Verschwindende Buchhandlung

Verschwindende Buchhandlung

Jedes Mal, wenn wieder eine Buchhandlung verschwindet, macht mich das traurig. Trotz eBook und Internet sind es für mich nach wie vor magische Orte.

Gärten in der Tasche

Einem arabischen Sprichwort zu folge ist ein Buch „wie ein Garten, den man in der Tasche trägt“. Als Kind kannte ich dieses Sprichwort nicht. Ihm wohnt auch etwas leicht kitschiges inne. Für mich unbestritten waren und sind Bücher immer Rückzugsorte. Beim lesen eines guten Buches kann ich meine Umwelt ausblenden, Sorgen vergessen und Gedanken schweifen lassen. Manche Bücher lese ich dann wie im Rausch. In meiner Kindheit gab es zwar auch Buchhandlungen, aber im Mittelpunkt meines Bücherkonsums stand die Stadtbücherei. Lesen ist auch immer eine Frage des Nachschubs und wie man ihn bezahlt. Später ist zum lesen auch noch das Besitzen hinzugekommen. Da wurde dann eine Buchhandlung wichtig für mich. Sogar in Wesel gab es mehr als eine.

Buchhandlung
Vitaisy / Pixabay

Buchhandlung als Ort der Entdeckung

Zumindest einen Film, wo eine Buchhandlung Ausgang einer Liebesgeschichte ist, kenne ich. „Notting Hill“ mit Hugh Grant und Julia Roberts. Für mich gibt es immer wieder eine Liebesgeschichte, wenn ich eine Buchhandlung betrete. Ich verliebe mich in ein neues Buch. Das passiert insbesondere dann, wenn sie vor Ort ansprechend präsentiert werden. Man kann dann  auch Titel entdecken, auf die man normalerweise nie kommen würde. Einer dieser Orte in Köln ist die Buchhandlung Ludwig im Hauptbahnhof. Damit sind wir dann auch bei einer sehr traurigen Gesichte, die vermutlich kein Happy End haben wird.
Anfang des Jahres schrieb ich bereits über Ludwig unter dem Titel „Bücher oder Sicherheit“. Die renommierte und traditionsreiche Buchhandlung soll weichen, weil die Bundespolizei größere Räumlichkeiten benötigt.

Sicherheit weckt Begehrlichkeit

Heute gab es in der Süddeutsche Zeitung auf Seite drei einen Artikel, in dem es um Zukunft und wenn man so will auch um Sicherheit ging. Nein, nicht etwa dem G20 Gipfel in Hamburg war eine ganze prominente Seite gewidmet, sondern der Buchhandlung Ludwig in Köln. „Innere Sicherheit“ heisst der lesenswerte Artikel der SZ. Die Silvesternacht 2015 soll wohl den Anstoß gegeben haben für die Bundespolizei, sich zu vergrößern. Neben ihrem angestammten Platz hinter der verschlossenen Stahltür neben der Buchhandlung stehen seit einigen Monaten auf dem Bahnhofsvorplatz Bürocontainer. Jeden Monat, wenn ich zum Friseur gehe, komme ich dran vorbei. Schick sieht das nicht aus, ist wohl leider notwendig. Ob eine Buchhandlung der inneren Sicherheit dient, wie Gianna Niewel schreibt, darüber kann man diskutieren. Sie ist aber wie gesagt eine Oase, ein magischer Ort. Sie ist genau so wichtig wie mehr Platz für die Bundespolizei.

Verteilungskämpfe

Fakt ist das, was in der Süddeutsche Zeitung nicht erwähnt wurde. Die Firma Dr. Ecker, zu der die Buchhandlung gehört, hat noch weitere Verkaufsfläche im Bahnhof angemietet. Zwei weitere Geschäfte für Zeitschriften und Zeitungen im Bahnhof gehören ebenfalls dem Unternehmen. Das ersetzt die große schöne Buchhandlung nicht. Sollte aber erwähnt werden, um ein vollständiges Bild der Lage vor Ort zu vermitteln. Wie die Geschäfte im Bahnhof laufen kann ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach ist die Fläche, auf der Ludwig sich präsentiert, eine Aushängeschild für Köln. Die Stadt der lit.cologne braucht eine solche Buchhandlung im Bahnhof.
Von Lokalpolitikern hört man leider verdammt wenig zum Vorfall. Auch nicht von der, wie die StadtRevue so schön formuliert, Büdchenpartei Kölns. Das Wegebier ist halt wichtiger als ein gutes Buch in der Tasche.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren