Nichtraucherschutz — Neuauflage in NRW?

Nichtraucherschutz — Neuauflage in NRW?

Wenn es um Wählerstimmen geht, wird auf Tote keine Rücksicht genommen. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man die Schlagzeile „CDU und FDP wollen den Nichtraucherschutz in Kneipen lockern“ liest.

Laut einer Studie der Universität Münster sterben in Deutschland jährlich 3300 Nichtraucher durch Passivrauchen. Insgesamt sind es laut dem „Tabakatlas Deutschland 2015“ vom dkfz (Deutsches Krebsforschungszentrum) rund 120.000 Menschen, die an den Folgen des Rauchens sterben. Rauchen schadet nach wie vor nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Volkswirtschaft. Der Gesellschaft entstehen jährliche Kosten in Höhe von 80 Milliarden Euro.

Nichtraucherschutz ernst nehmen
PublicDomainPictures / Pixabay

Das sind nur ein paar Zahlen, zusammengetragen nach wenigen Minuten Recherche. In Nordrhein-Westfalen stehen die Landtagswahlen bevor und man ist sich bei der CDU und der FDP wohl nicht zu schade, für einen ökonomisch bedeutungslosen Industriezweig (laut dkfz) die Trommel zu schlagen. Freuen darf sich die Tabakindustrie auch über Schützenhilfe aus den andern Parteien, denn auch dort gibt es Verblendeten, die eine vermeintliche Freiheit beschwören, wenn sie von einer Lockerung des Rauchverbotes sprechen. Vermutlich kennt jeder von uns über drei Ecken eine Kneipe, die auf Grund schludrig geführte Buchhaltung schließen musste, nach außen aber tönt, man sei auf Grund des Nichtraucherschutzgesetzes in die Insolvenz getrieben worden.

CDU will Nichtraucherschutz lockern

Laut WDR fordert die CDU in ihrem so genannten Regierungsprogramm einen Nichtraucherschutz ohne Bevormundung. Einige Politiker sprechen von restriktiven Regeln, die bisher angeblich gelten. Tatsächlich? Meiner bescheidenen Meinung nach wird bisher viel zu lasch mit Verstößen umgegangen. Rauchverbote an öffentlichen Orten und Bahnsteigen interessieren beispielsweise niemanden. Wer als Raucher auf dem Bahnsteig qualmt, kann das ohne jede Rücksichtnahme tun. Er muss nicht mal eine Ansprache durch Mitarbeiter der Bahn befürchten.

Das bereits scharfe Rauchverbot in Nordrhein-Westfalen ist noch nicht scharf genug. Persönliche Freiheit endet da, wo andere in Mitleidenschaft gezogen werden.

Man sollte doch Gastwirten nicht durch ein Nichtraucherschutzgesetz vorschreiben, was sie in ihrem eigenen Lokal tun und lassen können. Immer wieder ist so was zu hören. Ganz ehrlich, Gaststätten und Lokale sind keine rechtsfreien Räume. So darf hier selbstverständlich kein Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt werden, nur weil das eventuell den Umsatz des Gastwirts fördert. Apropos ausschenken. Um überhaupt seinen Gästen alkoholische Getränke anbieten zu können, benötigt man eine Schanklizenz. Deren Berechtigung stellt niemand in Frage, genau so wenig wie Kontrolle durch das Gesundheitsamt bei gastronomischen Betrieben.

Unüberhörbar ist, dass die Raucherlobby und ihre willigen Lakaien laut schreit. Maßstab gesellschaftlicher und politischer Entscheidung sollte jedoch die Vernunft sein. Nicht das Prinzip, demjenigen Recht zu geben, der sich am lautesten äußert. Vernünftig wäre in diesem Fall das Primat der Gesundheit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren