Die Liebe zum Wein

Wann ich das erste Mal überhaupt mit Wein in Kontakt kam, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Schuld daran ist eher weniger der Alkohol, sondern die wenn man so will die vielen Gelegenheiten.

In der 10. Klasse gab es eine Fahrt an die Mosel inklusive Weinprobe. Da ich von der Fahrt auch ein Probenglas mit nach Hause nahm, gehe ich stark davon aus, mit dem Glas auch vorher Wein getrunken zu haben. Da ich erst sehr spät gutes Bier für mich entdeckt, gehört ich bei Klassentreffen und Oberstufenpartys auch immer zu den Weintrinkern (die Sache mit dem Whiskey verschweige ich lieber).

Wein vor der Geburt
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Ziemlich gut kann ich auf den wohl übelsten Wein, den ich je getrunken habe, zurückblicken. Es war natürlich zur Zeiten der Oberstufe, jene berüchtigte „Wir holen uns was von der Tanke“ Phase. Wie das heute aussieht, weiß ich nicht. Zumindest damals aber waren Tankstellen keine Sommelier beschäftigt und das Angebot entsprechend einseitig. Ein Drehverschluss bei den Flaschen hatte zu Recht einen besonders miesen Ruf.
Die Marke „Le Patron“ werde ich nie vergessen — auch weil wir scherzhaft meinte, der Wein wäre die Patrone für die Leber.

Geschmack verändert sich

Zeiten änderten sich und auch mein Geschmack veränderte sich — zum Glück. Geblieben aus der Zeit ist vor allem eins. Komplexe, teure Weine mag ich nach wie vor nicht. Eher solide Weine. Lange Zeit waren meine Frau und ich auch mit einem spanischen Landwein „Julian“ aus dem Bioladen sehr zufrieden.

Ganz anders entwickelt hat sich mein Bezug zu Weißwein. Der war früher mehr oder weniger tabu, gerade auch wegen der vielen Skandale. Mittlerweile zähle ich mich zu den Liebhabern von Weißwein, insbesondere aus Deutschland und Österreich — genau aus den Gebieten, die ich früher wie der Teufel das Weihwasser gemieden hätte.
Weißwein vertrage ich deutlich besser, zudem wirkt er völlig anders auf meine Laune. Rotwein macht schwermütig, Weißwein beschwingt — mein Eindruck zumindest.

Bezugsquellen für Wein

Bisher haben meine Frau und ich stets Wein vor Ort gekauft. Auch an Weinproben hier in Nippes teilgenommen, die zumindest am Anfang zu einer deutlichen Vertiefung unseres Wissens führten. Allerdings stagnierte das Ganze dann im letzten Jahr, hinzu kamen noch ein paar andere Dinge, die mich ziemlich verärgten. Kurz um, wir kauften nicht mehr in der kleinen feinen Weinhandlung ein.
Unseren Nachschub bezogen wir vom REWE (tatsächlich ist das Angebot bei Rahmati ziemlich gut) und auch von der Weinhandlung Kleefisch (reden wir lieber nicht der die Webseite, die mich stark an den Drehverschluss von früher erinnert). Diese hat auch ziemlich charmante und wechselnde Schnupperpakete.

Auf die Idee, Wein online zu bestellen wäre ich im Prinzip nie gekommen. Auf dem arte-Magazin gibt es beispielsweise hinten eine Werbung für einen Versender aus Hamburg, die mich eher abschreckt. Zehn Spanier und ein 2er-Set Weingläser für 49,90 Euro. Wein für unter 5 Euro nehme ich allenfalls zum kochen, wenn überhaupt. Denn wie heisst es so schön: „Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein“.
Mit dem Kauf vor Ort unterstützt man letztendlich auch die Händler, die durch ihr Vorhandensein eine Verödung der Stadtteils verhindern.

Onlinebestellung leicht gemacht

Die große Verführung bei einer Online-Bestellung ist natürlich der Faktor Bequemlichkeit. Aus der Phase, mal eben nur eine Flasche zu kaufen, sind wir längst raus. Wir haben ein meistens gut gefülltes Weinregal. Eine ganze Kiste zu kaufen, bietet sich eigentlich immer an, es sei denn man möchte sich durch viele unterschiedliche Lagen probieren.
Dennoch wäre ich nie auf die Idee gekommen, im Internet Anschub zu bestellen. Die meisten Shops für das Traubenprodukt sprechen mich auch nicht an. Genau so „niemals“ würde ich auf irgendwelche bei Facebook eingeblendete Werbung klicken — glaubte ich. Bis diese Woche, denn da gab es eine Anzeige der „Weinfreunde“. Machen wir uns nichts vor, dahinter steckt REWE. Da ich dem Konzern auch schon bei anderen Lebensmitteln über den Weg traue, ist das für mich schon mal ein guter Anfang gewesen. Hin zu kommt eine Webseite, die gut gemacht ist — auch in technischer Hinsicht.
Tja, und mit den Weinpaketen hatten sie mich dann am Haken. Die haben andere auch, aber bei den Weinfreunden macht es die Zusammenstellung. „Deutsche Jungwinzer“ ist ein Thema, welches ich sehr spannend finde. Sorten wie der Riesling „Handgriff“ machen neugierig. Der Preis für sechs Flaschen ist auch im realistischen Bereich. Also habe ich bestellt.

Ersteindruck

Gestern kamen die Flaschen gut verpackt im Karton an und ich freue mich schon auf den ersten Schluck — an einem der kommenden Wochenenden, wenn ich Zeit und Ruhe habe, denn guten Wein sollte man genießen. Wenn der dann so schmeckt wie ich mir das erhoffe, wir das wohl nicht die letzte Bestellung sein, denn die gesamte Abwicklung hat mich ziemlich überzeugt.
Klar werde ich auch noch den lokalen Handel unterstützen durch meine Einkäufe, aber bei bestimmten Anbaugebieten dann auf eine Onlinebestellung ausweichen, um eine größere Vielfalt zu haben. Nicht nur bei deutschen Winzern, sondern auch bei den Österreichern, meine heimliche Weinliebe.

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