Belastbarkeitsgrenze erreicht

Belastbarkeitsgrenze erreicht

Seit gestern schlag ich mich wieder mit der Arbeit in der Agentur herum. Der Urlaub ist vorbei und schneller als mir lieb ist hat mich der Alltag wieder. Wenn ich im folgenden über die Belastbarkeitsgrenze schreibe, dann meine das allerdings nicht.

Zeitung zum mitnehmen

Seit der Umstellung der Tageszeitung auf ein rein digitales Abo habe ich ein Problem weniger. Egal wo und wann ich Urlaub mache, um die Zustellung muss ich mir keine Gedanken zu machen. So lange es einen Internetzugang gibt, bekomme ich auch die Süddeutsche Zeitung frisch zum Frühstück. Obwohl es auch ein schönes Ritual war, sich mit Bezugsgutscheinen zum Beispiel auf Langeoog die SZ zu besorgen und erst nach einem Morgenspaziergang zu frühstücken. Wirklich Zustellungsproblem hatte ich dagegen eher im Alltag, wenn morgens die Zeitung ausblieb und es kein Feiertag in Bayern wie heute war. Das digitale Abo macht mich unabhängig von lokalen Zusteller. Aber darum geht es eigentlich nicht.
Im Urlaub an der Mosel hatte ich meine SZ wie immer dabei, wenn auch im kleineren Format auf meinem iPad mini (ja, das Schätzchen aus der 1. Generation wird von mir nach wie vor verwendet). Allerdings habe ich meine Lesegewohnheit leicht angepasst. Mangels richtigem Sommerloch und unschönen Schlagzeilen habe ich mich nur auf schönen Artikel konzentriert. Feuilleton und Wissensteil der SZ boten genügen Futter. Daneben gab es noch zwei Bücher von Andreas Brandhorst und eine Serie auf amazon prime.

Belastbarkeitsgrenze
klimkin / Pixabay

Schauspielfreie Serien

So was wie „The Shannara Chronicles“ kann man wirklich nur im Urlaub gucken. Wenn man den Tag über gewandert ist und die Flasche Riesling zum Abend sich bereits bedrohlich geleert hat. Die Handlung ist mindestens genau so mies wie die Schauspieler. Ganz ehrlich, jeden Laiendarstellertruppe ist besser. Irgendwann hatten wir nicht nur die Serie durch, sondern es endeten auch unsere Tage an der Mosel. Letzte Woche hatte ich noch eine ganze Woche Urlaub, den wir bei strahlendem Regenwetter mehr oder weniger zu Hause verbrachten. Kein Grund zum jammern, ich kann mich auch bei Regen gut amüsieren. Was ich von den Tagen an der Mosel beibehielt, war meine Leseverhalten. Auf den Punkt gebracht: möglichst alles vermeiden, was mich aufregt. Hier im Blog ging es dank des Krimis auch gemächlich zu (und ja, der Autor würde sich mal über ein Feedback freuen). Am vergangene Wochenende so wie gestern (heute ist wie bereist erwähnt ein Feiertag in Bayern) gab ich mir wieder die volle Dosis Realität.

Wirklichkeit überschreitet Belastbarkeitsgrenze

Das was man von der Welt allein über die Zeitung mitbekommt, überschreitet schnell die eigene Belastbarkeitsgrenze. Der Anschlag in Charlottesville und das miese Bild, welches Trump diesbezüglich abgab. Erneut Trump und seine verbalen Eskalationen, welche die USA an den Rand eines Krieges mit Nordkorea manövrieren. Fipronil in Hühnereiner, Dieselgate und das Versagen deutscher Politiker. Das nur als Spitze des Einsbergs. Selbst bei so harmlos klingenden Themen wie Kindererziehung stieß ich emotional an meine Belastbarkeitsgrenze. Die SZ schrieb über unsägliches Buch, welches sich bei evangelisch-freikirchlichen Glaubensgemeinschaften großer Beliebtheit erfreut. Darin geht es um Kindererziehung und das Loblied der körperlichen Züchtigung. Ehrlich, bei so was könnte ich kotzen. Gewalt hat in der Erziehung nichts zu suchen. Weder körperliche noch psychische Gewalt.

So satt

Das Märchen „Tischlein deck dich“ beginnt mit dem Sohn eines Schneiders, der eine Ziege hüten muss. Eine etwas hinterlistige Ziege, die sprach:

Ich bin so satt,
ich mag kein Blatt

Mir geht es wirklich so. Wo bei sich „Blatt“ auf Zeitungen und andere Medien bezieht, die seriös über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichten. Statt bin ich in der Hinsicht, dass ich wie erwähnt an einer Belastungsgrenze bin. Die ganzen schrecklichen Nachrichten, ich mag sie nicht mehr lesen. Wegsehen hilft nicht, schon klar. Aber hinsehen und sich hilflos fühlen hilft ebenfalls nicht. Die Welt ist zur Zeit extrem überdreht, überhitzt — vielleicht endet dieser Zustand ja mit dem letzen heißen Sommertag in diesem Jahr in Deutschland. Nichts ändern wird die bevorstehende Bundestagswahl im Herbst — aber das ist dann wieder ein ganz anderes Thema.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren