Nur der Urlaub zählt

Nur der Urlaub zählt

„Sag mir wo du Urlaub machst und ich sage dir, was für ein Mensch du bist!“ Manchmal habe ich den Eindruck, dieser Satz hätte wirklich eine Bedeutung. Wann immer man sich ein paar frei Tage genommen hat, taucht hinterher diese Frage auf. Dabei scheint es auch egal zu sein, wo und für wen man arbeitet.

Lehrer sind keine besseren Menschen

Ein Stück weit hänge ich noch im vergangenen Wochenende fest. Und das, obwohl man meine Frau und mich mit dem Auto mitgenommen hat. Andernfalls würden wir vermutlich immer noch ganz real in Wuppertal feststecken — sorry, Wuppertal, aber wer den Schaden hat muss den Spot ertragen.
Zurück aber zum Thema, zu Urlaub und Lehrern. Die sind, was das angeht, auch keine bessere Menschen. Auch am Samstag war eines der Partygespräche, wer wo im Urlaub war. Höher weiter besser. Natürlich geht es nicht um eine klassische Bildungsreise, auch Lehrer sind in der Spaßgesellschaft längst angekommen.

Urlaub versus Erholung
asmuSe / Pixabay

Urlaub geht auch ohne Reisen

„Ach so, ihr wart zu Hause.“ Solchen Satz bekommen meine Frau und ich öfter zu hören. Meiner Meinung nach muss man im Urlaub nicht in die Ferne reisen. Sicher man kann es und es gibt auch eine Menge Menschen, denen Reisen zur zweiten Natur geworden ist. Mir liegt das nicht so ganz. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Gründe, warum ich unsere Wanderausflüge in die Umgebung schätze, warum ich es liebe, abends wieder zu Hause zu sein.

Pendeln erschöpft

Ziemlich schnell habe ich als Antwort auf das Thema Urlaub meine Pendelei parat. Durch die drei Tage, die ich in der Woche Richtung Essen fahre, verbinde ich wenn es gut läuft insgesamt 12 Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Mich ermüdet nicht nur das Fahren, sondern auch die Distanz, das Leben zwischen zwei Städten. Das beständige Gefühl, nirgends richtig anzukommen. Da bin ich dann froh, nicht unterwegs sein zu müssen.

Heimweh

Ganz persönlich ist das Thema Urlaub in Verbund mit verreisen, als von zu Hause fort sein, bei mir vorbelastet. Als Kind erlebte ich eine Ferienfreizeit, die von extrem starkem Heimweh geprägt war. Allein mit vielen fremden Kindern und Jugendlichen am Bodensee. Auch vorher hatte ich schon Urlaub ohne Eltern gemacht, aber Heimweh in der Form noch nie erlebt.
Zu meinem Glück reagierten meine Eltern ziemlich schnell und holten mich nach Hause. Ein Drama für sich, denn die Betreuer wollten mich nicht in die Obhut meiner Eltern entlassen. Erst durch das Eintreffen der Polizei konnte das gelöst werden.

Die Welt in der Tasche

Sicher, es gibt bei mir auch die Sehnsucht nach einigen Orten. Exotisch sind die alle allerdings nicht. Lange Flugreisen irgendwo hin brauche ich nicht, am liebsten fahre ich mit der Bahn. Mir reicht es im Urlaub aber auch, einfach nur mit einem guten Buch und einer großen Tasse Tee auf dem Sofa zu sitzen. Bücher sind Reisen für die Tasche. Mit jedem Buch kann man eine neue Welt entdecken, streßfrei und völlig ungefährlich. Für manche ist es nicht spektakulär genug, für mich eine wundervolle Art und Weise, frei Tage zu verbringen. Selbst erzählen könnte man von seinem Leseabenteuer eine Menge.

2 Replies to “Nur der Urlaub zählt”

  1. Ich finde diese langen Urlaubsgespräche, die in besserverdienenden Kreise gerne praktiziert werden, unglaublich ermüdend. Mich interessieren keine Tipps und auch keine lange Reiseberichte, die sind meistens eh eingefärbt von der persönlichen Erfahrung, die nicht auf andere übertragbar ist. Das ist für mich mit 2-3 Sätzen abgefrühstückt und dann kann man sich über die wichtigen Dinge unterhalten: Bücher, Serie, Spiele :)

    1. Bücher, Serien, Spiele — genau meine Themen. Ungünstig nur, wenn nur Leute anwesende sind, die sich so gar nicht für diese Themen interessieren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren