Spiel des Jahres 2017

Spiel des Jahres 2017

Brettspiele begleitet mich schon fast ein ganzes Leben lang. Über die Hälfte davon sammle ich bereits aktiv. Auch wenn die Auszeichnung Spiel des Jahres für mich kein Kaufkriterium ist, bietet sie doch immer interessante Einblicke in die Szene.

Zielgruppe des Preises

Als Zielgruppe für die Auszeichnung Spiel des Jahres würde ich Wenigspieler und Familien bezeichnen. An Vielspieler richtet sich Spiel des Jahres eher weniger. Für die wurde 2011 die Kategorie Kennerspiel des Jahres mit einer eigene Nominierungsliste ins Leben gerufen. Wobei die Nominierungen sicherlich auch ein Anlass für Diskussionen sind, denn oftmals haben mir zumindest Empfehlungen deutlich besser gefallen als der tatsächliche Preisträger.
Vermutlich ist es der Fluch eines Sammlers und Liebhabers komplexerer Spiele. Das was für den breiten Markt konzipiert wurde, begeisterte nicht mehr. Allerdings ist das so nicht zutreffend.

Spiel des Jahres
dograapps / Pixabay

Spiel des Jahres im Wechselbad

Wenn ich mir die Auszeichnungen seit Beginn des Preises ansehe, dann sind insbesondere bis zum Ende der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts dort einige darunter, die heutzutage nicht mal eine Nominierung erhalten würden. Drei stechen besonders hervor:

  • Focus
  • Sherlock Holmes Criminal-Cabinet
  • El Grande

Focus ist ein reines abstraktes Strategiespiel. Mehr für Erwachsen als für Kinder. Bei Sherlock Holmes Criminal-Cabinet haben wir fast schon einen frühen Vertreter der Generation „Legacy Games“ vor uns. Hat man die Fälle einmal gelöst, verliert das Spiel deutlich an Reiz, auch wenn man kein Material zerstören muss. El Grande ist ein schöne Eurogame, tolles Material und auch anspruchsvoll. Wenn es heute auf eine Liste kommen würde, dann allenfalls auf die zum Kennerpreis. Ähnlich würde es wohl auch den Siedlern von Catan ergehen.

Rätselspiele

Wie es immerhin bereits 2009 Dominion zum Spiel des Jahres schaffen konnte, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Bei Dominion handelt es um ein reizvolles Deckbauspiel, dem mitunter etwas die Interaktion fehlt. Die Altersangabe „ab 8 Jahre“ halte ich für völlig verfehlt. Eher 12, eigentlich aber ab 14. Als Sammler konnte ich mich allerdings darüber freuen, dieses Spiel ziemlich günstig auf einem Flohmarkt zu bekommen. Es war wohl als Geschenk für ein Kind gedacht, welches damit hoffnungslos überfordert war.
Die letzten Preisträger, Camel Up, Colt Express und Codenames (2016) passen perfekt in eine Reihe. Es sind zumindest in unseren Runden ideale Absackerspiele — nach einem Abend mit Kennerspiel oder härteren „Drogen“.
Bei allen Spielen kannte ich die Titel bereits vorher. Wie gesagt, ich verfolge die Entwicklung auf dem Markt.

Die totale Überraschung

Als gestern die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres vorgestellt wurde, war ich, ehrlich gesagt, ziemlich überrascht. Keiner der Titel darauf kommt mir bekannt vor. „Wettlauf nach El Dorado“ sieht für mich ziemlich altbacken aus, könnte aber eventuell reizvoll sein. Bei Reiner Knizia sollte man ordentliche Qualität erwarten können, allerdings keine besonderes thematischen Spiele.
„Kingdomino“ löst nur ein Gähnen aus. Eine Legespiel noch unter dem Anspruch von Carcassonne.
„Magic Maze“ als kooperatives Echtzeitspiel ist zumindest vom Ansatz her interessant und könnte auch in unseren Gruppen funktionieren. Die Spieldauer bei allen zusammen liegt im Bereich von 15 bis 30 Minuten — also auch eher Absacker statt Abendfüllendes.
Warum wurde nicht „Fabelsaft“ nominiert und statt dessen nur auf die Empfehlungsliste gesetzt? Der Autor, Friedmann Friese, hätte so was auch mal verdient.

Kennen Kenner Könner?

Bei den Kennerspielen auch Überraschungen. Sowohl „EXIT – Das Spiel“, „Räuber der Nordsee“ als auch „Terraforming Mars“ gehören für mich zu den Highlights der letzten Monate. Auch hier sieht die Empfehlungsliste erheblich interessanter aus. Zwei absolute Highlights „Great Western Trail“ und „Captain Sonar“ sind dort zu finden. Insbesondere letztere zählt für mich zu den wirklich Innovationen Spiele der letzen Zeit. Was ist er also, der Preis Spiel des Jahres? gemütliche Langeweile und Spiel für die Ferienwohnung oder Jugendherberge? Das was Großeltern ihren Enkeln bedenkenlos kaufen können?
Dürfte ich die Liste schreiben, stünden dort mit Sicherheit ganz andere Titel drauf.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren