Servicepauschale für weniger

Servicepauschale für weniger

Wenn es jemanden gibt, der Jammern auf hohem Niveau beherrscht, dann bin ich das. Auf der anderen Seite gibt die neue Servicepauschale von Globetrotter berechtigten Anlass für Kritik.

Auf Schusters Rappen

Anfang 2014 haben meine Frau und ich uns jeder ein paar ordentliche Wanderschuhe gekauft. Bei Globetrotter, da wir Beratung und Service wollten. Bekamen wir damals auch, man nahm sich Zeit. Aus der Filiale in Köln gingen wir schließlich jeder mit einem Paar neuer Schuhe. Das diese vom gleichen Hersteller waren, ergab sich aus unseren Anforderungen. Richtig einlaufen mussten wir die Schuhe nie. Mit den passenden Socken hatten wir auch bisher so gut wie keine Probleme mit Blasen. Nur ein einziges Mal war ich fest davon überzeugt, eine neue Einlegesohle zu benötigen. Es Leif sich an dem Tag sehr hart. Erst nach über 20 Kilometern stellte ich dann fest, woran es lag. Eine neue Einlegesohle war nicht nötig — ich hätte sie lediglich zu Hause nach dem Entlüften wieder zurück in den Schuh packen müssen.

Globetrotter mit Servicepauschale
fsHH / Pixabay

Gute Schuhe halten länger

Nach über drei Jahren und vielen gewanderten Kilometern waren bei unseren Schuhen dann die Sohlen abgenutzt. An einigen Stehlen fehlt so viel Profil, dass es gerade bei meinen Schuhen auf anspruchsvolleren Strecken etwas gefährlich geworden wäre. Da die Schuhe von Hanwang keine Wegwerfmodelle sind, sondern sich ganz offiziell neu besohlen lassen (was etwa bei einem Hersteller mit Tatze nicht geht) entschlossen wir uns zu einer Wiederbesohlung. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist so was eine gute Sache, aber auch, weil man Wanderschuhe lieb gewinnt. Mit ihnen hat man viel erlebt und würde sich ungern von ihnen trennen. Besonders dann, wenn der Rest von Schuh noch in einem guten Zustand ist.
Da man laut Hersteller die Schuhe nicht direkt an ihn senden kann, sondern das über den Fachhändler abwickeln soll, wendeten wir uns an den vor Ort in Köln: Globetrotter, da wo wir die Schuhe auch gekauft hatten.

Ohne Servicepauschale

Zuerst sollten meine Schuhe neu besohlt werden, damit wir auch ein Gefühl dafür bekamen, wie lange der Vorgang insgesamt dauern würde. Da ich noch ein Paar Meindl Schuhe im Schrank hatte, wäre auch eine längere Wartezeit unproblematisch gewesen. Also kein schmollen zu Hause, wenn einen die Wandersehnsucht befällt. Mit meinen Schuhen ging ich im Frühjahr in die Kölner Filiale zum Servicebereich und gab die Wiederbesohlung in Auftrag. Etwa vier bis sechs Wochen würde es dauern, sagte man mir. Kosten würde es 70 Euro. Der Preis für die Wiederbesohlung halt. Von einer Servicepauschale oder ähnlichem war keine Rede. Bezahlen würde ich die 70 Euro dann, wenn ich die Schuhe wieder abholen würde. Sobald diese in der Filiale eingetroffen seien, würde man mich informieren.

Flotte Bearbeitung

Tatsächlich bekam ich nach vier Wochen eine E-Mail, die mich darüber informiert, dass ich die Schuhe abholen könnte. Das tat ich dann auch und bezahlt die Wiederbesohlung an der Kasse. Zu Hause schaute ich mir dann noch mal genau an, was alles gemacht wurde. Neben einer neuen Sohl hatte man die Schuhe noch mal gewachst, neue Schnürsenkel eingezogen und ihnen neue Einlegesohlen verpasst. Insgesamt sahen sie besser aus als beim Neukauf. Ich war wirklich beeindruckt. Weniger beeindruckt war ich von der Rechnung, die ich ein paar Tage später per Post von Globetrotter bekam. Darin wurde ich aufgefordert, die 70 Euro innerhalb von 14 Tagen zu bezahlen. Dabei hatte ich sie bereits bezahlt. Telefonisch konnte ich dann die Sache klären. Die Rechnung sei lediglich für meine Unterlagen. Ganz verstanden habe ich das nicht, schließlich hatte ich ja bereits meinen Beleg von der Kasse. Warum man die Kunden nicht darüber informiert, dass sie noch eine gegenstandslose Rechnung bekommen würde, wurde mir auch nicht klar.

Zweiter Durchlauf

Anfang Juni gab meine Frau dann ihr Paar Schuhe zur Wiederbesohlung ab. Sie war ehrlich gesagt etwas erstaunt, dass sie direkt bei Auftragsvergabe eine Servicepauschale von 25 Euro bezahlen musste. Nun gut, da wir das Ergebnis der Wiederbesohlung bereits von mir kannten, nahm sie das in Kauf. Diesen Montag erhielt ich dann per E-Mail eine Rechnung von Globetrotter über 70 Euro, bezahlbar innerhalb von 14 Tagen. Klar war das für die Schuhe meiner Frau, die Angaben auf der Rechnung passten. Wir wurden aber bis zu diesem Zeitpunkt weder darüber informiert, dass die Schuhe fertig seien, noch hatten wir sie auf einem anderen Weg vorab erhalten. Ehrlich, so was finde ich merkwürdig. Erneut musste ich bei Globetrotter anrufen, um die Sache zu klären.
Die Schuhe seien auf dem Weg, hieß es. Prima, sagte ich, dann können meine Frau sie ja am Freitag in der Filiale abholen antwortete ich.
Das wäre nicht nötige, weil sie direkt an unsere Adresse verschickt würden (hatte man ihr bei Beauftragung nicht mitgeteilt). Dazu bekämen wir dann noch per E-Mail eine Hermes Trackingnummer.

Nicht geleisteter „Service“

Gestern Nachmittag brachte ein Paketbote die Schuhe dann in einem ziemlich überdimensionierten Karton. Eine E-Mail Trackingnummer gab es jedoch nicht. Auch keine weiteren schriftlichen Infos zur Bearbeitung. Nur besagte Rechnung. Die Schuhe selber sahen so aus wie beim mir, also tadellos. Nur neue Schnürsenkel gab es nicht — ist aber zu verschmerzen.
Fassen wir mal zusammen: Meine Frau hat 25 Euro dafür bezahlt, dass die Schuhe nach der Wiederbesohlung an unsere Adresse geliefert wurden (obwohl es nicht nötig gewesen wäre) und dafür, dass sie zu keinem Zeitpunkt informiert wurde. Im Grunde kann das keine Servicepauschale sein — denn der Service ist ja im Vergleich zu meiner Wiederbesohlung schlechter geworden. Beim nächsten Mal werden wir uns entweder einen anderen Händler ohne Servicepauschale suchen oder einen guten Schuster. Denn so, liebes Team von Globetrotter, geht das nicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren