Sklaven der Arbeit

Sklaven der Arbeit

Arbeit ist ein notwendiges Übel, um zu überleben. Sie ist gleichzeitig auch eine Fessel, welche die Menschen in ihrer Lebensführung einschränkt.

Grundeinkommen für ein Jahr

Gestern Morgen zum Frühstück las ich einen Artikel in Süddeutsche Zeitung über Michael Bohmeyer und sein Projekt Mein Grundeinkommen. Bohmeyer selber hat in jungen Jahren bereits so viel Geld verdient, dass er nicht mehr hätte arbeiten müssen. Trotzdem suchte er sich eine Beschäftigung. Er nutzte seine Freiheit, um anderen auch eine Chance auf Freiheit zu verschaffen – durch ein 12 Monate lang gezahltes Grundeinkommen. Von der Idee eines Grundeinkommens bin ich selber schon länger überzeugt. Das was Bohmeyer mit seinem Verein macht, ist daher aus meiner Sicht ein verdammt guter Ansatz um die Tragfähigkeit der Idee zu beweisen. Und natürlich tut er nebenbei eine Menge Gutes. Schaut man sich an, was die 90 Menschen, denen der Verein bereits ein Grundeinkommen bezahlt hat, findet an eine Menge spannender Lebensentwürfe. Aber überdurchschnittlich oft gibt es eine nüchterne Gemeinsamkeit. Da das Grundeinkommen nur für ein Jahr bezahlt wird, ist es eher ein bezahltes Sabbatical. Tatsächlich dreht sich die Mühle des Lebens weiter, angetrieben von einem Gedanken: Arbeit
Den Menschen wird die Freiheit für ein Jahr gezeigt, die Tür zum Käfig geöffnet, der entschiedene Schritt fehlt.

Arbeit
Pexels / Pixabay

Arbeit als Virus

Es sieht so aus als hätte uns ein Virus nach wie vor im Griff. Wir definieren uns über die Arbeit. Bei einigen diente das Grundeinkommen dazu, sich einen besseren Job zu suchen oder eine Ausbildung abschließen, um einen guten Arbeitsplatz zu erhalten. Da ist mir der Lottgewinner, der einfach gar nichts macht deutlich sympathischer. Warum? Weil er sich von den Fesseln befreien konnte. Ich will gar nicht bestreiten, dass es Arbeit gibt, die glücklich macht. Das ist in den meisten Fällen Arbeit, die eigentlich die bezahlte Ausübung eines Hobbys ist. Viel häufiger ist Arbeit Mittel zum Zweck. Der Broterwerb, weil man das Geld zum Leben (und für seine Hobbys) benötigt. Zumindest sehe ich das so. An dieser Stelle kommt dann der zweite Artikel ins Spiel, den ich gestern bei der t3n (Die Bildzeitung für Hipster) entdeckte. Dort lautete die Schlagzeile „Trotz finanzieller Unabhängigkeit: Die meisten Deutschen würden weiter arbeiten“. Wie viel wahres dran ist, dazu später. Erschreckend ist die Aussage zunächst auf jeden Fall. Noch erschreckender, wenn der Büro-Mitbewohner sich ihr anschießt, weil ihm ohne Arbeit langweilig wäre.

Flucht aus der Langeweile

Ganz ehrlich, ich für meinen Teil würde im Fall einer finanziellen Unabhängigkeit nicht weiter arbeiten. Meine Lebenszeit lässt sich auch für mich sinnvoller nutzen. Ich habe eine Menge zeitintensiver Hobbys, so was wie Langeweile ist mir eher unbekannt. Darüber hinaus reicht es mir bereits, einfach nur Bücher zu lesen. Und ja, auch eine ehrenamtliche Tätigkeit kann ich mir vorstellen. Vielleicht auch, Menschen zu helfen, die nicht finanziell unabhängig sind. Anders als andere definiere ich mich nicht über die Arbeit. Was auch dran liegt, was mir mein Vater beibrachte: einen Scheiß drauf zu geben, was andere über einen denken.
Kommen wir aber zu der angeblich repräsentativen Umfrage, die in der t3n erwähnt wurde. Eine Umfrage, die das Karriere-Netzwerk Xiang durchführte. Findet den Fehler. Karriere-Netzwerk. Hier tummeln sich überwiegen Menschen, die einer ganz bestimmten Denkrichtung folgen. Karriere als Lebenssinn und -inhalt auffassen. Das solche auch bei finanzieller Unabhängigkeit weiter arbeiten würden, ist nicht erstaunlich. Immerhin, 18 Prozent der Befragten würde ihren Job an den Nagel hängen.
Wenn 2024 Menschen befragt werden, lässt sich meiner Meinung nach nicht die Aussage zu, dass die „Mehrheit der Deutschen“ arbeiten möchte.

Der freie Wille

Für viele Deutsche ist die Arbeit nämlich, anders als in der t3n behauptet wird, eine Last. Insbesondere Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen werden sicher nicht weiter arbeiten, wenn sie es nicht müssten. Vielleicht sollte man auch grundsätzlich über den so genannten freien Willen nachdenken. Ob diejenigen, die tatsächlich weiter arbeiten wollen, das wirklich aus dreien Stücke machen. Oder ob ihnen etwas von klein auf mitgegeben wurde. Dieser Virus, der sich durch die Gesellschaft zieht: Arbeit ist alles und ohne Arbeit ist alles nichts.

One Reply to “Sklaven der Arbeit”

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren