Methodisch korrektes Biertrinken

Methodisch korrektes Biertrinken

Das ich ein Freund von Craft Bier bin, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Damit hat das Buch mit dem Titel Methodisch korrektes Biertrinken allerdings nichts zu tun. Sondern mit Physik.

Nieten unter sich

Eigentlich schon mal ganz geschickt, über das Thema Bier die Leute zu ködern, die mit Physik eher weniger anfangen können. So gehöre ich für meinen Teil ebenfalls dazu. Physik war nie mein Ding gewesen, wo bei ich die starke Vermutung hege, dass es an den Lehrern gelegen hat (wie kennen ja die Sache mit der Badehose). Das Einzig, woran ich mich aus dem Physikunterricht noch gut erinnere, ist Rambo. In einer Physik-Stunde sahen wir nämlich Rambo 1, leider immer wieder unterbrochen von schwarz-weiß Einspielungen. Unser damaliger Physik-Lehrer hatte auf einer VHS-Kassette ein Experiment aufgezeichnet. Besagter Rambo-Film befand sich vorher drauf. Worum es in dem Experiment genau ging? Vergessen, wie so vieles aus dem Physik-Unterricht.
Jetzt könnte man an dieser Stelle ernsthaftes Desinteresse am Stoff bei mir unterstellen. Dem muss ich jedoch widersprechen. Nicht nur, weil ich mich als Kind begeistert auf den zu Weihnachten geschenkt bekommenen Physik-Baukasten gestürzt habe. Sondern auch, weil ich bis zum Ende der 9. Klasse Elektriker werden wollte. Bei so einer Berufswahl wäre man so ganz ohne Physik nicht ausgekommen. Wie dem auch sei, heute würde ich mich zu den Physik-Nieten zählen. Was Schwerkraft ist, weiss ich. Auch, das Strom nicht aus der Steckdose kommt. Viel mehr ist es aber auch nicht.

Methodisch korrektes Biertrinken
Free-Photos / Pixabay

Themen gut erklären

Das zu meiner Schulzeit anders ist als heute, mag sein. Eins wird sich aber nach wie vor nicht geändert haben. Nach wie vor gibt es Lehrer, die nicht erklären können und wenige, die ein echtes Händchen dafür haben. Chemie, Physik, Bio — Fächer, aus denen ich wenig mitgenommen habe. Dabei mag ich eigentlich die Naturwissenschaften. Mein Fach, wo ich richtig glänzen konnte, war der Informatikunterricht — das wäre jetzt aber ein ganz anderes Thema. Mein Studienzeit bestätigte im Grunde das Bauchgefühl. Oft liegt es nicht an den Schüler, sondern an den Lehrern, wenn der Stoff nicht rüber kommt. Als ich über das Buch von Reinhard Remfort, Methodisch korrektes Biertrinken, stolperte, schloß ich den Titel spontan in mein Herz. Ein Kauf ohne durchblättern. Allein der Klappentext war bereits vielversprechend:

Dieses Buch soll eine Lanze für das wohl unbeliebteste Schulfach brechen. Richtig betrachtet, ist Physik nämlich gar nicht kompliziert, abstrakt und unverständlich – das ist Mathe! Physik ist unterhaltsam und beantwortet die brennenden Fragen der Menschheit: Warum schäumen Bierflaschen über? Was hat ein Moshpit mit Thermodynamik zu tun? Warum verbrennt man sich an den Tomaten auf der Pizza immer die Zunge? Schlägt sich der Hot-Chocolate-Effect auf die Hüften nieder?

Wenn man es richtig verpackt, kann man den Leuten alles verkaufen. Und mir entsprechend auch Physik. Das Taschenbuch mit den schlanken 208 Seiten habe ich in drei Zügen durchgelesen (Maßeinheit für Pendler).

Die Sache mit der Tomate

Der Aufhänger, eine WG-Silvesterparty, ist originell und witzig. Die physikalischen Themen gut eingebettet und so gut es geht verständlich erklärt. Skizzen, die die Zusammenhänge verdeutlichen sollen, runden den positiven Gesamteindruck ab. Das ich nur einen kleinen Teil tatsächlich behalten habe, liegt nicht am Autor. Methodisch korrektes Biertrinken ist wirklich ein gutes Buch. Was aber habe ich draus denn tatsächlich behalten?
Die Sache mit der Tomate natürlich. Schon immer habe ich mich gefragt, wieso ich mir bei einer an sich maximal lauwarmen Pizza an den Tomaten die Zunge verbrenne. Ohne jetzt noch mal in das Buch zu schauen, versuche ich das aus dem Kopf heraus zu erklären. Also, vereinfacht gesagt liegt es am Wasser. Das werden wohl die meisten von uns bereits vermutet haben. Eine physikalisch korrekte Erklärung sieht jedoch anders aus. Man muss ein wenig dazu ausholen (und auf ein vorheriges Kapitel im Buch zurück greifen). Stoffe erhitzen sich so lange, bis sie an den Punkt ihres Phasenübergangs angelangt sind. Sie werden erst dann heißer, wenn der Phasenübergang vollständig abgeschlossen ist. Einfach Beispiel dafür: Bei Wasser findet unter normalen Verhältnissen ein Phasenübergang von flüssig zum gasförmig bei 100 grad statt. Das Wasser fängt bei der Temperatur an zu kochen. Kochendes Wasser wird jedoch niemals heißer als 100 Grad. Der Phasenübergang muss erst vollständig abgeschlossen sein, sprich das Wasser vollständig verdampft sein.

Was ist auf der Pizza?

Auf der Pizza sind die Tomaten in der Regel die Zutat mit dem meisten Wassergehalt (unabhängig vom Herkunftsland der Tomaten). Um die Tomaten zu erhitzen, wird daher mehr Energie benötigt also etwa für den Käse oder Pilze. Die Energie wird in den Tomatenscheiben gespeichert. Holt man die Pizza aus dem Ofen, kühlen die Zutaten darauf nach und nach ab. Da in den Tomaten vergleichsweise mehr Energie steckt als anderen Zutaten, dauert es entsprechend deutlich länger, bis die Tomaten abgekühlt sind. Auch wenn der Rest also schon essbar abgekühlt ist, sind sie noch richtig heiß.
Remfort hat das in seinem Buch Methodisch korrektes Biertrinken garantiert noch etwas verständlich und korrekter erklärt. Aber ich hatte ja an dieser Stelle den Ehrgeiz, es ohne spicken wiederzugeben.

Methodisch korrektes Biertrinken angewendet

Eigentlich müssten der Zwischentitel ja anders lauten, aber bei so einem langen Buchtitel, wie das bei Methodisch korrektes Biertrinken der Fall ist, muss man schon mal improvisieren. So wie an einigen Stellen die Experimente im Buch aus einer Situation heraus entstanden sind, wo improvisiert werden musste. Etwa an der Stelle, wo es darum geht, aus einem Karton von Batterien diejenige herauszufinden, die noch über die meiste Ladung verfügt — ohne Spannungsprüfer. Die Antwort verblüfft. Es ist die Batterie, die beim fallen lassen auf den Boden am wenigsten springt. Warum das so ist sollte man unbedingt im Buch selber lesen. Auch wenn man nur ein Experiment behält, hat es sich gelohnt. Man weiss nämlich dann erheblich mehr als vorher. Und auf der nächsten Party kann man dann was interessantes anschaulich erzählen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren