Fast ohne Keynote

Fast ohne Keynote

Auch wenn man zu den langjährigen Kunden von Appel gehörte, stellte sich nach der Keynote am vergangene Dienstag eine wohl berechtigte Frage. Gehen Apple so langsam die Innovationen aus?

Gemacht oder gemeint

Letztes Jahr im Herbst fand ich die damalige Keynote vom Apple bereits befremdlich. Der entscheidende Punkt für mich war die Frage, ob die Firma überhaupt noch Computer herstellt. Auf der WWDC 2017 Anfang Juni gab es dann zum ersten Mal nach längerer Zeit neue iMacs. An einem sitze ich gerade und tippe diese Zeilen. Eigentlich könnte ich zufrieden sein, aber das was ich eigentlich hatte haben wollen, bekam ich nicht. Die neuen iMacs sind vielleicht gut gemeint, aber alles andere als gut gemacht. Im gründe kauft man sich ein großes Notebook mit externer Tastatur und Maus. Späteres nachrüsten ausgeschlossen. Das war noch vor einigen Jahren anders.
Vielleicht liegt das, was ich als fehlende Innovationskraft bezeichnen würde an einem gesättigten Markt. Auch dran, dass wir uns derzeit in einer Phase befinden, wo man schon etwas wirklich bahnbrechendes vorstellen muss, um uns aus der Fassung zu bringen. Warum man dann auch noch an den Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt und ihnen einen neuen Weg aufzwingen, ist merkwürdig. Jedenfalls, ich wollte als Konsequenz draus keine weitere Keynote mehr live verfolgen.

Wasserdichte Keynote
Free-Photos / Pixabay

Fasten statt Keynote

Dienstag ist mir der Vorsatz zum ersten Mal tatsächlich gelungen. Ein echtes Keynote-Fasten. Nicht mal für eine Minute schaute ich in den Live-Stream rein. Mir reichte die Zusammenfassung am nächsten Tag — da wurde man förmlich mit den „Neuigkeiten“ überschwemmt. Warum die Anführungszeichen? Nun, bereits im Vorfeld wurde wirklich alles geleakt (wie das Neudeutsch heisst). Auf Hardwareseite gab es drei Felder, die Apple in der Keynote abdeckte. Ein neues Apple-TV mit 4k Auflösung, eine neue Apple Watch und neue iPhones. Von allen vorgestellten Geräten ist aus meiner Sicht das Apple TV noch das interessanteste. Zumindest dann, wenn man einen 4k-fähigen Fernseher besitzt. Das man 4k-Filme zum gleichen Preis kaufen kann wie HD-Filme und bei bereits gekauften HD-Filmen ein kostenloses Update erhält ist tatsächlich klasse. Hier hat Apple gut verhandelt und schenkt den Kunden einen echten Mehrwert — auf Kosten der Filmindustrie, versteht sich.
Die neue Apple Watch 3 ist meiner Meinung nach ein ziemlich fauler Apfel. Die LTE-Funktion halte ich für völlig nutzlos. Aber der Reihe nach. Es gibt mehrere Auffälligkeiten. So wird etwa die Appel Watch 3 sowohl als reines GPS-Modell als auch als GPS plus LTE Modell angeboten. Der Unterschied zwischen den Modellen ist offensichtlich, glaubt man. Nun, als Kunde hat man keine Wahl, wenn man mehr als 8 GB Speicher möchte. Das GPS Modell gibt es nur mit 8GB während die LTE Variante nur mit 16 GB verkauft wird.

LTE in der Uhr

Während der Keynote wurde davon gesprochen, dass die Apple Watch 3 einen ganzen Tag lang durchhalte. Seitens Apple gibt es ein Nutzungsprofil. Im besten Fall kommt man mit einer Akkuladung 18 Stunden aus. Das ist aus meiner Sicht kein ganzer Tag, denn der umfasst 24 Stunden. Je mehr man das Gerät als Smartwatch nutzt, desto kürzer dürfte die tatsächliche Akkulaufzeit dann sein. Die Apple Watch 3 ist wasserdicht 8wie schon ihr direkter Vorgänger), was sie besonders geeignet machen soll, um unterwegs auf dem Wasser zu telefonieren. Braucht man das wirklich, muss man das haben? Ich denke nicht. Meiner Meinung nach gibt es nur einen echten Grund, warum Apple die Uhr ans Netzt bringen will: Apple Music
Durch den Kahlschlag bei den iPod-Geräten will man eine kompakte Option für die Kunden haben, Musik zu hören. Musik, die es eben als Stream über Apple Music gibt. Dafür ist eine Netzverbindung notwendig. Aus meiner Sicht ist dies auch ein Grund, warum in Deutschland das LTE-Modell exklusiv nur mit einem T-Mobile Vertag nutzbar ist. Die Telekom bietet nämlich nicht nur Apple Music als Zusatzleistung an, sondern garantiert über Stream One, dass die Musik noch den Datentarif auffrist. Vorsichtig sollte man dennoch sein, denn ab dem sechsten Monat bezahlt man für die LTE-Funktion bei der Telekom den regulären Aufpreis für eine Multi-SIM. Wer das alles nicht benötigt, aber eine wasserfeste Uhr mit GPS von Apple möchte kauft sich einfach die Apple Watch 2. Moment, die wurde ja aus dem Programm genommen. Dafür gibt es dann die wesentlich schlechtere Appel Watch 1. Geschickt nennt man das.

Telefon mit X

Der letzte Posten auf der Keynote waren die zwei plus eins neuen iPhone Modelle. Der Knüller: man kann jetzt drahtlos laden. Ja, dass konnten die Geräte einige anderer Hersteller bereits vor Jahren. Damit es mit dem Laden klappt, wurde die Rückseite des iPhones ebenfalls aus Glas gemacht. Prima, dann hält das neue iPhone 8 noch länger. Ob man dann wenn man drahtlos laden möchte, noch eine Hülle verwenden kann — kein Wort dazu bisher. Die beiden 8er Modelle unterscheidet vor allem die zweite Kamera auf der Rückseite des iPhone 8 plus. Und natürlich auch ein größeres Display. Ansonsten hat man die Wahl, ob man ein Modell mit 64 GB oder 256 GB Speicher möchte. Klingt nicht nur merkwürdig, sondern ist es auch. Beim iPhone 7 hatte man die Wahl zwischen 32 GB und 128 GB, obwohl viele Kunden gerne eine 64 GB Variante gehabt hätten.
Und dann ist da noch „one more thing“, die Sache mit dem X. Das iPhone Modell welches einen Ausblick auf die Zukunft geben soll. Ein fast randloses OLED-Display, aber keinen Home-Button mehr und auch keine Touch-ID. Statt den HomeButton zu drücken um das gerät zu entsperren, muss man jetzt über das Display streichen. Genau, diese swipe to unlock Geste, die Apple uns bei den anderen iPhones durch das OS-Update genommen hatte. Dazu kommt dann noch das offensichtliche Ende von Touch-ID. Entsperrung über Gesichtserkennung, über Biometrie. Das kann man durchaus so kritisch sehen wie Andrian Kreye heute in der Süddeutsche Zeitung. Er zog einen Vergleich zwischen Gesichtserkennung und der Schädelvermessung, welche die Nationalsozialisten im Rahmen ihrer „Rassenlehre“ betrieben.

Zukunftsmusik

Man kann anhand der Face-ID eine ziemlich düstere Zukunftsmusik komponieren. Ob es so kommen wird, lässt sich schwer sagen. Erschreckend ist in jedem Fall, das Apple auf der Keynote technische Möglichkeiten präsentierte, die zum Guten wie auch zum Schlechten verwendet werden können.
Was meine persönliche iPhone-Zukunft angehet, werde ich an meinem Plan festhalten, mir nur noch Vorjahresmodelle zu kaufen. Ich brauche nicht den neusten Scheiß, mir reicht das, was das iPhone 7 kann, komplett aus. Darüber hinaus bin ich auch noch mit meinem iPhone 6 zufrieden und würde es behalten, wenn der Akku länger halten würde. Austauschen kann ich den ja selber nicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren