Mombasa liegt in Nippes

Wohnt man etwas länger in einer Stadt oder einem Stadteil, sollte man sich mit dessen Geschichte auseinandersetzen. In Bielefeld hatte ich das noch unterlassen, hier in Köln sieht es zum Glück anders aus. Nippes liegt zwar nicht in Mombasa, hat aber ansonsten einige afrikanische Bezugspunkte.

Dunkel Kapitel der Geschichte

Laut NippesWiki wurde 1938 Bebauung eines Geländes zwischen Neusser Straße und Nordstraße mit Ein- und Zweifamilienhäuser abgeschlossen. Im entstandenen Viertel wurden Straßen in Anlehnung an die „ruhmreiche“ Kolonialzeit benannt. Namensgeber war unter anderem Carl Peters. Jene Person, die man auf Grund seines Vorgehens Afrika auch Hänge-Peters nannte.
In Nippes wurde die nach ihm benannte Straße 1991 in Namibiastraße umbenannt. Das Afrikaviertel blieb nicht nur in den Köpfen weiter bestehen.

Boley in Masai Mara
Die Boleys in Afrika

Ein geschenkter Gaul

Zurück nach Mombasa. Auch privat haben meine Frau über Ecken eine Verbindung zur zweitgrößten von Kenia und zu Köln. Ein damaliger Freund von uns, der in Köln studierte, hatte ein Gewinnspielsystem programmiert. Damit nahmen alle aus einem Freundeskreis automatisch an diversen Internet-Gewinnspielen teil. So kam es dann, dass meine Frau und ich eine zweiwöchige Reise nach Kenia gewannen. In jeder Hinsicht unvergesslich.

Die Wirklichkeit in Mombasa

Wenn man die Bilder von Elendsviertel im Fernsehen sieht, ist das eine Sache. Fährt man aber bei offenen Fenster mit einem Kleinbus durch Mombasa, ist es ganz anders. Schon beim Ausstieg aus dem Flugzeug waren wir schockiert. So eine Luft kannten wir nur aus dem Tropenhaus. Die Urlaub war überwiegend anstrengend. Vor allem auch, weil wir keine Sonnenanbeter sind und uns aus der Hotelanlage nicht heraus trauten. Wirklich wohl fühlten wir uns auf dem dreitägigen Ausflug nach Masai Mara. Den Blick auch den Anblick des Kilimandscharo werden wir wohl nie vergessen.

Die alten Römer

Lange vor uns waren auch die Römer in Afrika, wohl aber eher nicht in Mombasa. Die Stadt wurde erst im 11. Jahrhundert von Arabern als Umschlagplatz für Sklaven gegründet. Das alles klingt weit her geholt. Im Spielregal bei uns zu Hause trennen die Römer nur weniger Meter von Afrikanern.
Nach dem verlängerten Osterwochenende und dem Spiel „Concordia“ wagten wir uns gestern an das Brettspiel „Mombasa“. Viel zu lange stand letzteres ungespielt im Regal, vielleicht auf Grund einer wuseligen Anleitung.

 

Das Brettspiel Mombasa
Das Brettspiel Mombasa

Alte Neuerwerbung

Anfang letzten Jahres las ich in einer Ausgabe der spielbox von „Mombasa“. Weitere, überwiegend sehr positive Rezensionen folgten. Vom Verlag selber wird es als Experten und Vielspieler Spiel beworben. Das Thema hörte sich interessant an, durch den Bezug zu Kenia gab es einen weitere Kaufgrund. So landet das Spiel in der Sammlung. Und blieb über Monate ungespielt. Vor Weihnachten schaffte ich es zumindest, die Karten in Sleeves zu stecken.

Worum geht es beim Spiel?

Vier Handelskompanien ringen in Afrika um die Vorherrschaft. Je stärker eine Kompanie sich ausbreitet, desto wertvoller sind Anteile an ihr. Dabei gehört keinem der bis zu vier Spieler eine Kompanie, sondern lediglich Anteile an ihr. Anteile die sich am Ende des Spieles in Siegpunkte umrechnen lassen.
Auch wenn jeder Spieler irgendwie an den Handelskompanien beteiligt ist, handelt es sich bei Mombasa nicht um ein kooperatives Spiel. Es ist ein knallhartes Euro-Game mit wenig Glück und viel strategischer Planung. Viele Optionen wollen berücksichtigt werden, dabei gibt es ganz unterschiedliche Wege zum Sieg.

Von Mitspielern profitieren

Man konkurriert um ausliegende Karten, welche die eigenen Aktionsmöglichkeiten erweitern. Ein Stück weit ist Mombasa hier ein Deckbuilding Spiel. Genau wie das erwähnte Concordia. Ebenfalls wie dort profitiert man von den Aktionen der Mitspieler, weil diese durch Ausbreitung eine Handelsgesellschaft wertvoller machen, an denen man selber Anteile hält.
Ob man sich nur auf diese konzentriert oder aber den eigenen Diamantenvorrat erhöht, seinen Buchalter Umsätze machen lässt — das sind Fragen auf dem Weg zum Sieg. Wer sich breit aufstellt, erhöht die Anzahl seiner simultan zu spielenden Karten in der Planungsphase.

Ein Stück Kolonialgeschichte

Um das Spiel Mombasa ist teilweise eine Diskussion entbrannt, ob und was man in einem Brettspiel darstellen dar. Es kursieren unter anderem Vorwürfe, mit Mombasa würden Teile der Kolonialgeschichte verherrlicht. Diese Behauptung lässt sich so nicht aufrechterhalten. Zum einen geht es bei dem Brettspiel nicht um den Sklavenhandel, sondern thematisch bleibt das Spiel sehr abstrakt. Bananen, Kaffee, Baumwolle und Diamanten. Darüber kann man diskutieren. Wirkliche Verherrlichung sieht anders aus, wie man Verweis auf die Straßennamen in Nippes zeigen sollte.

Abstraktion auf dem Tisch

Den Bezug zu Afrika halte ich in Mombasa für vertretbar. Letztendlich ließen sich Namen und Karte austauschen, ohne den Mechanismus des Spieles zu beschädigen. Statt in Afrika würden auf dem Mars Firmen nach Metallen schürfen. Im Kern ist es ein abstraktes Wirtschaftsspiel. Der Vergleich zu Concordia ergibt sich meiner Meinung aus einer gewissen Ähnlichkeit. Allerdings breitet sich bei Concordia jeder Spieler für sich auf der Karte aus. Unterschiedliche Karten ergeben hier jedes Mal im Zusammenspiel mit der Verteilung von Handelsgütern eine andere Startaufstellung.

Konkurrenz und Interaktion

Zumindest ohne Erweiterung scheint es aber bei Concordia so zu sein, dass hier bestimmte Strategien quasi einen Sieg garantieren. Einen Sieg, den die anderen Spieler nicht verhindern können. Anders als bei Mombasa spielt man größtenteils nebeneinander her. einige Kritiker sprechen von einem so genannten Multi-Solitaire. Die Interaktion ist bei Mombasa zumindest meiner Meinung nach deutlich höher. Es benötigt auch keiner Erweiterungen, die bei Concordia fast unverzichtbar zu sein scheinen.

Fazit

Beide Spielen behaupten nach wie vor ihren Platz in unserer Sammlung. Im direkten Vergleich hat aber Mombasa die Nase vorne. Wer Concordia mag, sollte unbedingt einen Ausflug nach Afrika wagen.

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