Backstage — Kalle lässt es krachen

Backstage — Kalle lässt es krachen

Arnsburg knallte die Tür zu seinem Umkleideraum zu. In so einem Stück mitzuspielen, war zutiefst demütigend. Das würde er sich auf keine Fall mehr gefallen lassen. Sollten sie doch einfach ohne ihn weiterspielen.

Aus dem Kühlschrank nahm er sich eine Flasche Alt. An der Tür hing neben dem Flaschenöffner ein Zettel. „Entnommene Getränke bitte eintragen.“ Vermutlich würden sie ihm das dann von der Gage abziehen. Auch egal. Er war hier fertig. Mit seinem sportlichen Körper ließ er sich in den fleckigen Sessel fallen. Auch wenn andere so was schick fanden, für ihn war das einfach nur gammelig. Unter seiner Würde. Einen Carl Arnsbug so was zu zumuten. Zumindest war das Bier gut.
Jeder andere hätte geklopft. Helene Funke riss die Tür ohne Vorwarnung auf.

„Was fällt dir ein? Du gehst sofort wieder raus auf die Bühne!“
Arnsburg drehte sich nicht um zu seiner Managerin. Er hob die Flasche vor sein Gesicht und kniff das linke Auge zu. Noch viel zu viel drin. Kopf und Hand drehend, schaute er Helene durch die Flasche an.
„Auch ein Bier?“
Funke riss ihm die Flasche aus der Hand und warf sie gegen die Wand.
„Schade um das Bier.“ Arnsburg blicke Helene an. Sie konnte so süß sein, wenn sie wütend war. Allerdings interessierten ihn Frauen nicht. Genau darin bestand eines seiner Probleme. Ihm war klar, was jetzt folgen würde.
„Mir ist egal was du von dem Stück hältst. Du wirst es zu Ende spielen.“
„Das glaubst auch nur du. Und wenn du fertig bist mit deinem hysterischen Anfall, kannst du mir ein neues Bier aus dem Kühlschrank holen.“

Die Ohrfeige kam für Arnsburg völlig unerwartet.
„Egal für was du dich jetzt hältst, vergiss nicht, wem du das zu verdanken hast. Ohne mich wärst du immer noch der kleine Pornoschauspieler ohne Aussicht auf Zukunft.“
Das war noch schmerzhafter als die Ohrfeige. Arnsburg zuckte zusammen. Mit der Helene von damals hatte diese hier nur noch entfernt Ähnlichkeit. Dabei hatte sie selber mal in einem Porno mitgespielt, auch wenn der Film aus ihm nicht bekannten Gründen nie veröffentlicht wurde.

Arnsburg schämte sich nicht für „Kalle lässt es krachen“. Außerdem hatte James Bond ja auch dauernd was mit Frauen laufen. So eine Vergangenheit würde man ihm nachsehen. Helene wusste jedoch noch etwas anderes über ihn. „James Bond in Pink.“ Helene konnte sehr gehässig sein. Ein schwuler James Bond war undenkbar, das wusste sie genau. Arnsburg liefen die Tränen übers Gesicht. Wenn das raus kommen würde, wäre seine Karriere erledigt. Außer Helene gab es nicht viele Menschen, die von seiner Neigung wussten. Versöhnlich legte Helen ihre Hand auf seine Schulter.
„Schon gut, es erfährt niemand.“
Arnsburg schniefte. Sie hatten ihn mal wieder in der Hand. Artig nahm der das dargereicht Taschentuch, schnäuzte sich und ging zu Tür. Sein Auftritt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren