Graffiti als Ausdruck des Neids

Graffiti als Ausdruck des Neids

Nur wenige Meter von der Haustür entfernt ereilte mich heute der Schlag. Jedenfalls fühlte es sich so an, als ich das Graffiti auf der Wand zum Keller erblickte.

Eine bessere Gegend

Es gibt Tage, da achte ich auf Dinge, die mir sonst nicht auffallen. Das führt zu Momenten, wo ich glaube etwas wäre komplett neu. So war es dann auch beim Graffiti heute morgen. Ein Nachbarin sagte mir, dass es schon etwas länger dort an der Wand zu sehen sei. Zudem sei es nicht das erste Mal, das dort ein Graffiti hinterlassen wurde. Für mich ist das nur ein schwacher Trost. Dies Graffiti ärgert mich, aus einer ganzen Reihe von Gründen. Gleichzeitig geht von ihm auch etwas bedrohliches aus.
Die autofreie Siedlung, in er ich lebe, gehört schon zu einer wenn man will „besseren Gegend“. Vandalismus und Schmierereien sind hier nicht so häufig. Meinem Eindruck zu folge ist es keiner der hier wohnenden, der sich bei den Nachbarn austobt.

Graffiti am Keller
Graffiti am Keller

Täter von Außerhalb

Spekulieren wir mal gemeinsam ein wenig. Wenn der Täter (und wer so ein Graffiti an die Wand schmerzt, ist ein Täter) von außerhalb stammt, hat er sich recht weit in die Siedlung gewagt. Normalerweise haben die Nachbarn sich hier gegenseitig im Blick, zumindest solange Lichtverhältnisse ausreichend sind. Gleichzeitig hat derjenige sich auch sehr sicher gefühlt, wenn er in aller Ruhe seinen Tag oder was auch immer die Schmiererei ausdrücken soll, hinterließ.
Er ist auch nicht zufällig vorbei gekommen, denn um in die Siedlung zu gelangen und dann dort auf die Wand am Keller von uns zu stoßen, muss man schon ganz bewusst unterwegs sein. Das ist es, was ich mit „bedrohlich“ meine.
Für mich ist das Graffiti auch Ausdruck von Sozialneid. Wenn man selber nicht in so einer Siedlung wohnen kann, dann sorgt man für, dass die anderen es dort nicht mehr so schön haben.
Zugegeben, ich bin möglicherweise etwas empfindlich. Aber egal wie man es betrachtet, in Ordnung ist es nicht, einfach anderer Leute Eigentum zu verunstalten.

Graffiti und zerbrochene Fenster

Neben dem bereit erwähnten gibt es noch etwas, weshalb mich das Graffiti stört. Die Überzeugung, dass die Broken-Windows-Theorie zutrifft. Eins kommt zum anderen und dann ist irgendwann die ganze Siedlung verwahrlost. Deswegen bin ich immer dafür, Schmierereien so schnell wie möglich zu beseitigen. Das ich mit der Überzeugung wohl nicht ganz falsch liege, sehe in Köln am Bahnhof Nippes. Dort wird die Stahltür zum Aufzugs, ein Wartungszugang, regelmäßig vollgeschmiert. Mit gleicher Regelmäßigkeit wird sie auch wieder gestrichen. Natürlich ist das in diesem Fall Sisyphos-Arbeit. Persönlich fühle ich mich aber wohler, wenn man sich um einen gepflegteren Eindruck des Bahnhofs bemüht. Gut, im Fall des Bahnhofs in Nippes müsste man noch eine Menge mehr machen, aber die Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel ist erheblich schlimmer.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren