Dicke Luft in Bielefeld

Dicke Luft in Bielefeld

Der Jahnplatz in Bielefeld ist ein Verkehrsknotenpunkt mitten in der Stadt. Auch wenn ich selber seit sieben Jahren nicht mehr in Bielefeld lebe, kann ich mich an ihn noch ziemlich gut erinnern. Vor allem auch daran, dass ich ihn nie verstanden habe.

Besonderheit des Jahnplatzes

Kennt man die Fußgängerzonen beispielsweise in Köln oder Bonn (Düsseldorf habe ich gerade nicht vor Augen, sorry). So nimmt man diese als Einheit war. Nichts zerteilt sie. Dagegen gibt es am Jahnplatz nicht nur eine kleine Straße, welche die Fußgängerzone zerteilt, sondern eine Hauptstraße, die eine wichtige Verkehrsader darstellt. Aus diesem Grund hat man wohl in der Vergangenheit nie ernsthaft eine Verkehrsberuhigung in Betracht gezogen wie etwa in Wesel. Für mich als Fußgänger war die Untertunnelung des Jahnplatzes und der Hauptstraße immer eine der schlechtesten Option, mit dem Verkehr umzugehen. Die Fußgänger wurde in die Tiefe verpennt, den Autos wurde Vorrang gewährt. Besonders attraktiv machte das den Jahnplatz nicht. Da half auch nicht die große Alcinauhr.

Dicke Luft in Bielefeld
monreal312 / Pixabay

Bielefeld, keine Verschwörung

Hinter dem Tunnel unterm Jahnplatz steckt allerdings keine Verschwörung. Mit ziemlicher Sicherheit haben sich die Entscheidet damals etwas dabei gedacht. Und es gut gemeint. Gut gemeint ist aber nicht gut gemacht. Auf lange Sicht hin und bei zunehmenden Verkehr ist so eine Schneise durch das Herz der Stadt keine gute Lösung. Höheres Verkehrsaufkommen sorgt auch für eine Erhöhung der Schadstoffemissionen. In Bezug auf die Sensibilisierung für die Umweltbelastungen hat sich in den letzten Jahren einiges getan.
Es gibt unter anderem Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid, die zumindest eine weitere Verschlechterung der Luftqualität verhindern sollen. Grüne Plakette und Umweltzonen — Versuche, die Ursachen zumindest etwas einzudämmen.

Einschränken haben auch Nachteile

Jede Maßnahme zur Verbesserung der Luftqualität kann von einem gewissen Standpunkt aus auch als Einschränkung empfunden werden. Dieses sind aber im Interesse der Umwelt und Gesundheit notwendig. So weiter machen wie bisher ist keine Alternative. Das spürt man zur Zeit auch in Bielefeld, wo heftig über die Einführung einer Umweltzone am Jahnplatz gestatten wird. Der zulässige Grenzwert für Stickstoffdioxid liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Janhplatz wir durchschnittlich 49 Mikrogramm gemessen. Mit einer Einzelmaßnahme wird man dem Problem nicht beikommen, aber mit irgendwas muss angefangen werden. Die Einrichtung einer Umweltzone und Fahrverbote wäre ein erster, wichtiger Schritt. Dieselautos zu verbannen ein weiterer.

Umweltschutz als Standortnachteil

Während in Bielefeld ein Bündnis der Vernunft aus SPD, Grünen, Bürgernähe und Piraten konstruktive Vorschläge erarbeitet, gibt es insbesondere von Seiten der CDU massiven Gegenwind — sogar in überregionalen Presse wird Stimmung gegen den notwendigen Umweltschutz gemacht.
So schreibt etwas die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Lena Strothmann (CDU) für Focus online, dass ein Dieselverbot dem Handwerk schaden würde. Hier werden wirtschaftliche Interesse und ein behaupteter negativer Effekt ins Feld geführt, um möglichst alles so zu lassen wie es ist. Mit der polemischen Keule wird auf die sinnvollen Vorschläge eingeschlagen. Strothmann fragt etwa, ob Handwerker zukünftig ihren Werkzeugkoffer auf einen Fahrradgepäckträger schnallen sollen, wenn sie in die Innenstadt kommen.
Warum eigentlich nicht? Es gibt erstaunlich gute Lastenräder — die kann sich Frau Strothmann auch gerne mal hier in der autofreien Siedlung in Köln-Nippes ansehen.

Flüssiger Autoverkehr ist kein Grundrecht

An Fahrverboten für den Innenstadtbereich von Bielefeld führt kein Weg vorbei — das ist alternativlos, könnte man hier auch sagen. Die Ampeln zu streichen, damit Autofahrer ohne Stopp durch die Innenstadt brausen können und so die Emissionen etwas reduziert ist keine Lösung. Flüssiger Autoverkehr ist kein Grundrecht, saubere Luft sollte es dagegen schon sein.
Natürlich, und in sofern hat Strothmann recht, reichen Einzelmaßnahmen nicht aus. Zum Wohle alle Bielefelderinnen und Bielefelder müssen eine Reihe von Steuerungsinstrumente und Verbesserungen greifen. Nur so lässt sich die Aufenthalts- und Lebensqualität halten und verbessern.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren