Fußgänger über die Brücke

Fußgänger über die Brücke

Geld, das man nicht hat, für Bauprojekte auszugeben, entwickelt sich langsam zum Markenkern der Kölner SPD. Zumindest wenn man von der neuen Brücke für Fußgänger und Radfahrer liest, könnte man auf diese Idee kommen.

Aus dem Verkehrsausschuss

Im Verkehrsausschuss der Stadt Köln wird derzeit über eine Machbarkeitsstudie diskutiert, die sich um eine Brücke über den Rhein dreht — nur für Fußgänger. Die Flußüberquerung soll zwischen dem rechtsrheinischen Rheinpark und der linksrheinischen Bastei erfolge und diese in die Brücke mit einbinden. Die Kölner SPD erklärt das Projekt umgehend zur Herzensangelegenheit. Kosten würde die Umsetzung laut Vorlage der Stadt 35 Millionen Euro. Geld das, gerade nicht zufällig über ist. Zudem sollte man mittlerweile in Köln gelernt haben, dass anvisierte Bauprojekte am Ende erheblich teurer sind — siehe Operntrassen.

Unbestritten ist vermutlich, dass die neue Brücke spektakulär aussehen würde, wenn sie denn mal fertiggestellt sein sollte. Genau so wird niemand leugnen, dass es derzeit um die Barrierefreiheit bei den anderen Brücken nicht besonders gut bestellt ist. Eine neue Brücke wäre hier die Chance, vieles besser zu machen.

 

Alles für die Brücke
pixel2013 / Pixabay

Knappe Kasse baut keine Brücke

Was mir mittlerweile ziemliche auf die Nerven geht in Köln, gerade auch bei der SPD, ist das ungenierte Anstoßen von Projekten, die lediglich das eigene Ansehen verbessern sollen. Projekte, die Unsummen an Geld kosten oder aber die Partei lächerlich machen. So schrieb etwa die StadtRevue süffisant von der SPD als Büdchenpartei, weil diese sich so vehement für die angebliche Kölner Büdchen-Kultur einsetzt. Gerne hält man auch die Fahne hoch für Köln als Partyhauptstadt und setzt sich ein für Ladenöffnungen an Sonntagen.
Im Ernst: Es gibt in Köln wirklich brennender Probleme zu bekämpfen. Eine neue Brücke nur als Aushängeschild braucht niemand. Dafür aber sanierte Radwege, angstfreie U-Bahn Haltestellen, ausreichend Kindertageststättn, modernisierte Schulen und und und. Alles aufgezählt würde es eine verdammt lange Liste ergeben. Meine Großmutter hätte einen passenden Begriff dafür gehabt, wenn man sich statt um die Alltagssorgen um Prestigeprojekte kümmert: Großmanssucht

Nadelöhr beseitigen

Wie bereits dargestellt, Probleme gibt es in Köln haufenweise. Man muss sie nich mal suchen, sondern stolpert förmlich darüber. So ging es mir gestern auf dem Rückweg von der Arbeit. Zur Zeit findet in Köln-Deutz die Anuga statt. Gleichzeitig werden zwei Gleise im Hauptbahnhof saniert, was zu Ausfällen um Umleitungen im Regionalverkehr führt. Selbst ohne die Baumaßnahmen ist der Bahnhof Deutz zu Messe-Zeiten ein Nadelöhr. Durch die Messebesucher war es abends auf dem Bahnsteig 10 extrem voll. Es ist wohl einem Wunder zu verdanken, dass niemand unter den Zug gekommen ist. Ordnungskräfte wie in Essen zu Messen, die die Besucher zurückhalten oder verteilen auf die U-Bahn sind zumindest mir in Deutz nicht aufgefallen.
Von einer Kölner Partei erwartet ich, dass sie sich mit solchen Problemen auseinander setzt und nach Lösungen sucht. Insbesondere auch deshalb, weil der Bahnhofsvorplatz und Ottoplatz in Deutz nach dem Umbau für Fußgänger gefährlicher geworden sind. Es gibt ja bereits eine Brücke, die über den Rhein zum Dom führt. Die Hohenzollernbrücke. Diese Möglichkeit ist weder barrierefrei noch gut ausgeschildert. Zudem kommt es bei ihr drauf an, ob man von Deutz aus gesehen den Fußgängerweg links oder rechts benutzt.

Treppe und Straße

Auf der rechten Seite endet der Fußgängerweg an einer Treppe, die hinunter zur Straße führt und den Fußgänger charmant alleine lässt. Nach dem Umbau rund um die Domplatte und Gleis 1 gibt es zudem auf der linken Seite keinen direkten Zuweg mehr zu Gleis 1 von der Brücke aus. Wenn Köln eine Brückenlösung benötigt, dann etwas, was von der Messe zum Hauptbahnhof führt. Vermutlich eine Erweiterung der Hohenzollernbrücke. Innovativ wäre hier ein überdachtes Rollband für Fußgänger wie an Flughäfen. Aber was weiss ich schon. So ein neuer Protzbau, der Kölner Folklore einbindet, ist ja viel schicker.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren