Twitch als Heilmittel

Twitch als Heilmittel

Für einen großen Teil der so genannten Bildungsbürger dürfte Snapchat, Tinder und Twitch Terra inkognita sein. Ehrlich gesagt kenne ich mich mit Snapchat nicht aus, von Tinder habe ich gehört aber definitiv keinen Bedarf mehr in diesem Leben.

Kurz erklärt

Anders sieht es mit Twitch aus. Nicht nur weiß ich, was es damit auf sich hat, sondern habe eine dazu passende App auch auf meinem iPad installiert – und nicht erst seit gestern. Auf den Punkt gebracht handelt es sich bei Twitch um einen Dienst zum streamen von Liveübertragungen. Dabei werden nicht etwa Konzerte oder Fußballspiele übertragen, sondern Videospiel. Die kann man nicht spielen, sondern zusehen, wie andere Menschen sie spielen.

Zuschauen mit Twitch
Zuschauen mit Twitch

Rollenwechsel

Anderen beim Spielen zusehen, das kannte bisher nur meine Frau. Wobei mit „andere“ in dem Fall ich gemeint bin. Mehr als die Hälfte unserer Konsolenzeit hat sie neben mir auf dem Sofa gesessen, während ich nach Anweisung die Figuren durch die Landschaft steuern musste / durfte. Klassische Rollenverteilung zu Hause. Selbstbestimmt und alleine spielen durfte dann die diversen Egoshooter (daher heißen die so).
Scherz beiseite, die Wirklichkeit sah natürlich etwas komplexer aus, wie immer.

Konsolenvirus

Zurück zu Twitch. Für mich ist das die Möglichkeit, bei Bedarf in die Welt der Video- und Onlinespielen herein zu schnuppern, ohne selbe große Investitionen tätigen zu müssen. Nach bereits einer Werbeeinblendungen darf man, auch ganz ohne Anmeldung, zusehen wie andere am Computer oder der Konsole spielen. Das hört sich nur langweilig an, tatsächlich ist es ein netter Zeitvertreib.
Mehr noch, Twitch ist auch eine Art Heilmittel, wenn mich mal wieder der Konsolenvirus befallen hat. Wir erinnern uns: eigentlich hatte ich mit dem Thema Spielekonsole vor länger Zeit abgeschlossen.

Wenn der nächste Trailer kommt

Wer im Internet unterwegs ist, wird Fürher oder späterhin Werbung konfrontiert. Perverser Weise ist die Werbung viel mehr als früher gezielt. Facebook und andere Tummelplätze der digitalen Eitelkeit wissen längst, was uns interessiert, wie man uns locken kann und was wir möglicherweise kaufen.
Mich wundert es daher nicht, wenn ich Werbung für neue Videospiele eingeblendet bekomme. Tatsächlich schau ich mir diese selbst bei YouTube in voller Länge an, wenn ich sie bereits überspringen könnten. Das meine Tageszeit über besonders herausragende Titel berichtet, kommt dann auch noch dazu.

Geburt einer Sehnsucht

Obwohl die Tage längst wieder heller werden und das Wetter draußen zum wandern lockt, lasse ich mich von Spieltrailern locken. Sie wecken in mir die Sehnsucht, entgegen meiner Vorsätze eine Konsole zu kaufen — bei mir wäre das aktuell eine PS4. Gegen die aufflammende Sehnsucht muss ich mich wappnen, denn eigentlich habe ich weder Zeit noch die Lust, erneut mit einer Konsole anzufangen.
Im Keller lagern noch die Vorgänger, bei denen ich den richtigen Zeitpunkt zum Verkauf verpasst habe.

Einfach mal ablenken

Es lässt sich nicht leugnen, dass so eine Konsole eine tolle Möglichkeit der Ablehnung ist. Da ich Twitch kenn, versuche ich zu substituieren. Die Lust auf eine Konsole zu dämpfen und anderen beim spielen zusehen. In einem gewissen Rahmen klappt das ganz gut.
Zum einen, weil mir klar wird welche Spiele ich auf einer Konsole tatsächlich spielen würde. Zum anderen, weil mir klar wird das ich eine Konsole genau dafür nicht kaufen würde.

Shooter spielen Konsole

Den Kopf bekommt man am besten bei Spielen frei, die man quasi blind spielen kann. Eine eingängige Steuerung, keine kompliziertes Spielmechanik und keine komplexen Tutorials, damit man ansatzweise begreift, worum ist beim Spiel geht. Im Grunde läuft das bei mir dann recht schnell auf Shooter hinaus.
Selbst wenn man mit Star Wars wenig anfangen kann, vom entsprechenden Battlefront Titel dazu wird man mit Sicherheit beeindruckt sein. Gleiches gilt auch für Battlefield 1. Da sehen nicht nur die Trailer verdammt gut aus, sondern auch die Spielgrafik.

Twitch Impressionen im Multiplayer

Shooter sind keine Spiele für das stille Kämmerlein, sie leben vom Multiplayer Modus. An dieser Stelle ist Twitch eine gute Möglichkeit, anderen über die Schulter zu schauen. Man bekommt einen guten Eindruck vom Spielgefühl und einen noch besseren, warum man sich geschworen hat, solche Spiele nicht mehr zu spielen.
Moralische bedenken bei Shootern habe ich nicht, keine Sorge. Es gibt einen anderen Grund, warum ich diese Sorte von Spielen nicht mehr spielen wollte.

Umgangston im Multiplayer

Meine Abstinenz bei Schottern hängt mit dem Umgangston zusammen, den anderen Spieler online an den Tag lehnen. Twicht hat mir das in den letzten Tagen wieder ziemlich deutlich gezeigt. Rüpelhaft wäre noch geschmeichelt. Machosprüche, Sexismus und Rassismus scheinen als normal empfunden zu werden. Mit solchen Mitspielern möchte ich nicht meine Freizeit verbringen. Zu Hause, an einem Spieltisch würde ich sie niemals sehen wollen. Und online ebenfalls nicht.

Keine Wahl aber Qual

Online kann man sich das ohne große Freundesliste im Multiplayer nicht aussuchen, mit wem man spielt. Das Headset lässt sich stumm schalten, habe ich früher oft genug getan. Nur bringt das wenig, wenn man es benötigt um als Gruppe im Shooter zu agieren. Wer online mit 31 anderen Spielern antritt die gegnerische Mannschaft in den Hintern zu treten, kann als Einzelspieler nicht gewinnen. Multiplayer Spiele sind Teamspiele.

Rezeptfrei Ablenkung

Über die Osterferien hat mir Twitch geholfen, „clean“ zu bleiben. Ob das bei fallenden Preisen für die PlayStation 4 auch in Zukunft so bleiben wird, wird sich zeigen. In jedem Fall ist Twitch eine rezeptfreie Ablenkung. Und ein großartiges Feld für Sozialstudien.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren