Hypercard zum Geburtstag

Hypercard zum Geburtstag

Normalerweise kann ich mir Geburtstage gut merken. Insbesondere, wenn es runde Geburtstage sind. Den 30von Hypercard am vergangen Freitag hatte ich jedoch nicht auf den Schirm.

Ausbleibende Sinnkrise

Wer die Dreißiger-Linie überschreitet, wird sich möglicherweise schnurstracks auf die erste richtige Sinnkrise bewegen. Hypercard wird dies erspart blieben, denn der Verkauf der Software wurde 2004 eingestellt. Die modernisierte Version 3.0 kam nie aus dem Beta-Stadium heraus. Das letzte echte Update erfuhr Hypercard 1998 mit der Version 2.4. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich vermutlich auch nicht mehr mit Hypercard beschäftigt. Meine Original-Verpackung hat den Aufdruck „Version 2.3“. Aber der Reihe nach. Das Hypercard Geburtstag hatte, erfuhr ich überhaupt erst drüben bei MacStories . Von John Voorhees erfuhr ich dann, dass es im Internetarchiv ein Projekt anlässlich des Geburtstags gibt, wo Hypercardstacks gesammelt werden. Aber nicht nur gesammelt, sondern auch mit einem Emulator versehen, so das man sie über den Webbrowser ausführen kann.

Hypercard 2.3
Hypercard 2.3

Rührende Erinnerungen

Es hat schon etwas rührendes, wenn man auf diese Weise das alte Mac OS (ohne X) wieder erleben kann. Allerdings führt die Nostalgie bei mir nicht zur blinden Schwärmerei. Mac OS war ordentlich, aber als OS X erschien, war ich ziemlich froh, die alten Tücken des Systems endlich hinter mich gebracht zu haben. Das Apple Qualitätsprobleme hatte, zeigte sich aber nicht nur am OS. Auch die Hardware ließ zu wünschen übrig. Mein erstes Notebook von Apple war extrem mies verarbeitet. Aber auch nach der Rückkehr von Steve Jobs gab es Probleme, ich erinnere mich nur ungern an die einjährige Odyssee mit meinem MacBook und dem Display.
Zehn Jahre ist das her. Wirklich besser ist es meiner Meinung nach nicht geworden. Meine Frau wird sich in den nächsten Tagen ihr erstes Windows-Notebook für die Schule kaufen, ich für meinen Teil schiebe eine Neuanschaffung weiter vor mich her. Ein iMac, dessen Komponenten verklebt sind, ist das genau Gegenteil meines damals geliebten G3-Rechners von Apple.

Hypercard und ich

Die Jüngeren meiner Leser werde wohl eher weniger mit „Der Hexenmeister vom flammenden Berg“ anfangen können. Für mich und einige meiner Generation war das Buch von Ian Livingstone und Steve Jackson Kult. Ein interaktives Buch, mit dem man Abenteuer erleben konnte. Textabschnitte, an deren Ende man sich entscheiden musste. Je nach dem ging die Handlung weiter, manchmal wurde auch ein Kampf mit Würfeln oder dem Daumenkino notwendig. Bei mir weckte das die Lust, so etwas selber zu machen. Ein Adventure auf dem C64 zu schreiben, daran scheiterte ich. Aber die Saat war zumindest ausgebracht, so dass ich viel später dann empfänglich war für Hypercard. Mühsam kratzte ich das Geld im Studium zusammen. Eine ganze Zeit lang beschäftigte ich mich mit der Software. Brauchbares dabei ist nicht herausgekommen. Erst später mit Director und Flash schaffte ich es, eigene Projekte zu verwirklichen. Noch mal an die Ursprünge erinnert wurde ich im Dezember 2015, als mit Wunderverse  eine iOS-App erschien, welche die Erstellung von Adventure mehr oder weniger zum Kinderspiel werden ließ.

Mahnende Erinnerung

Wie auf dem Foto weiter oben zu sehen ist, besitze ich noch immer die Originalversion von Hypercard. Für mich ist das Erinnerung und Mahnung zugleich. Die „gute“ alte Zeit von Mac OS 8 und 9 möchte ich nicht vergessen, ebenso wenig wie Myst (dem Spiel, für das ich schlichtweg zu doof war). Mahnen soll mich die Packung dran, mich nicht im emotionalen Überschwang in Abenteuer zu stürzen. Lieber vorher nachdenken, ob ich einen bestimmten Weg wirklich bis zu Ende gehen werde. Wenn nicht, lohnt sich nämlich die Investition nicht. Wie bei mir im Falle von Hypercard.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren