Great Western Trail

Great Western Trail

Viehherden im Wilden Westen nach Kansas treiben. Das hört sich an wie einer dieser Cowboy Filme. Oder eben wie Great Western Trail von Alexander Pfister.

Von Afrika nach Nordamerika

Im Frühjahr trauten sich meine Frau und ich zum ersten Mal an das Spiel Mombasa von Alexander Pfister heran. Es ist wahrlich kein Leichtgewicht. Im letzten Jahr stand es auf der Empfehlungsliste Spiel des Jahres. Nur eine Empfehlung, obwohl das Spiel anderswo bereits lobend erwähnt wurde. Aber gut, was sie Entscheidungen der Jury angeht, muss man sich seit einigen Jahren nicht mehr wundern. Wie dem auch sei, uns gefiel das Spiel ziemlich gut, auch wenn wir bisher erst zwei Parteien gespielt haben.
Auf der Empfehlungsliste Kennerspiel des Jahres stand dieses Jahr Great Western Trail. Wieder ein Spiel von Pfister, welches auch von Kennern hoch gehandelt wurde. Es reicht aber bisher immer nur zu nachrangigen Plätzen. Was wirklich schade ist, denn das Spiel ist thematisch intensiver als Mombasa, geradliniger und bedingt übersichtlicher — wobei man das wirklich erklären muss, denn hier ist der erste Eindruck ein ganz anderer.

 

Spieleretableau von Great Western Trail
Spieleretableau

Materialflut bei Great Western Trail

Wenn man das Material erfolgreich aus den Stanzbögen gelöst und auf dem Tisch verteilt hat, fühlt man sich erstmal erschlagen. Die Anleitung mildert diesen Eindruck nicht ab. Es ist immer wieder traurig, dass man sich durch einen Regel-Dschungel kämpfen muss, bis einem zum ersten Mal das Licht aufgeht. Das geht anders und war auch mal anders. Nun denn, hat man die Hürde genommen, macht es „Klick“ im Kopf. Eigentlich ist alles ganz einfach.
Jeder Spieler verkörpert einen Viehtreiber, der seine Rinderherde durch den wilden Westen von Texas nach Kansas City bringen will. Von dort werden sie dann in den Zug geladen und ihn hoffentlich Punkte bringende Stätte transportiert. Am Anfang ist der Wilde Westen in Great Western Trail noch öde und verlassen. Nur wenige Gebäude locken. Schnell erreicht man mit seiner Herde das Ziel, nur um das erstaunt festzustellen, dass sie eigentlich ziemlich wertlos ist.

 

Entlang der Bahn

Deck Building im Kern

Im Kern ist Great Western Trail ein Deck Building Spiel. Punkte und Geld bringt die eigene Gerade auf der Hand, wobei man versucht, möglichst unterschiedliche Karten in seiner Hand zu haben. Gleiche Rinderarten zählen nicht mehrfach, sondern nur ein Mal. Hinzu kommt, dass man an Anfang noch recht wenige so genannte Hilfsaktion zur Verfügung hat. Auch liegt das Handkartenlimit bei vier Karten. Im Laufe des Spiels kann man bei der Lieferung von Rindern Scheiben von seinem eigene Tableau Scheiben entfernen und diese auf Städten ablegen. Das bringt nicht nur am Ende Siegpunkte schaltet Aktionen frei.

Sowohl bei Wikipedia als auch bei hall9000 findet sich ein guter Überblick, welche einzelnen Mechanismen bei Great Western Trail ineinander greifen. Um die eigene Rinderherde wertvoller zu machen, muss man Cowboys einstellen. Der eigene Zug, der die Rinder später transportiert, will vorher bewegt werden. Dafür benötigt man Ingenieure. Und auf der Strecke selber nach Kansas City können eigene Gebäude gebaut werden (mittels einzustellender Handwerker), die nicht nur am Ende Siegpunkte bringen, sondern das eigene Handlungsspektrum erweitern.

 

Der Wilde Westen

Spieldauer und Zugänglichkeit

Persönlich halte ich Great Western Trail für zugänglicher als Mombasa. Man braucht nur jemanden, der die Regeln kennt und dann erklärt. Das geht anhand des Spielmaterials zügig und unkompliziert. Hat man die Symbolik verstanden, erschließt sich alles fast wie von selber. Gespielt haben meine Frau und ich es am Wochenende zu zweit. Das lief wunderbar und fühlte sich nicht wie eine Notlösung an. Es ist davon auszugehen, dass die Spielerzahl (2 bis 4) nur Nuancen verändert. Aber: die Spieldauer ist ansehnlich hoch. Für unsere erste Partei haben wir locker drei Stunden benötigt. Die Zeit ist zwar wie im Flug vergangenen und die drei Stunden haben sich nicht wie drei Stunden angefühlt. Spielt man allerdings Great Western Trail zu viert, braucht man Spielern, die sich drauf einlassen. Und nicht zu lange grübeln, wenn sie an der Reihe sind.
Der Wiederspielreiz ist meiner Meinung nach ziemlich hoch und es wird in diesem Jahr auch nicht bei einer Partei Great Western Trail bleiben. Das Spiel ist ein echtes Highlight aus dem vergangenen Jahr. Vor der nächsten Partei werde ich mir in jedem Fall noch mal mit Nummern bedruckten Beutel kaufen — das sollte die Aufbauzeit deutlich reduzieren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren