Ersehnter Frühling in Köln

Ersehnter Frühling in Köln

Der erste Sonntag im April mit viel Ruhe, Sonnenschein und sitzen auf dem Balkon. Die Blumenkästen sind längst gemacht, man lässt sich zum Espresso die Sonne ins Gesicht scheinen. Es ganz eindeutig Frühling in Köln.

Einzug der Ruhe

Die grauen Tage liegen hinter einem. Selbst der Müll sieht im Sonnenlicht viel freundlicher aus. Die eigene Stimmung hebt sich. Man kann genießen, gerade weil Ferien sind und sich die Feiertage über die Siedlung legen.
Während die Gedanken schweifen, taucht eine Frage auf. Wie sieht er wohl aus, der Frühling anderswo? Köln ist alles andere als der Nabel der Welt. Das was uns umgibt und anderswo passiert, lässt sich nicht ausblenden. Ruhe mag eingezogen sein, aber bereits an den Rändern flackert es dunkel. Die Welt lässt sich nicht ausblenden. Während sich Frühling in Köln breit macht, sterben anderswo Menschen.

Frühling in Köln und anderswo
DanielWanke / Pixabay

Grün ohne Hoffnung

Der Anschlag in Russland, die zögerlichen Reaktionen und Zeichen der Solidarität im Westen. Berechtigte Vorwürfe. Der erneute Einsatz von Giftgas in Syrien. Ein deutlicher Aufschrei, aber eigentlich schwer zu verstehen. Schwer deshalb zu verstehen, weil auf an jedem verdammten anderen Tag in Syrien Menschen getötet werden. Weil sie auf der falschen Seite standen, in der falschen Stadt wohnten oder einfach im Weg waren. Krieg kennt keinen Frühling.
Dann ein Anschlag in Stockholm. Kaum hat man die ersten Artikel dazu gelesen, schlagen in Ägypten Fanatiker zu und töten Menschen mit Sprengsätzen in einer Kirche. Soweit geht der Hass, dass selbst Gotteshäuser keinen Schutz mehr bieten können. Frühling in Köln, es grünt, während sich anderswo der Boden rot färbt.

Verdammter Frühling in Köln

Menschen sind Verdrängungskünstler. Sie beherrschen das Vergessen und ausblenden so gut, um überleben zu können. Wäre man sich jederzeit der Gefahr bewusst, man würde wahnsinnig werden. Wie könnte man auch den Frühling in Köln genießen, wenn man sich ständig die nukleare Vernichtung vor Augen halten würden. Die ist tatsächlich nach wie vor ganz real. Manchmal trennt uns nur etwas Glück von einem weltumfassenden Krieg. Ein US-amerikanischer Vergeltungsschlag auf einen syrischen Militärflughafen, bei dem kein russischer Staatsbürger zu Schaden kam. Es erfordert nur wenig Phantasie um sich vorzustellen, was Trump alles hätte anrichten können.

Menschen leiden anderswo

Obwohl ich mich frage, wie ich den Frühling in Köln genießen kann, tue ich es. Ich genieße ihn, obwohl anderswo, im Frühling und zu jeder anderen Jahreszeit gestorben wird. Mich macht das sicherlich nicht zu einem schlechten Menschen. Dennoch meldet sich das Gewissen und versucht einen verzweifelten Kampf gegen die Hilflosigkeit. Menschen leiden anderswo und ich fürchte, selber nur wenig dagegen unternehmen zu können.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren