Über Kickstarter Brettspiele finanzieren

Für einen guten Start in den Tag benötige ich neben dem obligatorischen Frühstück auch ausreichend Zeit zur Informationsaufnahme. Den größten Teil davon beansprucht die Süddeutsche Zeitung, aber ich schau auch kurz bei Facebook vorbei. So kam es dann, das sich mir beim Tee Gedanken machte, wie man über Kickstarter Brettspiele finanziert.

Psst, keine Namen

Als ich zum ersten Mal von Scythe hörte, wollte ich möglichst auf dem Laufenden bleiben. So kam es, dass ich Stonemaier Games bei Facebook folgte. In lockere Folge findet man dort verlinkte Artikel, in denen sich Jamey Stegmaier äußert. Nicht nur zu den Spielen von Stonemaier Games, sondern auch zu anderen Themen. Etwa wie man erfolgreich beim Crowdfunding ist, fair mit seinen Unterstützer umgeht oder aber via Kickstarter Brettspiele veröffentlicht. Über die Schaffung von Öffentlichkeit eine Finanzierung seiner Spielidee zu ermöglichen, genau das ist es, was auch aus meiner Sicht den Reiz von Kickstarter ausmacht.
Heute morgen las ich einen Text Stegmaier über die Finanzierung von Katzenhüten. Ein Platzhalter statt eines Namens.

Sackgasse Kickstarter Brettspiele
Unsplash / Pixabay

Finanzierung einer Neuauflage

Belassen wir es erstmal bei den Katzenhüten, auch wenn Kennern möglicherweise klar wird, wer oder was gemeint sein könnte. Im Kern dreht es sich bei Jamey Stegmaier um die Frage, ob man so was wie Kickstarter für den Nachdruck eines Brettspiels nutzen sollte. Den Nachdruck, also eine Neuauflage unterscheidet er dabei von einer vollständig neuen Edition.
Zunächst geht Stegmaier auf die Punkte ein, die für einen Nachdruck (mit kleineren Korrekturen) im Rahmen einer neuen Kickstarter Kampagne sprechen. Dann aber folgen die Gegenargumente, denn die gibt es tatsächlich.

Neuauflage nicht über Kickstarter

Drei Aspekte aus dem Artikel so wie den Kommentaren erscheinen mir dabei besonders relevant. Wenn ich als Entwickler über Kickstarter Brettspiele realisiere, muss ich mich auch um die Abwicklung kümmern. Statt die Arbeit dem Vertriebshandel und dem einzelnen Händler zu überlassen, muss ich mich selber darum kümmern. Ob ich ein die Auflage des Spiels nur zu 10 Firmen schicke die sich dann um den weiteren Vertrieb und Verkauf kümmern, oder ob ich jeden einzelnen Endkunden selber bedienen muss, macht einen erheblichen Unterschied.
Für die Spielehändler ist es mindestens ärgerlich, wenn Kunden direkt über Kickstarter eine Neuauflage bestellen. Sie haben möglicherweise vorab selber auf das Spiel im Rahmen der Erstauflage aufmerksam gemacht, Spieler dafür begeistert. Jetzt aber gehen sie leer aus beziehungsweise stehen vor einer riskanten Entscheidung.

Händler bleiben auf der Strecke

Niemand kann es den Kunden übel nehmen, wenn sie aus ihrer Sicht ökonomisch denken. Ob ich ein Spiel für 110 Euro inklusive Versand kaufe oder genau das gleiche Spiel von meinem Händler für 160 Euro beziehe, macht einen Unterschied. Also kauft man das Spiel über Kickstarter, bei einer Neuauflage wäre das nicht mal die Katze im Sack (ohne Hut).
Ein Händler kann da preislich nicht mitziehen, insbesondere, wenn er selber ähnlich viel für das Spiel bei zahlen muss. Kauft er es trotzdem ein, braucht er eine ausreichende Anzahl. Wie aber würde diese dann aussehen? Zumal er nicht wissen kann, wie viele seiner potentiellen Kunden das Spiel bei Kickstarter gekauft haben.
Insofern bedroht Kickstarter das Geschäft der Händler. Ohne Händler jedoch würde sich die gesamte Branche verändern — nicht zum Positiven.

Folgekosten der Kickstarter Brettspiele

Interessant fand ich auch den Gedanken, welche Folgen die Finanzierung der Neuauflage via Kickstarter auf andere Kampagnen hat. Wenn die ursprüngliche Kampagne bereits erfolgreich war und es zu dem entsprechenden Spiel eine hohe Nachfrage gibt, ist der Erfolg bei der Neuauflage mehr oder weniger garantiert. Im Ergebnis führt das dazu, dass die Zahlen durch die Decke schießen. Nimmt man als Beispiel etwas „Gloomhaven“, hauen einen die Zahlen um. Auf BBG steht es inzwischen auf Platz sieben, die Neuauflage bei Kickstarter hat ihr Finanzierungsziel massiv überschritten. Statt der ursprünglich anvisierten 100.000 liegt der eingesammelte Betrag derzeit bei 1,8 Dollar.
Das bleibt nicht ohne Folgen, denn die Aufmerksamkeit die Gloomhaven erzeugt fehlt an anderer Stelle. Wirklich neue Projekte drohen unter zu gehen. Zudem ist nicht nur die Aufmerksamkeit begrenzt, sondern auch das Kapital. Wer das eine Projekt unterstützt, wird dafür ein anderes nicht unterstützen.

Das eigene Verhalten als Kunde

Brettspieler sind immer auch Kunden. Als solcher muss man sich fragen, was man auslöst wenn man über Kickstarter Brettspiele erwirbt. Im besten Fall wird eine grandiose Spielidee finanziert. Im schlimmsten Fall den Spielehändlern massiv geschadet. Vom Einzelhändler, der in einem echten Ladenlokal Brettspiele verkauft, reden wir erst gar nicht. Mein eigenes Verhalten als Kunden hat Auswirkungen. Das Gute daran ist jedoch der Einfluss, den ich habe. Jeder entscheidet, was er über Kickstarter mitfinanziert und was er besser im Laden kauft. Selbst bei P500 von GMT Games muss ich mir überlegen, ob ich nicht besser über einen deutschen Händler vorbestelle.

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