The Arrival ohne Außerirdische

The Arrival ohne Außerirdische

Mit Spielen ist es mitunter wie mit Filmen. Es gibt Blockbuster, überbewertet Titel und welche, die unter dem Radar fliegen. Ein Fall für die letzte Kategorie ist ganz eindeutig The Arrival von Martin Wallace. Ein unterschätztes, hässliches Entlein.

Schreiender Scheinriese

Das Gegenbeispiel für mich ist Cry Havoc. Die letzte von mir gespielte Paris hatte drei Mitspieler. Zu viert ist es deutlich spannender als lediglich zu zweit. Vor allem, weil es für zwei Personen Spiele gibt, die ich jederzeit bevorzugt auf den Spieltisch bringen würde.
Cry Havoc hat eine Menge Miniatur, einen großen Spielplan. Spielkarten und ein paar meiner Meinung nach idiotisch gestalteter Papmaterialien.
Idiotisch deshalb, weil sie auf maximalen Verschleiß angelegt sind. Allein der Rundenzähler wirkt ziemlich fragil, so was hätte sich auch anders lösen lassen.

The Arrival — Ankunft in Irland
designaire / Pixabay

Material was blendet

Der eigentlich Stein des Anstoßes bei Cry Havoc ist jedoch eine vorgetäuschte Optionsvielfalt. Es sieht scheinbar nach Möglichkeiten aus, tatsächlich habe ich bei den bisher gespielten Partien noch nichts entdeckt, was einer brauchbare Strategie entspräche. Für mich wirkt es wie ein Tummelplatz der Beliebigkeit.
Die ganzen Plastikminiaturen blenden, so dass man die Schwächen des Spiels erst später erkennt. Vor der Spiel 2016 und Essen wurde der Titel jedoch in höchsten Töne gelobt. Daher war erst der erste, der in unserer blauen Tasche landet — das Originalmodell für 1 Euro, nicht die überquerte Designervaiante.

Der Schwan erwacht

Vor der Messe hatte ich auch von The Arrival gehört. Irgendwas mit Irland, eine Portion Mythos und einer großen Siegpunktleiste rund um das Spielbrett. Da bereits Inis auf der Einkaufsliste stand, ein ebenfalls keltisch angehauchtes Spiel, kam The Arrival nicht auf die Einkaufsliste.
So kam es dann, dass der Titel vollständig aus meinem Bewusstsein verschwand. So vollständig, dass ich vor dem Spieletreffen gestern nicht mehr an ihn erinnerte. Dabei war es dieses Spiel, was wir zu spielen beabsichtigten.

The Arrival spielt in Irland

Die Hintergrundgeschichte, denn tatsächlich gibt es eine plausible, ist schnell erzählt. Über Érin, der grünen Insel aus längst vergessener Zeit, herrscht König Ballon mit seinem Gefolge, den Fomori. Bis zu vier menschliche Stämme wollen die Insel für sich erschließen und versuchen die Provinzen den dämonischen Ureinwohnern zu entreißen.
Statt Plastikfiguren gibt es einfach Holzscheiben. Die Fomori werden durch Pappcounter dargestellt und der Spielplan ist übersichtlich kompakt.

Semikooperativ

Durch die Fomori kommt ein semikooperatives Element ins Spiel. Sie werden durch alle Spieler gleichzeitig kontrolliert wie bekämpft. Nutzt man sie, steigt die eigene Korruption. Überschreitet diese eine bestimmte Grenze, endet das Spiel vorzeitig. Wenn dann noch die Fomori mehr Land kontrollieren als die Spieler, wird nicht nach Sigepunktleiste gewertet, sondern es gewinnt der Spieler, dessen Korruptionswert am geringsten ist.
Allein dieses Element macht das Spiel schon extrem reizvoll.

Übersichtliche Vielfalt

Jede Runde bei The Arrival besteht aus zwei Phasen. In der ersten Phase werden verdeckt für jeden Spieler vier Karten gezogen und nacheinander aufgedeckt. Dabei muss sich ein Spieler dann durch setzen von Speersteinen für eine von drei Reihen entscheiden, die ihm Ressourcen bringen. Was das sein könnte, deutet die Kartenrückseite an.
Die gesammelte Ressourcen werden dann in der zweiten Phase in den Aktionen verwendet.
Jeder Spieler kann immer zwei Aktionen auf einmal durchführen oder passen. Wenn alle Spieler gepasst haben, endet eine Runde.

Fomori für alle

Die Fomori sind immer wieder eine Herausforderung. Bekämpfe ich sie um ein paar Punkte zu bekommen oder verwende ich sie, um die Mitspieler in Bedrängnis zu bringen? Je mehr mir von ihnen am Anfang einer Runde zur Verfügung stehen, desto schneller steigt meine Korruption. Endet dann das Spiel und die Fomori kontrollieren den größten Teil der Insel, habe ich verloren.
Verwende ich nur wenige von ihnen, breiten sich die anderen Spieler zu sehr aus und nehmen mir wichtige Siedlungsplätze weg. Direkt bekämpfen können sich die Spieler nämlich nicht, nur indirekt über die Fomori.

Ein erstes Fazit

Leider hatte die gestern gespielte Ausgabe einen erheblichen Mangel. Ein Stanzbogen war doppelt vorhanden, dafür fehlte ein andere. So kam es, dass die höherwertigen Fomori vollständig fehlte, dazu auch die Hälfte der Taktiplättchen. Dennoch hinterließ The Arrival einen guten ersten Eindruck. Die Motivation, es noch mal zu spielen, diesmal mit dem vollständigen Material, ist in jedem Fall ziemlich hoch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren