The Handmaid’s Tale

The Handmaid’s Tale

In der Süddeutsche Zeitung wurde die Serie The Handmaid’s Tale heute morgen ziemlich über den grünen Klee gelobt. Ansehen werde ich mir sie definitiv nicht.

Lorbeeren und Bezüge

Wenn man die Beschreibung zur Serie The Handmaid’s Tale bei der Süddeutsche Zeitung liest, stößt man auf Begriffe wie „Qualitätsfernsehen“, „Erfolg“ und „fünf Primetime-Emmys“. Mit ziemlicher Sicherheit ist das kein Hype, sondern die Lorbeeren sind durchaus verdient. Ob man, sie wie es Kathleen Hildebrand in der SZ tat und auch viele andere machten, unbedingt Bezüge zu Trump und dem neuen politischen Kurs der USA ziehen muss, sei dahingestellt. Geschichten sollten erstmal für sich selber stehen. Ziemlich sicher bin ich mir, dass dies Margaret Atwood mit ihrem Roman „Der Report der Magd“, auf dem die Serie basiert, auch tatsächlich gelungen ist.
Eigentlich sollte man für jede Science Fiction Serie dankbar sein, insbesondere dann, wenn man sie quasi gratis zu sehen bekommt. The Handmaid’s Tale wird es in der deutschen Fassung exklusive bei T-Entertain der Telekom geben. Trotzdem werde ich mir die Serie garantiert nicht ansehen.

The Handmaid's Tale
shirly-com / Pixabay

The Handmaid’s Tale als Dystopie

Leichte Kost ist The Handmaid’s Tale in keinem Fall. Es wird eine Dystopie gezeichnet, in der der größte Teil der Menschen unfruchtbar ist. Die wenigen gebärfähigen Frauen werden zu Eigentum erklärt, gefangen und in Zentren gesperrt. Ihre einzige Rolle ist die, zu dienen. Daher wohl auch der deutsche Titel „Die Geschichte der Dienerin“ für die Verfilmung von Volker Schlöndorff. Als Geburtsmaschinen. Rechte haben sie ansonsten keine, dürfen keinen Beruf ausüben, nicht lesen und schreiben lernen. Zum Buch selber findet man unter anderem bei Wikipedia eine Zusammenfassung.
Bereits diese reicht mir aus. Natürlich kann ich mir auch Filme ansehen, die eine düstere Welt zeigen. Egal ob diese in der Vergangenheit oder Zukunft angesiedelt ist oder völlig fiktiv ist. Auch mit Dystopien habe ich im Allgemeinen keine Probleme. Ich muss mir aber nicht freiwillig eine Serie ansehen, die bei mir das Gefühl von Wut und Hilflosigkeit auslösen wird.

Empathische Ohnmacht

Um mich mit der Unterdrückung von Frauen zu beschäftigen, brauche ich The Handmaid’s Tale nicht. Das passiert weltweit rund um die Uhr. Nicht nur in Saudi-Arabien oder unter der Knute des islamischen Staates, sondern direkt vor der Haustür, im eigenen Land. Echte Gleichberechtigung gibt es nach wie vor nicht. Erst kürzlich schrieb ich darüber im Zusammenhang mit den angebliche Regeln für Lehrerinnen von 1915. Die Figur Offred in The Handmaid’s Tale würde mir mit Sicherheit nahegehen. Ich würde mit ihr leiden, Wut in mir spüren und hilflos sein.
Das ist für mich alles andere als leichte Abendunterhaltung. Natürlich ist die Serie genau wie das Buch in gewisser Weise wichtig. Die Frage ist nur, we damit erreicht werden soll. Die verbohrten Frauenfeinde werden durch die Serie nicht bekehrt. Wer sich dagegen Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben hat, muss nicht überzeugt werden.

2 Replies to “The Handmaid’s Tale”

  1. Beim letzten Absatz stimme ich nicht zu. Könnte man verbohrte Frauenfeinde, Rassisten, etc. nicht ändern, dann wären wir noch immer da wo wir vor 300 Jahren waren. Jede mediale Auseinandersetzung ist ein Tropfen, der das Fass füllt und irgendwann zum Überlaufen bringt :)

    1. Ich setzte da eher auf jüngere Menschen, die lassen sich sicher erreichen. Wer wirklich verbohrt ist, der ändert sich nicht mehr :-(

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren