Wargames als Mittel zum Verständnis — Teil 2

Gestern starte ich mit meinem Versuch, eine Brück zu schlagen von einem Hobby (Wargames) zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Geschichte, Politik und Konflikten. Sicherlich kann man auch anders, differenzierter an die Thematik herangehen. Meine Perspektive ist jedoch die eines interessierten Laien. Auch wenn mich persönlich Geschichte und Politik schon immer interessiert hat, bin ich in den letzten Monaten zur Gesichte und Auseinandersetzung mit ihr über das Spielen gekommen. Genauer gesagt führten Wargames wieder zur Auseinandersetzung mit geschichtlichen Ereignissen. Im Übrigen weil über reine militärische Knollige hinaus.

Unterschiedliche Wargames
Unterschiedliche Wargames

Meine Gedanken zu Wargames sollten dabei nicht als Rechtfertigung für ein angeblich fragwürdiges Hobby gesehen werden. Spiele, die sich mit Kriegen und historischen Konflikte beschäftigen, sind grundsätzlich erstmal nicht fragwürdig. Meiner Meinung nach führt die Beschäftigung mit Konfliktsimulationen auch eher zu einer Haltung, die fernab von jeglicher Verherrlichung zu sehen ist.

Wie eine Wargames-Sammlung entsteht

Bei der Beschäftigung mit dem Thema habe ich erstaunt festgestellt, dass ich schon länger als gedacht wargames in meiner Sammlung habe. Deutlich wurde das durch die Neuordnung im Regal. Das erste Spiel, welches in die Richtung Konfliktsimulation geht, ist „Lieber bairisch sterben“ von Karl-Heinz Schmiel. Gekauft Anfang der 90er Jahre. Bisher leider nie gespielt. Erst vor ein paar Jahren kam dann „A Few Acres of Snow“ hinzu — hier habe ich bereits ein paar Partien mit meiner Frau gespielt. Im letzten Jahr folgte dann „Twillight Struggle“. Das stand lange Zeit auf Platz eins bei BoardGameGeek und die Veröffentlichung der iOS-Version war für mich Anlass, mir sowohl dieses als auch wenig später das Brettspiel zu kaufen.

Ziemlich bewusst gekauft wurde dann in diesem Jahr „A Victory Denied“ als erstes wargame, was ich auch als solche empfand. Die erste Partie mit meiner Frau wurde über Karneval gespielt. Gekauft hatte ich dann noch „Ukraine ’43“, diese Woche neu dazu gekommen ist „Fields of Despair“, auf welches ich mich schon richtig freue. Ist das alles verwerflich? Wohl kaum.

Vom Spiel zur Lektüre

Über Weihnachten las ich ein Buch, über ich das ich eigenartiger Weise hier im Blog nicht geschrieben habe. In „Die Ardennen Offensive“ beschäftigt sich Antony Beevor mit Hitlers letzter Schlacht im Westen. Dem Buch voran gegangen war eine Rezension in der Süddeutsche Zeitung. Über das Thema selber wurde Anfang 2015 in der Samstagsausgabe ausführlich berichtet. Ins kollektive Gedächtnis vor allem der US-Amerikaner hat sich diese Schlacht als „Battle of the Bulge“ eingeprägt. Der Vorstoß deutsche Truppen löst eine Art Trauma aus. Bereits ein paar Jahre vor dem Buch hatte ich mit „Battle of Bulge“ ein Spiel für’s iPad, welches sich um diese Schlacht dreht — und ziemlich genau so funktioniert wie ein klassisches, manuelles wargame.

Als ich vor ein paar Tagen mit dem Regelstudium zu „Fields of Despair“ anfing, löst das bei mir ein Interessenschub aus. Ganz am Anfang der Regeln stieß ich auf den englischen Begriff „trenches“. Das sind die Gräben, die prägend waren für den Stellungskrieg im ersten Weltkrieg. Der sehr umfassende Wikipedia-Arikel zum Stichwort „Grabenkrieg“ führte dann zu einer Reihe weiterer verlinkter Artikel, bis hin zum Hauptartikel über den 1. Weltkrieg. Ergänzen werde ich das mit der Lektüre eines Buches, welches sich schon länger in meinem Lesestapel befindet. „Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog“ von Christopher Clark.

Gespannt bin ich dann auch, wie das „Fields of Despair“ den Krieg simuliert. Drei Rezensionen bisher haben sich lobend in Bezug auf die Umsetzung geäußert. Im Übrigen wird hier nicht mit kleinen Figuren gespielt, sondern abstrakt mit Holzblöcken.

Kommentar verfassen