Irrglauben beim Umweltschutz

Irrglauben beim Umweltschutz

Einer der Gründe, warum ich mich von der Nespresso-Methode der Espressozubereitung lösen möchte, ist der Umweltschutz. Mit zunehmenden Konsum von Espresso, in meinem Fall Lungo, steigen nicht nur die Kosten. Es nimmt auch die Kapseln zu, die im Gelben Sack landen.

Gelber Sack als Wahlmöglichkeit

Der Gelben Sack ist in etwa so wie die Wahlurne oder der Klingelbeutel. Man wirft etwas hinein in der Hoffnung, es würde wieder etwas Gutes daraus entstehen. Gerade wir Deutschen, wenn auch längst stark säkularisiert, haben einen enormen Glauben ans unsere Recyclingsystem. Vermutlich würde bei einer bundesweiten Befragung mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger angeben, an den Gelben Sack zu glauben als an Jesus Christus.
Spannenden Fragen wie die, ob Muslime die besseren Mülltrenner sind oder aber ob Atheisten sorglos mit Kunststoffresten umgehen, lassen an dieser Stelle beiseite. Schließlich geht es um Umweltschutz und zumindest der sollte einigermaßen politisch korrekt sein. Glaubt man.

Umweltschutz
SD-Pictures / Pixabay

Nur Deppen kaufen Dosen

Für mich ist Umweltschutz schon lang ein Thema, welches mich begleitet. Als Jugendlicher beim Naturschutzbund, dann bei den Jusos, als Thema im Sachunterricht (Schulpraktikum). Trotzdem würde ich mich noch immer als Laie bezeichnen. Das was meine Frau und ich an Umweltschutz praktizieren, ist eher im unteren Amateurbereich anzusiedeln — viel Luft nach oben. Bester Beweis ist bei uns die Papiertüte, zu der wir wie selbstverständlich beim Einkauf greifen. Immer dann, wenn wir nicht genügend eigene Transportmöglickeiten mitgebracht haben. Papiertüte, na klar ist die besser als die Plastiktüte. Glaubten wir. Wie beim Gelben Sack und anderen Glaubensthemen heisst es auch hier so treffend: glauben ist nicht wissen.

Umweltschutz als Serie

Diese Woche hat sich die Süddeutsche Zeitung dem Thema Umweltschutz angenommen. Zum ersten Mal fiel mir das an diesen Donnerstag beim Frühstück auf. „Deutschland, ein Wegwerfland“ stand über dem Artikel. Deutschland sei mit 45 Tonnen Müll im Jahr europäischer Spitzenreiter, schrieben die Autoren. Bei schrumpfender Bevölkerung hat es Deutschland sogar geschafft, im weltweiten Vergleich das Land mit dem höchsten Abfallaufkommen pro Kopf zu sein. Meine Frau fand das ziemlich inspirierenden. Vor allem als Thema für den Unterricht. Mehr oder weniger live konnte ich erleben, wie eine Lehrkraft aus einem Zeitungsartikel Unterrichtsmaterial erstellt und Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler formuliert.
Für mich sehr ernüchternd war die Erkenntnis, dass die Recycling-Quote erstmal ziemlich wenig aussagt. Grob gefasst gilt alles, was man als Privatperson in die gelbe Tonne, als recycelt. Unabhängig davon, ob es sich hinterher tatsächlich wieder verwenden lässt oder in der Müllverbrennungsanlage landet. So wird aus zwei Drittel recycelt Haushaltsmüll eine Quote von lediglich 40 Prozent.

Notwendigkeit der Aufklärung

Zurück zur bereits erwähnten Papiertüte. Gestern gab es einen weiteren Artikel zum Thema Umweltschutz und Müll, „Das Märchen vom Recycling“. Hie wurde noch mal explizit auf die uns begleitenden Annahmen eingegangen. In Wahrheit ist es nämlich so, dass die Papiertüte mitunter das Gegenteil von Umweltschutz darstellt. Bei ihrer Herstellung wird enorm viel Chemie eingesetzt, um die Fasern lang und damit reißfest zu machen. Schließlich soll sie den Einkauf unbeschadet nach Hause bringen. Erst der nach vierten Nutzung sei die Papiertüte ökologisch besser als die Plastiktüte, schreibt die SZ. Mal ehrlich, wer verwendet eine Papiertüte mehr als einmal? Meine Frau und ich nutzen sie, um darin Altpapier zu sammeln und werfen dann die volle Tüte in die blaue Tonne. Ziemlicher Blödsinn, wie ich jetzt weiss.

Nachhaltigkeit bedeute Müllvermeidung

Der beste Beitrag zum Umweltschutz ist es, Müll zu vermeiden. Nicht immer ist gut gemeint dabei auch gut gemacht, wie die Süddeutsche Zeitung auf ihrer Sonderseite am Beispiel des Pappbechers zeigt. Der Trend „Kaffee zum mitnehmen“ bedeutet auch, dass immer mehr Becher benötigt, produziert und in den Müll geworfen werden. Zeit für ein Umdenken. Allerdings sind nicht alle Mehrwegbecher automatisch umweltverträglicher. Die SZ stellt das ziemlich gut in einem Videobeitrag dar. Das etwa Bambusbecher zu zwei Dritteln aus Kunststoff bestehen, wusste ich nicht. Kaffee aus Plastikbecher, allein schon geschmacklich eine Katastrophe. Porzellan oder Glas kann schnell zerbrechen. je früher das im Gebrauch passiert, desto schlechter sieht die Gesamtbilanz aus. Die Herstellung ist um einiges energieintensiver als beim Pappbecher. Zudem wird auch viel bei der Produktion Wasser benötigt.

Energiebilanz

Das es letztendlich auf die Energiebilanz ankommt, führt mich dann wieder an den Anfang meines heutigen Artikels. Die Idee, mit einer Siebträgermaschine auch einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Denn auch mit dem Mythos räumt die SZ gründlich auf. Man sollte nie Teilaspekte betrachten, sondern die immer Gesamtbilanz. Natürlich ist das Kaffeepulver bei einer Siebträgermaschine nicht einzeln in einer Kapsel verpackt wie bei der Nespresso. Allerdings verbraucht eine Kapselmaschine erheblich weniger Strom im Betrieb als eine Siebträgermaschine. Wenn man wie ich morgens lediglich zwei Tassen Kaffee trinkt, dann am Nachmittag noch mal die Maschine anwirft, verbraucht allein das Aufheizen des Kessels mehr Strom, als bei der Herstellung der gleichen Menge Kapsel benötigt wird.
Um der Natur etwas Gutes zu tun, wäre es konsequent, komplett auf Kaffee zu verzichten, meint die SZ. Die Herstellung der Bohnen sei bereits „schlecht für die Umwelt“.

3 Replies to “Irrglauben beim Umweltschutz”

  1. Aber auch das ist ja wieder nur die halbe Betrachtung, denn jetzt kommt es ja auch wieder darauf an, wie die Energie erzeugt wird, mit der du deinen Kaffee aufbrühst oder die zum Rösten der Kaffeebohnen genutzt wird. Wenn du jetzt zum Beispiel einen Heimtrainer zur Stromerzeugung benutzt, um deinen Kaffee aufzubrühen, welche Art Kaffeemaschine wäre dann wieder schädlicher? Es gibt da so viele Dinge, die beachtet werden müssten, um sich einen tatsächlichen Eindruck machen zu können.

  2. Sven hat Recht, wenn er auch die Frage aufwirft, wie die energie erzeugt worden ist, die verbraucht wird. Das mit dem Heimtrainer ist sicher eher zum Schmunzeln gedacht. Aber wenn ich allein daran denke, wieviel Energie nach wie vor aus fossilen Energieträgern (Kohle, Öl, Gas) erzeugt wird, die alle zum Abbau der über Jahrmillionen durch Mutter Erde erzeugten Reserven innerhalb weniger Jahrzehnte und zur Anreicherung der Atmosphäre mit dem Treibhausgas Kohlendioxid führen, und wieviel Energie noch weltweit aus den hochriskanten Atomkraftwerken (Tschernobyl, Fukushima sind nur die Spitze des Eisberges) kommt, deren Abfallentsorgung wohl nie geklärt werden kann, wird mir manchmal speiübel. Noch immer fristet die Nutzung aktuell verfügbarer Energieträger, die uns die Sonne ununterbrochen zur Verfügung stellt (Wind, Sonnenstrahlung, Wasserkraft, Gezeitenkraft usw.), ein Mauerblümchendasein. Das Thema muss endlich weltweit intensiv angegangen werden. Und natürlich kann das jeder einzelne durch sparsamen Energieeinsatz unterstützen.

  3. Beides gutes Kommentare. Ja, Strom kommt zwar aus der Steckdose, aber Strom ist nicht gleich Strom. Macht auch für mich einen Unterschied, ob ein Dorf verschwinden musste (Braunkohle), den Kindern eine strahlende Zukunft hinterlassen wird oder ab nachhaltig mittels Windkraft erzeugt wurde.

    Was das Thema Kaffee angeht — den habe ich noch lang nicht auf, beziehungsweise, mit dem Thema bin ich längst nicht durch. Es wird ein Siebträger werden, weil ich Aluminium an sich bereits bedenklich finde. Das darin Kaffee verkauft wird, ist dann eher nachrangig.

    Entgegen der Pläne wird es aber eine Maschine werden, die eher im Einsteigerbereich angesiedelt ist. Da haben einen Thermoblock und verbrauchen weniger Strom.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren