Endlich Sommerferien

Endlich Sommerferien

Heute ist der letzte Schultag vor den Sommerferien in Nordrhein-Westfalen. Sechseinhalb Wochen keine Schule mehr. Es freuen sich Schüler und Lehrer.

Lebenslänglich Schule

Eigentlich habe ich meine eigene Schulzeit längst hinter mir, bin selber kein Lehrer und habe auch keine Kinder. Dafür ist meine Frau Lehrerin und freute sich nicht nur heute morgen beim Frühstück über die bevorstehenden Sommerferien. Die letzten Tag war sie auf Klassenfahrt in Amsterdam, so das der Übergang etwas sanfter sein wird. Während jedoch die Schülerinnen und Schüler nach der vierten Stunde nach Hause strömen, werden sie und die Kollegen noch in der Schule bleiben. Es könnte ja Widersprüche gegen die Zeugnisnoten geben.
Zeugnisse, das weckt bei mir Erinnerungen. Sie waren die Hürde vor den Sommerferien, die ich als Schüler nehmen musste. Sie waren es, die entschieden, wie meine Sommerferien verlaufen würden.

Endlich Sommerferien
realworkhard / Pixabay

Zeugnisse als Damoklesschwert

Der Tag der Zeugnisse ist immer auch ein Tag der Entscheidung, wobei das nie so gestimmt hat und auch heute nicht stimmt. Ein Zeugnis ist letztendlich das Ergebnis aus dem, man im Schulhalbjahr geleistet hat. Und auch das ist nicht korrekt. Es eher ein Nachweis darüber, was die Lehrer glauben das man geleistet hat und orientiert sich nicht mal dran, was man im Stande gewesen wäre zu leisten. Noten sind subjektiv ohne das Subjekt in den Mittelpunkt zu rücken. Oft ist es, zumindest in meiner Laufbahn als Schüler, ein über den Kamm scheren. Eine Note wird dem Einzelnen in der Regel nicht wirklich gerecht — was als Schüler meine Meinung war, verfestigt sich als Wissen im Studium durch die Beschäftigung mit dem Thema Notengebung. Wirklicher Trost für die Schülerinnen und Schüler, die mit einem schlechten Zeugnis heute nach Hause kommen, wird das wohl nicht sein.

Sommerferien ohne Zeugnisse

Zeugnisse entscheiden über Versetzungen, über den Zugang zur Oberstufe und einiges mehr. Ein schlechtes Zeugnis wirkt sich deutlich auf die Chancen im Leben aus. Vom Tellerwäscher zum Millionäre, das ist eine Legende. Zumindest im meinem Jahrgang schafften es von der Realschule nur ein weniger als 5 Prozent zum Gymnasium. Und nicht alle, die über die erforderliche Qualifikation verfügten, vertagen den „Kulturschock“ und machten Abitur. Bei mir selber dauerte es auch ein Jahr länger als geplant.
Wirklich unbeschwerte Sommerferien hatte ich nur drei Mal im Leben. Es waren natürlich keine Sommerferien ohne Zeugnisse, sondern im Gegenteil welche mit besonders wichtigen Zeugnissen. Aber gerade bei denen ist schon viel früher klar, welche Tendenz es geben wird.

Schulübergänge

Den ersten Übergang gab es bei mir von der Grundschule zur Realschule. Ob ich fürs Gymnasium geeignet gewesen wäre, laut damaliger Empfehlung wohl eher nicht. Im Gutachten steht so ein schöner Satz:

Ich nehme an, daß er den Aufgaben des formalen Denkens gewachsen sein wird.

Insgesamt umfasst das Gutachten für den Übergang in die Realschule / das Gymnasium 74 Wörter. Vierundsiebzig Wörter, die über den weiteren Lebenslauf entschieden! Selber zu Gesicht bekommen habe ich das Gutachten damals nicht. Und das ich für die Realschule lediglich „vielleicht geeignet“ war, wusste ich auch nicht. Wie meine Schulfreunde sollte ich auf die gleiche Realschule gehen, über alles andere machte ich mir keine Gedanken. Dafür hatte ich unbeschwerte Sommerferien, zum ersten Mal. Ich war gespannt auf die neue Schule, den Wechsel, der mich ein Stück weite erwachsener zum machen versprach.

Der zweite Übergang

Einige Jahre später gab es den nächsten Übergang. Ich hatte die Realschule geschafft und mir wurde die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe erteilt. Meine Neigungen zeigten sich deutlich in den Fächern, wo ich eine eins auf dem Zeugnis hatte. Religionslehre, Geschichte, Sozialwissenschaften und Informatik — alles sehr gut. Stolz war ich auch auf die Freiwillige Arbeitsgemeinschaft Schülerzeitung. Dort stand „mit besonderen Erfolg teilgenommen“. Auch nur deshalb so kurz, weil meine Lehrerin nicht noch einen ausführlicheren Kommentar dazu schreiben durfte.
In den Sommerferien 1988 fühlte ich mich wie ein kleiner König. Zumindest in Bezug auf die schulischen Leistungen. Was den Rest meines Lebens anging, war fast alles im Umbruch.

Nach dem Abitur

Mein Abitur schloss ich 1992 am Konrad-Duden-Gymnasium ab. Der Sommer mit Sommerferien, der nicht mit einem Wiederbeginn der Schule enden würde, sondern mit dem Beginn meines Zivildienstes. Vor mir lag eine Phase ohne Leistungsdruck, keine Schule mehr. Den Kopf voller wilden Ideen und noch keinen richtigen Plan für das, was nach dem Zivildienst kommen sollte. Abitur als Reifeprüfung — auf der einen Seite fühle ich mich sehr reif, auf der anderen wusste ich noch fast nichts. Fünfundzwanzig Jahre ist das jetzt her.
Und wieder stehen Sommerferien an, aber nicht für mich. Obwohl ich mal auf den Weg war, lebenslänglich Sommerferien zu bekommen. Freuen kann ich mich trotzdem. Für meine Frau, für die Kinder hier in der Siedlung und für mich selber. Die Ferien beuteten auch Urlaubszeit und hier wird es in der Siedlung hoffentlich so herrlich ruhig wie in den letzten Jahren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren