Pay to win

Pay to win

Glücksspiel mit Geldeinsatz sind mir schon eine lange Zeit meines Lebens zuwider. Aus diesem Grund mag ich auch Videospiele mit dem Prinzip Pay to win nicht.

Schrabbeln

In der fünften Klasse kam das so genannten Schrabbeln in Mode. Eine Mischung aus Geschicklichkeit- und Geldspiel mit 10 Pfennigstücken. Das Spielprinzip ist recht simple. Es mit etwas Abstand vor einer Mauer gespielt. Hintereinander wirft jeder Mitspieler seinen Pfennigstück, welches gleichzeitig seinen Wetteinsatz darstellt. Derjenige, der am nächsten an die Mauer kommt, bekommt den gesamten Einsatz. Meine Eltern kamen irgendwann dahinter, dass ich über Wochen keinen Schulkakao mehr getrunken hatte. Sie reagierten richtig — zumindest aus meiner heutiger Sicht. Nach Schrabbeln habe ich nie wieder irgendetwas um Geld gespielt. Und das ist auch ganz gut so.
Spielen sollte immer seinen Sinn in sich tragen. Man spielt, um zu spielen. So sehe ich das jedenfalls. Eine Vorteil im Spiel verschafft man sich durch noch mehr spielen, durch trainieren ganz wie man Sport. Wobei meiner Meinung nach Spiele auch Sport sind. Das gilt für den gesamten E-Sports Bereich genauso wie für Brettspiele. Es gibt auch keinen Grund, warum Schach als Sportart betrachtet wird, aber ein Magic the Gathering Turnier nicht. Ich schweife ab, den ich will eigentlich auf einen ganze anderen Punkt hinaus. Das Stichwort wäre nämlich eigentlich Pay to win.

Pay to win
stevepb / Pixabay

To loot or not to loot

Erst vor ein paar Tagen habe ich mich über Star Wars Battlefront II ausgelassen. In der offenen Beta entstand der starke Eindruck, dass man an gute Waffen im Spiel nur durch den Einsatz von Echtgeld kommt. Die Entwickler haben das mittlerweile dementiert, die Beta-Version soll in diesem Punkt nicht mehr mit dem Endprodukt identisch sein. Nur durch spielen selber käme man an bestimmte Waffen. Also eben nicht pay to win. Dennoch kann man sich auch in der finalen Version Vorteile und optische Modifikationen gegen Echtgeld erkaufen. Laut mehreren Entscheidungen sind die so genannten Lootboxen aber nicht vergleichbar mit einem Glücksspiel. Vielmehr sei das so ähnlich wie bei den Sammelkarten.
Zugegeben, ich habe eine ganze Zeit auch Magic the Gathering gespielt. Von daher weiss ich, dass es dort ganz eindeutig einen Pay to win Mechanismus gab und gibt. Wenn man entsetzlich viel Geld für Booster ausgibt, gelangt man irgendwann an die seltenen Karten für sein Deck. Eine Frage der Wahrscheinlichkeit und meiner Meinung nach doch so was wie ein Glücksspiel. Aus diesem Grund finde ich die Poster-Draft Turnier besser, weil dort die Chancen gleich sind und nicht derjenige mit dem dicksten Portmonee gewinnt.

Pay to win als Trend

Ob Glücksspiel oder ebene nicht, ist für mich eigentlich nur zweitrangig. Dieses ganze Pay to win Geschichte bedroht aus meiner Sicht etwas ganz anders. Sie gefährdet nämlich nicht nur die Spielbalance, sondern stellt die gesamten Vollpreisspiele in Frage. Mal ganz ehrlich, warum soll man noch 60 Euro oder mehr für ein Computerspiel ausgeben, wenn man während des spielens den Entwicklern weiter Geld geben muss, damit man im Spiel eine Chance hat? Klar, dass trifft so in der Form hauptsächlich für online Multiplayerspiele zu. Aber etwa Mittelerde: Schatten des Krieges ist ein aktuelles Beispiel, wo Pay to win auch in den Singleplayermodus einfließt.
Wer lange genug spielt, kommt auch ohne echtes Geld aus, heisst es. Genau wie bei den Free to play Spielen. Dort muss man bei den meistens nur lange (sehr lange) warten. Allerdings gibt es dort einen erheblichen Unterschied. Die Free to play Titel sind nämlich erstmal kostenlos — ganz im Gegensatz zu den Vollpreistiteln. Die erwecken zunehmend den Eindruck, dass die Entwickler beziehungsweise die Publisher den Hals nicht mehr voll bekommen. Sicher, die Spiele werden immer aufwendiger, aber dann muss man über eine faire Lösung für beide Seiten nachdenken. Die bestünde meiner Meinung nach nicht in Pay to win, sondern in einem grundsätzlichen Abo-Modell. Funktioniert beim Streaming von Filmen offensichtlich auch ganz gut.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren