Ulysses in der Abofalle

Ulysses in der Abofalle

Der August ist eigentlich eine vom Sommerloch geprägte Zeit. Daher ließ Kalle es auch in den letzten Tagen krachen. Das ich mich ausgerechnet am ersten Tag danach wieder wütend zurück melde, liegt an Ulysses.

Blockfreie Zeit

So was wie eine blogfreie Zeit gibt es bei mir nicht, ich hab es mir lediglich etwas bequemer gemacht mit einem Krimi. Eine ganz andere Art von Spannung kam bei mir gestern Abend auf. Diese Zeilen hier schreibe ich mit Ulysses — es wird wohl mein letzter Blogartikel sein, der auf diese Weise entsteht. Künftig werde ich alle Schreibaufgaben mit Scrivener erledigen. Insofern muss ich dem Team hinter Ulysses sogar dankbar sein, denn sie haben mir eine Entscheidung abgenommen. Künftig muss ich nicht überlegen, ob ich für ein Projekt Scrivener oder Ulysses verwenden. Beide Programm habe ich mir gekauft und nutze sie auch intensiv. Den bisher sympathischen Markdown-Editor für die kleineren Texte und Blogartikel und vieles mehr, Scrivener für umfangreiche Schreib- und Recherchearbeiten.

Ulysses und die falsche Tür
Skitterphoto / Pixabay

Die Sache mit dem Abo

Gestern Abend erfuhr ich dann via Facebook von dieser Ankündigung: „Ulysses Switches to Subscription“. Die App, die ich unter Mac OS X und iOS so schätze, wechselt ihr Finanzierungsmodell. Künftig kann man das Programm nicht mehr zum einmaligen Vollpreis (oder Updatepreis) kaufen, sondern muss ein Abo abschließen. Bevor ich auf die Begründung dazu eingehe, ein paar Gedanken vorweg dazu. Mich nerv diese Abo-Seuche mittlerweile ziemlich. Das war schon bei TextExpander und 1Password so und ist auch bei Ulysses nicht anders. Es mag sein, dass es jeweils nur kleine Beträge sind, die monatlich für die Nutzung der App fällig werden. Entscheidend ist aber die Gesamtsumme. Wir ein Abo, dort eins — recht schnell verliert man den Überblick.

Abos sind wie Bao

Es gibt ein traditionelles afrikanisches Spiel namens Bao. Dort kann man bei entsprechender Zugbewegung Steine aus der Mulde seines Gegners plündern. Ausgeplündert fühle ich mich auch durch die ganzen Abo-Modelle. Ehrlich, mir reicht das. Vor allem dann, wenn ich persönlich darin keinen Mehrwert für mich sehe. Wenn ich ein Abo abschließe, möchte ich wissen, worauf ich mich einlasse. Für mich bedeutet dies, nicht nur einen Nutzwert geboten zu bekommen. Was hätte ich von einem Streamingangebot, bei dem keine neuen Filme hinzu kommen? Ein Markdowneditor bleibt für mich ein Markdowneditor. Bisher sah ich Stärke von Ulysses darin, nur wenige sinnvolle Funktionen zu bieten. Reduziert auf das Wesentliche. Ich brauche keine neuen Optionen. Nur um den Editor nutzen zu dürfen, monatliche zahlen? Leute, bleibt auf dem Teppich!

Ulysses ist nicht ohne Konkurrenz

Es gibt durchaus Programme, bei denen ich mir ein Abo vorstellen kann. Zum Beispiel Paprika, die App, mit der ich meine Rezepte verwalte. Hier befindet sich eine nur Version in der Entwicklung. Würde es künftig ein Abo geben, ich würde dafür zahlen. Warum? Weil der Entwickler einen Service zur plattformübergreifenden Synchronisierung anbietet — bisher im Übrigen kostenlos. Bei Ulysses benötige ich noch einen Externen Dienst dazu, der ebenfalls kostet. Paprika hat für mich dazu ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt kein vergleichbares. plattformübergreifendes Produkt. Markdown-Editoren gibt es wie Sand am Meer. Einige davon aber ich in der Vergangenheit ausprobiert, ich kann also jederzeit etwa zu Byword wechseln. Abgesehen davon habe ich ja auch Scrivener. Verglichen mit der Software aus Leipzig hat Scrivener einen enormen Funktionsumfang. Feature, die ein Autor wirklich gut gebrauchen kann. Abgehen davon ist mir das Modell der Datenspeicherung auch noch sympathischer. Die automatischen Backups und die Versionierung — grandios.

Die Stimmung im Netz

Nicht nur auf Facebook, sondern auch anderswo schlägt der Unmut hohe Wellen. Und ja, ich kann einige der Kommentare nicht nur nachvollziehen, sondern auch unterschrieben. Die Entwickler haben sich aus meiner Sicht ziemlich verschätzt. Die App biete keine Pro-Funktionen, die ein Abo rechtfertigen würden. Der Preis von fast 40 € im Jahr ist deutlich zu hoch. Bei 10 € im Jahr würde vermutlich keiner lange überlegen, sondern sich darauf einlassen. Deutlich besser wäre ein Modell mit einer kostenlosen Version und Pro-Funktionen, die man via Abo bezahlt — wenn man sie benötigt. Abgesehen davon bin ich jederzeit bereit, für Updates zu bezahlen. Nur eben nicht für alle möglichen wilden Abo-Ideen.

Fade Begründung

Die Entwickler hinter Ulysses versuchen in einem sehr langen Beitrag, ihre Entscheidung zu begründen. Vieles davon kann ich nicht nachvollziehen, anderes hingegen kommt mir bekannt vor. In einer Internetagentur hat man zum teil ähnliche Probleme und muss auch Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht immer einfach sind. Es gibt aber einen erheblichen Unterschied, mal wieder. Einer der Gründe für das Abo-Modell ist laut Max Seelemann der, dass man neue Nutzer gewinnen möchte beziehungsweise im Markt expandieren. Das geschieht aber nicht dadurch, dass man bisherigen Nutzern mit der Bahnschwelle vor den Kopf schlägt. Eine Möglichkeit der Expansion wäre etwa, ein neues Produkt zu entwickeln. Mit nur einem Produkt in einem gesättigten Markt (und der Markt für Textprogramme ist wirklich gesättigt) zu expandieren, ist extrem blauäugig. So kann nur schief gehen.
Die gesamte Begründung hinsichtlich Updatzyklen, Bereitschaft zu zahlen und so weiter ist für mich irrelevant. Muss mich als Kunde das Geschäftsmodell wirklich interessieren? In gewisser Weise ja, denn ich möchte die Software möglichst lange nutzen.

 

Zwangspause bei jedem Start

Verspieltes Vertrauen

Für mich ist steht nicht das Geschäftsmodell im Vordergrund, sondern das Vertrauen. Das gilt für mich als Kunde, aber auch als Dienstleister. Monatlich für etwas zu zahlen, ohne dass ein erkennbarer Mehrwert im Raum steht, ist für mich daher ein ziemlicher Vertrauensmissbrauch. Die lapidare Aussage, man könne ja auch die alte Version von Ulysses nutzen, ist ehrlich gesagt unverschämt. Bei jedem Start bekommt man Werbung für das neue Abo-Modell eingebunden. Faire wäre gewesen, die bisherige Version mit Updates weiterhin zu versorgen (gerne auch gegen Bezahlung) und eine neue Abo-Version parallel anzubieten. Mai ist, dem Benutzer die Wahl zu lassen zwischen zwei Möglichkeiten. Für mich hier ist das hier der letzte Satz mit Ulysses.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren