Hoffentlich Ehe für alle

Hoffentlich Ehe für alle

Um es von Anfang an klar zustellen: Es gibt nur eine akzeptable Formulierung und die lautet Ehe für alle. So was wie „Homo-Ehe“ ist nicht nur sprachlich ein Unding.

Eine Institution fällt nicht

Die Ehe ist eine Institution. Sie genießt laut Grundgesetz Artikel 6 einen besonderen Schutz. Aus konservativer Sicht ist die Ehe immer eine Verbindung zwischen Mann und Frau (bevorzugt in dieser Reihenfolge). Dabei ist diese und nur diese Form der Ehe natürlich und von Gott gewollt. Mit anderen Worten, die Anhänger dieser Sichtweise verfügen über vergleichsweise kleinen Horizont. Sie sind nicht in der Lage, sich anderen Formen der Liebe und Partnerschaft vorzustellen. Und wenn dann in einem Kontext, der einem schäbigen Klischee und Vorurteil entspricht. Wer Ehe auf eine bestimmte Geschlechterpaarung und auf die Reproduktion reduziert, lebt in der Vergangenheit. Denjenigen wünscht man von ganzem Herzen das Schicksal der Dinosaurier.

Ehe für alle
NGDPhotoworks / Pixabay

Ehe auch ohne Kinder

Was mich persönlich an der klassischen Vorstellung von Ehe stört, ist ihre Reduzierung auf die Fortpflanzung. Moderne Konservative versuchen das zu leugnen, aber letztendlich ist das klassische Bild von Ehe unabdingbar mit Kindern verbunden. Erschreckender Weise sogar weit über konservative Kreise hinaus. Meine Frau und ich wurde damals, vor fast 18 Jahren häufiger mit der Frage konfrontiert, warum wird denn heiraten würden. Wir waren noch jung, studierten beide. Aber das wichtigste für die, die fragten: weder war meine Frau schwanger noch hatten wir die Absicht, Kinder in die Welt zu setzen. Warum dann also heiraten?
Ganz einfach, weil man sich lieb, sich verbunden fühlt und füreinander einstehen will.

Ehe für alle ist alternativlos

An der Ehe für alle führt kein Weg vorbei, darf kein Weg vorbei führen. Sie ist Ausdruck eines modernen Verständnis von Beziehungen, gesetzlich geregelt akzeptiert sie die Lebenswirklichkeit. Auch ohne das Label „Ehe“ gibt es Paare egal welchen Geschlechts, die sich lieben. Die sich verbunden fühlen und füreinander einstehen wollen — bis der Tod sie trennt. Meiner Meinung nach darf es keine Ausreden geben, keinen Grund, gegen die Ehe für alle zu sein. Das sich CDU und CSU ihr lange verschlossen haben und es in weiten Teilen immer noch tun, ist erschütternd. Das SPD das Thema lange ignoriert hat, allerdings auch. Bis man erkannt, mit so was ließe sich wunderbar Wahlkampf machen. Oder zumindest den künftigen Koalitionspartner erpressen.

Wie ist unerheblich

Am kommenden Freitag wird aller Voraussicht nach im Bundestag über Gesetzentwurf zur völligen rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare abgestimmt. Möglich wurde dies durch eine Äußerung von Angela Merkel am Montag, in der sich sie sich offen für eine Diskussion zeigte. Die SPD legte umgehend nach und brachte das Thema Ehe für alle auf die Agenda. Überrumpelte damit die Union, woraufhin die Bundeskanzlerin die Entscheidung für oder gegen die Ehe für alle zur Gewissensfrage erklärte. Also den Fraktionszwang damit bereits vor einer möglichen Abstimmung aufhob. Das die SPD das Thema so lange nicht anpackte, beschämt. Durchschaubar war auch die aussage, nach der Bundestagswahl keine Koalition mit einer Partei einzugehen, welche die Ehe für alle ablehne.

Angela Palpatine

Die Reaktion von Angela Merkel ist im Grunde ein genialer Schachzug. Es geht hier weniger um die gleichgeschlechtliche Ehe, sondern damit, der SPD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Natürlich ist ein riesiger Schritt für unsere Gesellschaft, wenn die Ehe für alle beschlossen wird und auch vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat. Das Zustandekommen des Gesetzes zu Gleichstellung sollte dann nicht mehr zählen, wenn das Ergebnis stimmt. Machen wir uns aber nichts vor, die SPD wird nicht davon profitieren. Aber sei es drum, das Tor ist offen, jetzt müssen die Abgeordneten im Bundestags nur noch hindurch gehen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren