Türspalt zur Hölle

Türspalt zur Hölle

Was weiß ich schon über Schmerzen. Weder liege ich im Hospiz, noch auf einer Palliativstation. Auch hatte ich noch keinen schweren Unfall, ebenso ist mir Krebs wie auch andere ernsthafte Krankheiten bisher erspart geblieben Das alles gehört zu einer Tür, die ich hoffe niemals aufzumachen.

Einen Türspalt öffnete sich jedoch in den letzten 36 Stunden für mich — ausgestanden ist es auch noch nicht. Teilweise waren die Schmerzen so heftig, dass ich nahezu alles getan hätte, damit sie aufhören. Ja, ich kann mittlerweile auch gut nachvollziehen, warum sich jemand vor den Zug wirft.

LeoNeoBoy / Pixabay

Der Reihe nach. Jeder von uns kennt möglicherweise Kopf- und Nackenschmerzen. Auch früher hatte ich gelegentliche welche. Erst zu Beginn meines Studiums nahm das jedoch zeitweise Formen an, die ich bis dahin nicht kannte. Vielleicht liegt die Ursache dafür darin, dass ich in der Oberstufenzeit gerne Halstücher auch im Sommer trug. Wahrscheinlicher ist aber eine erblich bedingte Schwäche meiner rechten Schulter und der Hals- / Nackenmuskulatur.

Mein Nacken reagiert sehr empfindlich auf Kälte, aus diesem Grund sieht man mich in der Regel mit Halstüchern ganzjährig und dicken Schals zusätzlich im Winter. Um nicht ganz so dick verpackt zu sein, habe ich auch ein mit Fleece gefüttertes Halstuch. Tja, und da mir das am Dienstag und Mittwoch zu warm war, nahm ich nur ein dünnes Halstuch, obwohl es am Mittwoch doch sehr windig war. Zu windig, denn mein Nacken verkühlte sich, aber so richtig.

Für alle Fälle habe ich eigentlich immer Schmerztabletten dabei, nur am Donnerstag leider nicht. Zudem habe ich  eine Art „Hausmarke“, die ich gut vertrage und welche einigermaßen schnell wirkt. Dumm gelaufen. Erst im Zug fiel mir das Fehlen auf. „Wird schon gut gehen“, dachte ich mir noch auf dem restlichen Weg zur Arbeit.

Ging es dann aber leider nicht, es wurde schlimmer. Gegen Mittag schnorrte ich mir eine Tablette vom Kollegen, allerdings nicht die Hausmarke. Entscheidend aber: es war schon zu spät. Wenn ich zu lange damit warte, haben die Schmerzen einen Level erreicht, wo ich mich so verkrampfe, dass es zu stärkeren Schmerzen führt. Dann dauert es auch erheblich länger, bis überhaupt etwas wirkt.

Anderthalb Stunden hielt ich mich noch im Büro, dann gab ich auf. Mühsam schleppte ich mich zum Bahnhof nach Essen. Bevor mein Zug kam, versuchte ich noch eine Apotheke aufzutreiben mit der Hausmarke. Das ist in der Essener Innenstadt deutlich schwieriger als zu Hause in Nippes. In der ersten Apotheke war die Hausmarke nicht vorrätig, so dass ich noch eine ganze Strecke länger laufen musste zur nächsten. In Nippes ist die nächste Apotheke nur einen Steinwurf weit entfernt.

In der DB Lounge war ich dann zwei Tabletten ein und spülte sie mit Kakao runter — vermutlich wäre Cola oder Kaffee besser gewesen. Lange sitzen konnte ich dort nicht, denn es war einfach unerträglich, gerade auch mit den Menschen um mich herum. Das wurde dann im Zug selber nicht besser. Durch einen Oberleitungsschaden in Duisburg hielt er dann auf offener Strecke vor Duisburg. Es waren zwar dann im Endeffekt nur zehn Minuten, aber die können sehr lange sein. Vor allem wenn man beim warten nicht weiss, wie lange.

In Düsseldorf überlegte ich kurz, den Zug zu verlassen um frische Luft zu schnappen. Einfach laufen, um mich vom Scherz abzulenken — nach dem ich beim Halt auf offener Strecke schon einen Punkt erreicht hatte, wo man mir hätte alles anbieten können, um mich vom Schmerz zu befreien. Ich blieb im Zug sitzen.

Der Rest der Strecke nach Köln wurde auch nicht besser. Die Tabletten schlugen nicht an, es zeigte sich keine Wirkung. Über Deutz kam ich dann mit der S-Bahn nach Nippes und schaffte es irgendwie nach Hause. Mehr schon taumelnd als gehend.

Eine weiter Tablette wollte ich erstmal nicht nehmen, sondern ließ mir von meiner Frau den Nacken und die Schultern massieren. Danach gab es ein Wärmekissen. Liegen im abgedunkelten Raum, warten. Gegen Abend dann die nächste Tablette und eine weitere vor dem Einschlafen.

Heute morgen fühlte es sich fast wieder gut an, aber aus Erfahrung weiß ich, wie lange es dauert wenn es mich so heftig erwischt. Sehr heiß geduscht, gefrühstückt und wieder eine Tablette. Hingelegt. Erneut wurde es gegen Mittag wieder etwas schlimmer, so dass ich nachlegen musste. Ständiges auffrischen des Wärmekissens, liegen, schwitzen, warten.

Momentan, beim schreiben dieser Zeilen, ist es wieder etwas besser. Dafür weiß ich aber nicht mehr, wie viele Tabletten ich mittlerweile geschluckt habe. Laut Packungsbeilage habe ich allerdings noch nicht die Höchstdosis überschritten. Immerhin etwas tröstendes.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren