Karfreitag tanzte auf dem Vulkan

Karfreitag tanzte auf dem Vulkan

„Ich bin nicht Stiller!“, schrieb der Feiertag. Jedes Jahr zu Karfreitag die gleiche Diskussion, ob man am Karfreitag tanzen muss oder sich den Spaß für 24 Stunden verkneifen darf. Jedes Jahr an gleicher Stelle frag ich mich, ob es nicht wichtigeres gibt. Genug Probleme wäre tatsächlich vorhanden.

Überfluss an Elend

Es gibt einen Überfluss an Elend in der Welt. Zudem ein Haufen Irrer, die sie einfach nur brennen sehen wollen. Das Menschen wie Trump, Putin oder Kim Jong-un sich um dem Frieden sorgen, glaubt ehedem niemand. Als wäre das alles nicht genug, steht die Türkei ur noch wenigen Stunden vor der Abschaffung der Demokratie.
In Deutschland dagegen regt man sich über den stillen Feiertag auf, über das Ruhegebot nach 22 Uhr und Politessen, die lediglich ihren Job machen.
Der Karfreitag bei Facebook war ein Paradebeispiel für eine Gesellschaft, die Freiheit mit feiern gleichsetzt. Für Menschen, die den Begriff „Hedonismus“ mit Leben ausfüllen.

Tanzverbot an Karfreitag
Counselling / Pixabay

Karfreitag geht auch ohne Religion

Meiner Meinung nach funktioniert der Karfreitag auch ganz ohne Religion. Man muss weder Christ sein, noch an die Auferstehung glauben. Selbst wenn man Jesus für eine fiktive Figur hält, kann man dem Tag etwas abgewinnen. Für mich ist Karfreitag in aller erster Linie ein Tag der Entschleunigung. Ein Tag, an dem man sich verdeutlichen kann, dass die Welt sich nicht um einen selber, sondern um die Sonne dreht.
Die Zeiten, in denen ein Mensch sich für die Sonne hielt, sind zum Glück vorbei.

Ostern ganz heidnisch

Das wir in einer wie auch immer noch christlich geprägten Gesellschaft leben, darf akzeptiert werden. Das diese Gesellschaft Jahrhunderte alte christliche Wurzeln hat, muss sogar akzeptiert werden. So was wie der Karfreitag ist keine spießbürgerliche Erfindung, es geht auch nicht darum, Menschen die anders beziehungsweise gar nicht glauben, etwas wegzunehmen.
Im Übrigen, so was wie Kirmes gäbe vermutlich ohne Christentum nicht, aber das wäre jetzt ein anderes Thema. Lange Zeit konnte ich mit dem Christentum nichts anfangen, Konfirmation und Religionsunterricht konnten dran nichts ändern. Trotzdem war mir Ostern wichtig, weil ich damit aufgewachsen bin.

Rückerinnerung an die Kindheit

Ostern ist für mich immer ein Stück Rückbesinnung. Bestimmte Rituale gehöre dazu, neue wie alte. In die Kirche gehe ich weder am Karfreitag noch an anderen Tagen. In dieser Hinsicht fehlt mir nichts. Was ich aber geradezu schmerzlich vermisse, sind die Osterfeuer auf dem Land. Sicher, ein sehr heidnisches Ritual. Es gehört aber zumindest für mich zu Ostern genau so wie die bunt gefärbten Eier, Rüblikuchen und Osterzopf.
Ganz bestimmt nicht stand für mich früher im Vordergrund, dass Ostern der höchste Feiertag des Christentums ist.

Ostern neu deuten

Ostern kann man auch anders verbringen. Zum Beispiel in dem man gegen Krieg und Atomwaffen demonstriert, so wie das seit über 60 Jahren getan wird. Gründe an einem Ostermarsch teilzunehmen gibt es viel, verdammt viele.
Merkwürdigerweise beschleicht mich das Gefühl, dass viele, die sich gegen das Tanzverbot am Karfreitag ereifern, selten auf Ostermärschen gesehen werden. Darüber könnte man auch mal reden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren