züge unbenutzt stehen.

Verständnisschwierigkeiten

An dieser Stelle komme ich dann zu meinen Verständnisschwierigkeiten. Das von Hamburg bis Hannover, in Gebieten die vom Sturm direkt betroffen wurden, kein Fernverkehr mehr möglich war, leuchtet mir ein. Das es entlang der Strecke immer noch Bäume gibt, die sich in Oberleitungen verirren können, muss ich wohl auch hinnehmen. Das es aber ab Emden oder Münster keine Ersatzzüge im Fernverkehr gab (und auch nicht ab Köln in die andere Richtung) will mir dagegen nicht in den Kopf. Wieso schafft es die kleine AGM EMS, die Fahrgäste sicher aufs Festland zu bringen und kurzfristig zusätzlichen Fährverkehr zu organisieren? Und warum kann die erheblich größere Deutsche Bahn ihren Kunden lediglich mitteilen, dass man möglicherweise für gestrandete Fahrgäste die Übernachtungskosten erstatte — was im Übrigen über das Fahrgastrechteformular kein Zuckerschlecken ist.
Meiner Frau und mir gelang es, wohlbehalten in Köln anzukommen. Vielen anderen dagegen nicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren