Kim und Struppi

Kim und Struppi

Tatsächlich ist es kein Schreibfehler, wenn in der Überschrift von Kim und Struppi die Rede ist. Kim oder Tim, das ist nicht nur ein Buchstabe Unterschied.

Die Sache mit Tim

Früher als Kind habe ich mir aus der Stadtbibliothek in Wesel nicht nur Bücher ausgeliehen, sondern auch Comics. Neben Asterix und Obelix war das damals auch „Tim und Struppi“. Die Abenteuer des belgischen Reporters Tim und seines Hundes Stuppi fand ich faszinierend. Auch wenn die Einblicke in andere Länder und Sitten nicht nur klischeehaft, sondern zum Teil rassistisch waren (vgl. „Tim im Kongo“), als Kind konnte ich mich dafür begeistern. Anders als bei anderen aus meiner Generation hielt meine Begeisterung für den belgischen Reporter nicht an.
Christian Eisert, der Autor von Kim und Struppi, ist in der DDR aufgewachsen. Eher unwahrscheinlich, dass er wie ich als Kind Zugang zu den Comics von Hergé hatte. Trotzdem ist der Titel seines Buches über eine Reise nach Nordkorea gut gewählt. Ob das bewusst war, kann ich nicht beurteilen. Eisert ist Gag-Autor und das Wortspiel mit Kim und Tim liegt auf der Hand, auch wenn es ziemlich flach ist. Wobei ich den Titel allerdings für tiefgründiger halte.

Kim und Struppi
Public_Domain_Photography / Pixabay

Neuland Nordkorea

Es geht um Nordkorea, ein Land, welches den meisten von uns unbekannt ist. Kein Land, in dem man Urlaub macht und auch nicht mal eben dorthin reisen kann. Es hat sich nach außen abgeschottet als eine der letzte „kommunistischen“ Diktaturen. Zusammen mit einer guten Freundin hat sich Eisert aufgemacht, dieses Land zu erkunden. Immer auf der Suche nach der regenbogenfarbenen Wasserrutsche, an die er sich noch aus seiner Schulzeit erinnert. Sie ist der Aufhänger für die Reise. Wie Tim berichtet Eisert aus einem uns unbekannten Land, erlebt dort Abenteuer, darf aber anders als Tim niemals als Reporter auffallen. In Nordkorea, so lernt man beim lesen des Buches, könnte das lebensgefährlich werden. Aus den Augen von Eisert lernt man Nordkorea ein wenig kennen. Wobei auch Eisert immer nur einen gefilterten Blick serviert bekommt. Reisende in Nordkorea werden stets abgeschirmt.
Noch mal aber zurück an den Ausgangspunkt, die regenbogenfarbenen Wasserrutsche. Die begegnete Christian Eisert während seiner Schulzeit, als er ein Foto aus Nordkorea zu sehen bekam. Die DDR, so erfährt an, pflegte Beziehungen zum sozialistischen Bruderland. Diese Wasserrutsche wollte Eisert sich vor Ort ansehen und reisst daher mit seiner Freundin Thanh Hoang, einer Deutsch-Vietnamesin, nach Nordkorea. Offiziell, um dort Urlaub zu machen und unter Verwendung von falschen Biographien.

Gratwanderung

Die Sache mit den falschen Biographien ist notwendig, aber es gelingt den beiden Reisenden nicht, sich konsequent an ihre Legend zu halten. Draus zieht Kim und Struppi eine gewisse Grundspannung, denn als Leserin oder Leser erwartet man nach jeder Seite, dass die beiden auffliegen und verhaftet werden. An manchen Stellen ist es allerdings auch etwas nervig, denn die Fotoreporterin Thanh überspannt manchmal den Bogen. Trotz des Risikos begeht sie Tabubrüche, die beide in Lebensgefahr bringen könnten. Das nichts passiert, haben die beiden wohl auch ihren zwei „Reisebegleitern“ zu verdanken, die mehr als erlaubt durchgehen lassen.
Von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit (aus nordkoreanischer Sicht) werden die beiden Urlauber geführt. Dabei wird stets Wert darauf gelegt, ihnen wie allen anderen Touristen nur ein Nordkorea zu zeigen, dass der Idealvorstellungen der Führung entspricht — ob das nun der geliebte, große oder sonst was Führer ist. Die Wirklichkeit scheint trotzdem an jeder Stelle durch, die Bemühungen sie zu verschleiern, wirken surreal. Genau das fängt Christian Eisert in Kim und Struppi hervorragend ein.

Kim und Struppi als Einstieg

Das das Buch kein Sachbuch ist, war mir von Anfang an klar. Ich persönlich sehe Kim und Strupi auch eher als Einstieg, um sich mit dem Thema Nordkorea zu befassen. Gerade die aktuellen Entwicklungen bis hin zu einem möglichen nuklearen Schlagabtausch sollten Anlass sein, sich mit dem Land näher zu beschäftigen. Eisert liefert mit seinem Reisebericht eine Rutsche — es bleibt den Leserinnen und Lesern überlassen, ob sie daraus etwas machen. Die regenbogenfarbenen Wasserrutsche findet Eisert tatsächlich, allerdings anders als erwartet.
Man kann dem Buch, so wie es in einigen Rezensionen auch passiert, einiges vorwerfen. Allerdings muss man sich dann auch fragen lassen, mit welcher Prämissen man es gekauft hat. Ich für meinen Teil fand es unterhaltsam und halte es geeignet, Neugier und Interesse zu wecken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren