Grablampen — Teil III

Grablampen — Teil III

Nicht so wie Wiltrud. Ihr hätte das Heidekraut sicher nicht gefallen. Sein Zögern damals war vom Ladenbesitzer als Zustimmung interpretiert worden. Hinter ihm fiel die Tür wieder ins Schloss.

Der Blick des Besitzers blieb konzentriert auf den Blumenstrauß gerichtet. Grußlos ging Lübbe zu dem Bereich, wo die Grablampen standen. Mit dem Finger strich er am Regal entlang, suchte die Lampe, die er immer kaufte. Ein schlichtes Modell aus Kupfer, ohne Verzierungen. Eckig war sie, mit einfachen, nicht unterteilten Glasscheiben und einer Tür mit einem runden Knauf. Am Platz, wo sie stehen sollte, klaffte eine Lücke. Unruhe erfasste ihn. Vom Regal wandte er sich rüber zu Ladentheke, wo der Besitzer erst zum ihm aufblickte, als Lübbe sich räusperte.

Grablampen — Teil III
kalhh / Pixabay

Erst gab es nur ein Schulterzucken, dann auf seine dringende Bitte hin ließ sich der Inhaber dazu bewegen, im Lager nachzusehen. Gemächlich ging dieser nach hinten. Zurück kam er mit einer noch verpackten Grablampe. Beiläufig erklärte ihm der Besitzer, er habe bisher noch keine Zeit gefunden, die Lieferung auszupacken. Lübbe legte das abgezählte Geld auf den Tresen. Zum ersten Mal nach Betreten des Ladens sah ihn der Besitzer direkt in die Augen. Er nannte einen Betrag, der deutlich höher war als das, was Lübbe sonst für die Lampe gezahlt hatte. Lübbes Hände wanderten zurück in die Manteltaschen. Die Fingernägel drückten gegen die Handflächen, als er die Hände zusammen ballte. In der rechten Jackentasche befand sich noch etwas Geld. Er stülpte den Inhalt der Manteltasche nach außen. Mehrere Münzen fielen zu Boden. Ungerührt sah der Ladeninhaber ihm zu, wie Lübbe mühsam sein Geld wieder aufhob. Der Betrag, den er auf das kleinen Plastikbrett an der Kasse legte, reichte immer noch nicht aus. Der Besitzer ließ sich seine Ungeduld anmerken. Verzweifelt tastete Lübbe nach weiterem Geld, obwohl er bereits wusste, dass er keines mehr finden würde. Endlich hatte der Besitzer ein Einsehen und signalisierte seine Zustimmung mit dem Betrag. Die Grablampe wurde aus ihrer Verpackung entnommen und wanderte in eine Plastiktüte. Beim Herüberreichen zögerte der Ladeninhaber für einen Moment, als würde er auf etwas warten. Lübbe murmelte ein Danke hervor und wünschte einen schönen Feierabend bevor er sich umdrehte und zum Ausgang lief, in der Hand die Plastiktüte mit der neuen Grablampe.

Eine Katze schlich zwischen seine Beine, sprang vor der Tür auf einen Sims und machte es sich im Schaufenster bequem. Die Tür fiel ins Schloss. Hinter ihm hörte er die Schritte des Besitzers, der das Schild an der Tür umdrehte und abschloss.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren