Das Artefakt von Andreas Brandhorst

Das Artefakt von Andreas Brandhorst

Möglicherweise liegt es am Wetter, vielleicht aber auch am Autor. Das Artefakt ist bereits der dritte Roman von Andreas Brandhorst, den ich gelesen habe.

Space Opera to go

Über den Roman „Der letzte Regent“ hatte ich bereits Anfang der Woche geschrieben. Irgendwie durchgerutscht (und ich kann mich auch nicht mal mehr dran erinnern, wann ich es gelesen habe) ist das Buch „Kinder der Ewigkeit“. Direkt im Anschluss von „Der letzte Regent“ fing ich mit „Das Artefakt“, was ich jetzt auch durch habe. Es ist erneut eine Space Opera to go. Eine große und großartige Geschichte, die alles beinhalte, was klassische Science Fiction, so wie ich sie liebe, ausmacht. Andreas Brandhorst gelang es erneut, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Wie im Rausch habe ich auch diesen Roman von ihm verschlungen.

Das Artefakt
Engin_Akyurt / Pixabay

 

Grundsetting

Vielleicht das Einzige etwas abgedroschen in diesem Roman ist der Ausgangspunkt. Obwohl sich die Menschheit im Weltraum ausgearbeitet und zahlreiche Planeten besiedelte, stand sie kurz davor, nicht nur sich, sondern mehr oder weniger das gesamte bekannte Universum zu vernichten. Der Mensch ist des Menschen Wolf und muss vor sich selber beschützt werden. Nur durch das Eingreifen der so genannten Hohen Mächte konnte im letzten Moment eine interstellare Katastrophe verhindert werden. Seit dem ist die Menschheit in zwei Lager aufgeteilt. Auf der einen Seite die eher rückständigen „gefallenen Welten“ und die Bruchgemeinschaft, die von der Katastrophe verschont wurde. Sie ist es auch, welche die Ägide gründete. Eine Organisation, deren Aufgabe vor allem darin besteht, den Erfolg der 600 Jahre langen Bewährungszeit zu sichern. So viel Zeit räumten die Hohen Mächte den Menschen ein, um sich weiter zu entwickeln und Krieg und Hass aufeinander zu überwinden.
Die Bruchgemeinschaft profitiert von Primärer Technik, hochentwickelten Geräten, die von den Hohen Mächten zur Verfügung gestellt wird. Die Hohen Mächte sind es auch, die Zugang zur Unsterblichkeit gewähren können.
Missionare der Ägide sind unterwegs auf Planten der gefallenen Menschen, um indirekten Einfluss auszuüben, ohne sich aber direkt einmischen zu dürfen.

Das Artefakt taucht auf

Als auf Heraklon ein Artefakt auftaucht, wir der Missionar Rahil Tennerit beauftragt, das Geheimnis zu lüften und eine erneute Katastrophe zu verhindern. Diese droht zum einem durch das Artefakt selber, welches Stück für Stück den gesamten Planten verschlingt. Auf der anderen Seite sind es Zivilisationen aus den gefallenen Welten, die sich des Artefakts bemächtigen wollen, um sich damit einen Vorteil zu schaffen. Ein erneuter Krieg droht, welcher dann kurz vorm Ende der Bewährungszeit die Aufnahme der Menschheit in den Kreis der Hohen Mächte endgültig verhindern würde.

Nichts ist wie es scheint

Die Genialität des Romans steckt zum einen in dem Setting, welches Brandhorst konstruiert. Zum anderen aber auch darin, wie die Handlung verläuft. Die Hauptfigur Rahil Tennerit muss immer wieder erkennen, dass in jeder Wahrheit eine Lüge steckt. Eine doppeltes und dreifaches Spiel, um den Zugang zur Kosmischen Enzyklopädie zu verhindern. Andreas Brandhorst gelingt es mit seiner enormen Kreativität, einen Science Fiction Roman mit deutlichen Thriller Elementen zu präsentieren. Gleichzeitig enthält „Das Artefakt“ auch noch eine Beziehungsgeschichte zwischen Vater und Sohn.
Auch wenn es immer wieder Handlungssprünge gibt, droht zu keinem Zeitpunkt die Gefahr beim lesen, den Faden zu verlieren.

Ein großer Wurf

Mit „Das Artefakt“ ist Andreas Brandhorst ein großer Wurf gelungen. Der anfängliche sehr plump wirkende Aufhänger, die dummen Menschen, die sich immer wieder selber bekämpfen, bekommt gegen Ende — aber das wäre jetzt schon zu viel verraten. Den Roman muss man einfach selber lesen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren