Rezension zu First Martians

Rezension zu First Martians

Letzte Jahr gehörte ich noch zu denjenigen, die ziemlich begeistert waren, waren, als die ersten Details zu First Martians, dem neuen Spiel von Ignacy Trzewiczek, bekannt wurde. Als man Anfang des Jahres dann endlich vorbestellen konnte, war mein Interesse ziemlich abgekühlt.

Die Vorgeschichte

Das der Mars mich in den Bann zieht, ist schon sehr lange so. Der große rote Plant begeistert mich in Science Fiction Romanen, in Filme und Spielen. Unvergessen für mich ist ein Steampunk Rollenspiel (Pen und Paper), bei dem das Britische Empire den Mars besiedelt. Die Flugschiffe wurde angetrieben mit so genanntem Flugholz. Ziemlich gut kann ich mich auch an Zak McKracken and the Alien Mindbenders erinnern. Ein Computerspiel von LucasArts, bei dem sich die Hauptfigur, der Reporter Zak McKracken, später auch auf dem Mars wiederfindet. Dort hat er dann eine merkwürdige Begegnung mit einem sprechendem Besen. Den Film „Der Marsianer“ haben meine Frau und ich erst letzte Woche gesehen, nach einer denkwürdigen Partie von First Martians.
Von Ignacy Trzewiczek kannte ich bisher vor allem Robinson Crusoe, ein zu Recht hoch gelobtes kooperatives Spiel mit nicht zu unterschätzenden Schwierigkeitsgrad. Vom gleichen Autor besitze ich auch Imperial Settlers. Im Vergleich zum Inselabenteuer deutlich leichtere Kost. Beide Spiele besitze zudem in der deutschen, bei Pegasus erschienen, Ausgabe. Ein nicht unerhebliches Detail, auf das ich später noch mal zurück komme.

First Martians
WikiImages / Pixabay

Schwankende Begeisterung

Sowohl Robinson Crusoe als Imperial Settlers gefallen mir persönlich ganz gut. Meiner Frau eher weniger. Bei Imperial Settlers liegt es vermutlich eher dran, dass wir es noch nicht ausreichend oft gespielt haben. Robinson Crusoe gefällt ihr dagegen nicht, weil das Spiel Zugfehler hart bestraft. Mit anderen Worten, man stirbt sehr häufig, was mitunter zu einem frustrierenden Spielerlebnis führt. Sie votierte sogar dafür, das Spiel zu verkaufen — was ich aber nicht wollte.
Dann kam im Herbst letzten Jahres Cry Havoc von Portal Games — dem Verlag von Ignacy Trzewiczek. Selber hat er Cry Havoc nicht direkt zu verantworten, es stammt aus der Feder von Grant Rodiek, Michał Oracz und Michał Walczak. Im Vorfeld der Spiel 2016 wurde Cry Havoc ziemlich gelobt. Auch bei „The Dice Tower“. Die Befürchtung, dass das Spiel zügig auf der Messe ausverkauft sein würde trieb mich dazu, es dann im Herbst direkt a ersten Messetag zu kaufen. Notwendig war das, wie sich später herausstellte, nicht. Das Geld hätte ich auch besser am Stand gegenüber für Terraforming Mars ausgegeben — der Mars ist bei Spielen gerade wieder in als Thema.
Als meine Frau und ich dann zum ersten Mal Cry Havoc spielten, waren wir mäßig begeistert. Zu zweit haute es nicht gerade um. Hinzu kam dann noch eine Spielregel, die sich man vor der Veröffentlichung noch hätte überarbeiten sollen.

First Martians ohne Vorbestellung

Auch zu viert wurde Cry Havoc nicht zu meinem Lieblingsspiel. Hinsichtlich First Martians wurde ich daher immer skeptisch. Das das Spiel nur mit App spielbar sein sollte, war eher kein Grund zur Abschreckung. Das Thema interessierte mich und von Robinson Crusoe war ih schließlich beeindruckt. Das was an Information bis zum Anfang des Jahres durchsickerte, war eher spärlich. Als es dann am 16. Januar die Möglichkeit zur Vorbestellung gab, war ich erstmal vorsichtig zurückhaltend. Man muss ja nicht sofort vorbestellen, es besteht ausreichend Zeit. Bis zum 22. März ließ ich dann die Gelegenheit verstreichen. Auch die Androhung, das bestimmte Dinge nur exklusive für Vorbesteller erhältlich sein würden, schreckte mich eher ab.
Als sich der Zeitpunkt der Auslieferung immer weiter nach hinten verschob, beflügelte das meine wachsende Skepsis. Die Monate strichen durchs Land und First Martians rückte weiter in den Hintergrund.
Letzten Montag ergab sich dann die Möglichkeit, dass Einführungsszenario von First Martians bei Freunden zu spielen — nach sehr langer Zeit hatten sie ihr Exemplar endlich bekommen.

Der Ersteindruck

Das aufgebaute Material machte auf mich einen verdammt guten Eindruck. Insbesondere auch das bemalte Habitat und die beiden Fahrzeuge — wer nicht vorbestellt hat, muss auf die schicke Bemalung allerdings verzichten. Aber gut, Optik allein ist nicht alles, es kommt auf die „inneren Werte“ an. Das Szenario klang recht einfach. „Make yourself at home“; hier geht es darum, ein Backup-System für die Versorgung auf dem Planten einzurichten. Im Habitat sieht soweit alles gut aus, alle Lämpchen leuchten grün — beziehungsweise die entsprechenden Felder des Spielplans sind mit grünen Würfel besetzt.
Die erste Enttäuschung war für mich die App. Wirklich Null Atmosphäre, kein Tutorial, durch das man geführt wird, Hilfestellungen muss man mühsam in der App nachschlagen. Auch Dinge, die sich eigentlich im Regelbuch befindet sollten. Wer sich zum Vergleich mal die App zu „Mansions of Madness Second Edition“ von Fantasy Flight Games anschaut, wir schnell feststellen, was man alles anfangen kann, um die Immersion zu gewährleisten.

Hakelige Spielrunde

Die erste Spielrunde warf immer weitere Fragen auf, die sich allein anhand der Anleitung nicht lösen ließen. Die Aufgabenstellung war zwar eindeutig, der Weg dorthin jedoch alles andere als klar. Das nach und nach das Habitat Fehlfunktionen aufweisen würde, ok. Wie das aber im Detail zu handeln ist, warum was wie etwas anderes beeinflusst — blieb zumindest mir eher unklar.
Das ausgerechnet für das Einführungsszenario, wenn man noch mit den Regeln und weniger mit den Widrigkeiten auf dem Mars kämpft, zu wenig grüne Cubes vorhanden sind, halte ich persönlich für ziemlich unglücklich. Insgesamt fand ich das Spielerlebnis eher frustig als flüssig. Dennoch finde ich die Idee spannend. Möglicherweise liegt hier unter viel Marssand ein wirklich gutes Spiel begraben.

Eine Reihe von Problemen

Den ganzen Abend über wurde mir nicht klar, welchen Zweck die App zum Spiel wirklich erfüllt und warum sie angeblich zwingend notwendig ist. Das was sie macht, ließe sich meiner Meinung nach auch wie bei Robinson Crusoe mit Hilfe von Karten lösen. Nervige Aufgaben, wie etwa der Check, ob alles noch so funktioniert, welches Modul was an Resourcen benötigt — so was müssen die Spieler selber machen.
Die Anleitung lässt einen an vielen Stellen im Stich. Auf mich wirkt sie wie eine frühe Alpha-Version. Spiele, die erst beim Kunden reifen — so was mag ich nicht. Vielleicht wird First Martians in einer deutschen Übersetzung besser, weil die Regeln dann gestraft werden und fehlendes ergänzt. Mangelnde Sprachkenntnis als Ursache für das wenig überzeugende Spielerlebnis schließe ich mal aus. Liest man sich so durch die Unterschiedlichen Reviews, geht es mit der Anleitung auch Native Speakern so.
Wirklich auf die Palme bringt mich jedoch die Art und Weise, wie Ignacy Trzewiczek mit Kritik zum Spiel umgeht. Das man möglichst sofort losspielen will statt sich stundenlang mit den Regeln auseinander zu setzen, ist einfach so. Neu ist das auch nicht. So was fängt man durch eine gute Anleitung auf. Bei Krosmaster zum Beispiel gibt es im Regelheft kleine Mini-Szenarien zum sofort loslegen. Man spielt und lernt die Regeln. Bei First Martians hätte die App eine ganze Menge leisten können.

Mein Fazit

Schwer zu verstehen, aber trotz der ersten, wenig überzeugenden Partei möchte ich First Martians lieben. Besonders jetzt, wo meine Frau und ich „Der Marsianer“ gesehen haben (unserer Meinung nach ein sehenswerter Film). Das Setting stimmt, die Grundidee ist klasse. Nur die Umsetzung ist offensichtlich misslungen. Es müsste sich ein Verlag finden, der alles noch mal umkrempelt und dem Spiel den notwendigen Feinschliff verleiht. Ob Portal Games selber dafür der Richtige ist, da bin ich eher skeptisch. Bei Robinson Crusoe etwa soll die erste englische Ausgabe in Bezug auf die Anleitung eine Katastrophe gewesen sein. Entschuldigungen lasse ich hier nicht gelten. Es gibt eine ganze Reihe von Spielen, die in ihrer ersten Auflage sogar einen Meilenstein für eine vorbildliche Anleitung gesetzt haben (unvergessen: Siedler von Catan).

3 Replies to “Rezension zu First Martians”

  1. Ich möchte es auch lieben. Aber jetzt wo wir noch mal drei Partien „Robinson Crusoe“ gespielt haben, fürchte ich, dass das mit First Martians nichts mehr wird. Ein bisschen Atmosphäre und Theme brauch ich, wie schon treffend viele sagten: allein vom Abarbeiten einer Excel-Tabelle in brettspielform kann ich mich gedanklich nicht auf den Mars zaubern.

  2. Bei einer deutschen Auflage von First Martians mit komplett neuer App würde ich dem Spiel noch eine Chance geben. Das Theme ist ja an sich gut, aber eine Excel-Tabelle als Spiel ist dann doch etwas zu trocken. Vielleicht hätte dem Spiel eine längere Testphase in größerem Rahmen gut getan.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren