Preisraten bei der Bahn

Preisraten bei der Bahn

Alle Jahr wieder, wenn es Richtung Fahrplanwechsel geht, erhöht die Bahn die Preise. Obwohl sich die meisten Reisenden eher eine Erhöhung der Pünktlichkeit wünschen würden.

Meckern unterwegs

Über die Bahn zu schimpfen ist genau so einfach wie über sie zu lästern. Der Staatskonzern ist so groß, dass er die ideale Angriffsfläche bietet. Bei den meisten von uns Pendlern gibt es auch so eine Art Hass-Liebe zur Bahn. Mit der Bahn ist es oft nicht so doll, aber ohne kann man auch nicht. Mit der Pünktlichkeit ist es immer so eine Sache. Mal ist die Bahn unpünktlich, mal kommt sie zu spät. Schuld dran sind ist aber längst nicht immer die Bahn. Der Konzern pflanzt schließlich keine Bäume, die ihr garstiges Laub im Herbst auf die Schienen fallen lassen. Auch beschäftigt die Bahn keine Personen, die sich vor Züge werfen. Und ansonsten hat die Bahn auch nur vier Probleme: Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Wer wenig mit dem Zug unterwegs ist, stört sich meinen Erfahrungen nach schon an Kleinigkeiten. Da wird aus einer Minuten-Mücke ein riesiger Elefant. Pendler sind geduldiger, sprich leidensfähiger. So gesehen härtet die Bahn ab. Pendler sind unter anderem deshalb leidensfähiger, weil sie zwar zu den treusten Kunden des Konzerns gehören, im Gegenzug aber nicht die Wertschätzung erfahren, die dem entsprechen würde.

Preiserhöhung bei der Bahn
Didgeman / Pixabay

Alle Jahre wieder

So wie im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen (und zu Zugverspätungen führen) finden auch regelmäßig Preiserhöhungen statt. Über die jüngsten Verteuerungen berichteten gestern unter anderem die Süddeutsche Zeitung. Während der Konzern selber von einer moderaten Preiserhöhung von durchschnittlich 09, Prozent spricht und Portale wie T-Online dies ohne Rückfragen übernahmen (und dann von den Infoscreens in den U-Bahn Haltestellen zitiert wird), gab es an andere Stelle Journalisten, die etwas genauer gerechnet haben. Auf den angegebenen Durchschnittspreis kommt man lediglich, wenn man wirklich alle Produkte mit berücksichtigt — also etwa auch Sitzplatzreservierungen, die nicht teurer werden.
Tatsächlich sind es Erhöhungen von durchschnittlich 1,9 Prozent in der zweiten Klasse, wie heute in der SZ noch mal von Thomas Öchsner betont wurde. Auf der Schnellfahrstrecke Berlin – München währen es, so Öchsner, sogar 13,6 Prozent mehr. Die Bahn testet, so findet er, mal wieder die Frustrationstoleranz ihrer Kunden.

Die Bahn macht mobile

Im Kommentar Öchsner wird noch mal sehr deutlich, was die Bahn eigentlich ist: ein Staatskonzern. Als so einer sollte das primäre Ziel nicht die Gewinnmaximierung sein, sondern sie soll die Menschen mit einer bezahlbaren alternativen Verkehrsmöglichkeit versorgen. Sie ist in letzter Konsequenz auch ein verkehrs- und umweltpolitisches Steuerungsinstrument. Gerade deshalb ist es schwer nachzuvollziehen, warum die Bahn mit ihrem Öko-Strom trotzdem noch den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen muss, während etwa „Billigflieger von der Kerosinsteuer befreit sind“, so Thomas Öchsner.
Die Bahn arbeitet meiner Meinung nach konsequent dran, ihr Image zu beschädigen. Das passiert nicht oft so laut wie mit einer Preiserhöhung, ungeliebten Baumaßnahmen oder eklatanten Verspätungen. Oft sind es kleine Nadelstiche, die man als nicht Betroffener nur zufällig mitbekommt — wie zum Beispiel ich gestern auf der Rückfahrt nach Köln.

Fahrpreisnacherhebung

Fahren ohne gültigen Fahrschein in den Zügen ist immer eine schlechte Idee. je nachdem, in welche Zug man einsteigt, hat das unterschiedliche Konsequenzen. Im Regionalverkehr bedeutet keinen Fahrschein zu haben, immer schwarz zu fahren. Mit entsprechenden Konsequenzen. Es sei denn, mann hat etwa eine gültige persönliche Monatskarte die man nur vergessen hat. Dann kommt es zwar zur so genannten Fahrpreisnacherhebung, man hat aber eine Frist, in der man den Besitz eines gültigen Fahrausweises nachweisen muss — und sollte.
Im Fernverkehr kann man generell auch ohne Fahrkarte in den Zug steigen und diese dort kaufen. Zumindest sofern man eine Kreditkarte oder Bargeld bei sich hat, denn EC-Karten werden unterwegs nicht akzeptiert. Zur Fahrpreisnacherhebung kommt es dort unter anderem dann, wenn man sein Ticket nicht dabei hat. Oder wie ich schon mal seine bahn.card 100 zu Hause hat liegen lassen. Die Frist von 7 Tagen die einem zur Erklärung gelassen wird, ist meiner Meinung nach sehr sportlich. Gestern hatte eine Mitreisende keine gültige Fahrkarte auf ihrem Weg zum Flughafen, weil der Fahrkartenautomat das dort hinterlegte Ticket nicht rausrücken wollte. Zum Glück war der Zugbegleiter sehr verständnisvoll. Wie sie aber jetzt innerhalb von sieben Tagen die Sache klären soll, wird spannend werden. Sie ist nämlich zu Flughafen gefahren, um für zwei Wochen nach Äthiopien zu fliegen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren