Der C64 hat Geburtstag

Der C64 hat Geburtstag

Langsam scheint es zur Gewohnheit zu werden, Geburtstage zu vergessen beziehungsweise erst viel zu spät drauf zu reagieren. Dabei ist mir gerade der Geburtstag des C64 besonders wichtig.

Die Nummer zwei im Leben

Der C64 war nicht der erste Rechner in meinem Leben. Es war mein zweiter Computer. Mein allererster eigener Computer war ein ZX-81, den ich zwischen Weihnachten und Geburtstag geschenkt bekam. Eine etwas kuriose Geschichte, aber um den ZX-81 geht es eigentlich nicht. Sondern um den Rechner von Commodore, aber der kleine Schwarze mit 1 KB Speicher spielt dennoch eine gewisse Rolle. Während ich noch mit ihm die Computerwelt für mich entdeckte, hatten Schulfreunde einen VC20, das Vorgängermodell vom C64. Mit meinem ZX-81 war ich eher Außenseiter, ein Gefühl was ich später bei den Apple Computern auch häufiger hatte. Wobei das Image von Sinclair schon cooler war als das von Commodore. Komfortabler war der VC20 mit der Datasette, einer guten Tatstatur und vor allem mit einem richtigen An- und Ausschalter auf jeden Fall.
Das diejenigen, die einen VC20 hatten, den Nachfolger von ihren Eltern bekamen, war logisch. Ich dagegen stand diesbezüglich richtig im Abseits.

C64
cstibi / Pixabay

Die Weihe zum C64

Das ich jemals einen C64 geschenkt bekomme würde, war so gut wie ausgeschlossen. Dafür war der Computer einfach zu teuer. Es gab nur eine Möglichkeit für mich, den Rechner zu bekommen und in meinem Freundeskreis zu denjenigen aufzuschließen, die bereits einen hatte. Diese eine Möglichkeit nannte sich „Konfirmation“. Das war damals wie vermutlich auch heute noch mit Geldgeschenken verbunden. Weniger das Religiöse als der Glaube, durch das Ritual an den ersehnten C64 zu kommen trieben mich an. Tatsächlich bekam ich schließlich genügen Geld zusammen, um mir meinen zweiten Computer mit Datasette zu kaufen. Das war im Sommer 1985 — drei Jahre, nach dem der Commodore C64 auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas vorgestellt wurde. In Deutschland erhältlich war der C64 dann ab 1983, anfangs noch zu einem Preis, für das mein Konfirmationsgeld nicht ausgereicht hätte. Angeschlossen habe ich den C64 dann an einem ausrangierten Familienfernseher. Die Auflösung würde heutigen 4K-Verwöhnen vermutlich Tränen in die Augen treiben.

Ladezeiten und Warten

Was man wirklich mit dem C64 lernen konnte, war Geduld. Jedes Programm und natürlich die ganzen Spiele wurde von Datasette geladen. Selbst mit dem berühmten Turbo-Tap dauerte das. Da sich auf einer handelsüblichen Musikkassette mehr als ein Programm speichern ließ, notierte man sich zu jeder Kassette die Zählerstände und somit die Position, an der sich das jeweilige Programm befand. Ich hatte einen schönen kleinen grünen DIN-A5 Ordner dafür. Richtiger Luxus war für mich dann das Floppy-Disk Laufwerk, welches ich mir erst viel später kaufen konnte. Richtig schnell waren nur die Module, auf denen aber eher langweilige Spiele und Lernprogramme zu bekommen waren. Zudem ließ sich von so einem Modul keine Sicherheitskopie anfertigen.
Wirklich nervig war es nur, das Bandlaufwerk mittels Schraubenzieher zu justieren. Notwendig wurde das, wenn man bespielte Kassetten von Freunde bekam, die aus welchen Gründen auch immer nicht richtig geladen wurden.

Erinnerungen an die gute Zeit

Nach wie vor erinnere ich mich gerne an den C64 — die Spiel hatten natürlich eine Grafik, mit der sich heute kein Blumentopf gewinnen ließe. Dafür wurde viel Liebe in Spielideen gesteckt. Ganz ehrlich, einige der Klassiker von damals würde heute auch noch spielerisch überzeugen können. Aus dem Kopf heraus weiß ich auch noch, was der Befehl „SYS 64738“ — er löste eine Reset des Computers aus. Wie viele Joysticks ich damals hatte, keine Ahnung. Die ganze Menge. Der Verschleiß war recht hoch. Zwar gab es innovative Eingabegeräte wie einen mit Quecksilber im inneren, worüber die Neigung gemessen wurde. Komfortabel in der Bedingung war das Gerät nicht. Und der Lightpen, den ich auch mal hatte, war blödsinnig. Wirklich geliebt habe ich meinen Matrixdrucker. Ein extrem robustes Teil, mit dem ich so manchen Text für die Schülerzeitung ausgedruckt habe.
Verkauft habe ich den C64 dann in der Oberstufe. Computer waren plötzlich eher uncool, ich wollte hippe Turnschuhe und einen Gameboy mit Tetris. Aus heutiger Sicht hätte ich den Computer damals behalten sollen. Bis zum nächsten Rechner dauerte es dann eine ganze Zeit, erst zum Studium hin bekam ich einen gebrauchten 286er.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren