Zum Weltfrauentag

Zum Weltfrauentag

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, warum ich zum Weltfrauentag gestern erst heute einen Artikel schreibe. Möglicherweise wird jetzt ein Strum der Entrüstung ausbrechen, aber eigentlich wollte ich zu dem Thema gar nichts schreiben. Bitte nicht aufregen, weiterlesen.

Der eigentlich Grund für mich heute darüber zu schreiben waren einige Frauen mit roten Rosen im Essener Hauptbahnhof. Rote Rosen, die gestern auch von der SPD an Frauen zum Weltfrauentag verteilt wurden. Mich regt so was auf. Was sollen die Frauen denn mit einer roten Rose? Ein Ding, das nach wenigen Tagen bereits welkt (und bei dem man sich zudem noch Gedanken über die Anbaubedingungen machen sollte). Möglicherweise soll die Rose ein Symbol sein. Dazu passt dann auch der Umstand des Welkens. Denn worum es beim Weltfrauentag eigentlich gehen soll, wird ebenso schnell wieder vergessen. Statt Blumen zu verschenken sollte man sich dafür einsetzen, dass „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ endlich Wirklichkeit wird. Selbst das aber wäre längst noch nicht alles.

RitaE / Pixabay

Kleiner Schwenk nach Hause. Weltfrauentag bei uns gestern. Abends bin ich natürlich nicht mit einem Strauß Blumen nach Hause gekommen. Auch mit keiner anderen Kleinigkeit. Dafür habe ich mich, **wie an jedem anderen Tag auch**, in die Küche gestellt und das Essen gekocht. Mein Frau saß am Schreibtisch und erledigte noch etwas für die Schule. Wir haben dann später gemeinsam gegessen. Zeit, die uns wichtig ist.

Bei uns sind auch die Haushaltsaufgaben fair aufgeteilt. So bin ich zum Beispiel nicht nur für Kochen und die Essensplanung zuständig, sondern auch fürs putzen. Ja, auch Badezimmer und Klo werden von mir geputzt. Für mich ist das ein gelebter Teil Gleichberechtigung, dass Partner Aufgaben fair und gerecht aufteilen (im Übrigen sollte das für alle Partnerschaften unabhängig vom Geschlecht gelten).

Über den privaten Kreis hinaus sieht es aber schnell anders aus. Meine Frau wird schlechter bezahlte als die Kollegen, was aber vornehmlich nicht am Geschlecht liegt, sondern am Umstand, dass sie nicht verbeamtet ist. Gleiche Lohn für gleiche Arbeit? Auch im Lehrerberuf Fehlanzeige.

Zurück aber wieder zu gesellschaftlichen Betrachtung. Von Meret Becker kursiert aktuell ein sehr schönes Zitat:

> Solange Frauen noch gesteinigt werden, mit Kostümen herumrennen müssen, die sie vielleicht nicht anziehen wollen und sogar in Deutschland schlechter bezahlt werden als Männer, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten, ist das ein wichtiger Tag.

Gemünzt ist das auf den Weltfrauentag. Ich stimme ich zu, dass es ein wichtiger Tag ist. Aber wie bereits zu Beginn ausgeführt, reicht mir das nicht aus. Ein Tag, um an die Missstände zu erinnern – besser wäre es, alle anderen Tage des Jahres damit zu verbringen, die Missstände abzuschaffen.

Ich will keine Partei, die Rosen verteilt, sondern eine, die sich aktiv für die völlige Gleichstellung der Frau — weltweit. Dazu gehört für mich unter anderen, dass diese Partei auch mit allen zur Verfügung stehen Möglichkeiten Geschäfte mit Saudi Arabien unterbindet. So lange, bis dort Frauen die gleiche Rechte haben wie Männer.

Für mich ist der Weltfrauentag genau so wie der Muttertag eine Far­ce. Ein Placebo.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren