Karneval im Abo

Karneval im Abo

Jeder von uns kennt bestimmt den Moment, sich als Sieger fühlen nach vorne zu stürmen und dann ultimative Demütigung verpasst zu bekommen. Man war gar nicht gemeint, ein andere hält lächelnd den Pokal in der Hand. So in etwa muss sich das Film-Team von „La La Land“ bei der Oscar-Verleihung gefühlt haben, als das Goldmännchen für den besten Film vergeben werden sollte. Man sollte sich den Moment vor Augen halten, wenn es darum geht, persönliche Enttäuschungen zu verkraften.

Ob das mir aktuelle hilf, nun ja. Vielleicht die Schadenfreude, aber die würde überhaupt erst vorhanden sein, wenn ich „La La Land“ gesehen hätte. Mich schreckt ja bereits der Titel ab.

Wie dem auch sei, Enttäuschung gab es gestern zur Genüge. Eigentlich hatte ich mich auf ein paar ruhige Tage über Karneval gefreut, Vorräte für diesen Krisenfall waren auch bereits angelegt – in Köln kann man von Donnerstag bis Mittwoch ja nicht mehr vernünftig einkaufen. Und eigentlich lief auch alles gut bis zum Rosenmontag. Morgens dann zum Frühstück eine E-Mail aus Berlin. Der Gebrauchtes-Verwerter reBuy teilte mir mit, dass er den Ankauf meiner beiden Xbox 360 Konsolen ablehne. Die eine ließe sich angeblich nicht mehr anschalten (was definitiv nicht der Wahrheit entspricht, da ich beide Konsolen vor dem Versand überprüft hatte) und bei der anderen Konsole würde der Original-Controller Abnutzungsspuren aufweisen. Nun ja, dass sich das Gummioberfäche der Sticks etwas abgenutzt hat kann bei Gebrauch schon mal passieren. Ich habe die Konsolen ja auch nicht als eingeschweißte Neuware im Keller gehabt.

Efraimstochter / Pixabay

Man bot mir entweder die kostenlose Rücksendung oder die kostenlose Entsorgung an. Ja richtig, kostenlose Entsorgung. Es hätte sich dafür also ein Mitarbeiter opfern müssen, die beiden einwandfreien Konsolen bei sich zu Hause unterzubringen. Oder selber bei ebay reinzustellen. Jetzt befinden sich wieder zwei Pakte auf der Rückreise zu mir.

Unverschämterweise bekam ich gestern kurz nach fünf noch mal eine E-Mail von reBuy, mit der Erringung, mich doch endlich zu entscheiden, das sie mich bereits vor drei Tagen dazu aufgefordert hatten. Merkwürdig, wie schnell an einem einzigen Rosenmontag die Zeit vergeht. Jedenfalls bin ich schon mal ziemlich gespannt, in welchem Zustand und vor allem welche Konsolen mir zugesendet wurden.

War der Tag damit zu Ende? Auf keinen Fall. Meine Frau und ich wollten eine Dokumentation auf arte sehen, über unseren Mediareceiver der Telekom. Ich weiß, wir nutzen das Gerät sehr selten. Das merkte ich auch daran, dass erstmal ein Update der Systemsoftware fällig war. Ein grandioses Update. Die Hometaste auf der Fernbedienung hat anscheinend keine Funktion mehr. Die tolle UI mit einer Apple TV ähnlichen Ansicht — weggefallen. Irgendwie wirkt das alles eher wie eine Baustelle. Wenn ich mir dann überlege, was meine Frau und ich monatlich für Entertain und den Mediareceiver (zur Miete) zahlen, stellt sich wirklich die Frage nach Kosten und Nutzen. Eigentlich würde für uns die arte-App des Fernsehers ausreichen. Das würde dann monatliche Fixkosten sparen. Letztendlich ist Entertain von der Telekom für uns ein Abo, bei dem der größte Teil des Angebotes gar nicht genutzt wird.

Völlig umgekehrt verhält es sich mit 1Password, der dritte Aufregen des gestrigen Tages. Die App nutze ich ziemlich intensiv, um dort alle meine Passwörter zu speichern und zu verwalten. Der Abgleich auf diversen Geräten funktioniert tadellos, über ein verschlüsseltes Archiv via Dropbox. Gekauft habe ich das Programm schon vor Jahren beim. Mit der neusten Version wird 1Password jetzt kostenlos, dafür muss man dann aber ein Abo abschließen — 2,99 $ für einen alleine auf allen Geräten. Die Emotionen kochen hoch, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Nutzern. Klar erwarte ich nicht, beim Kauf einer Software lebenslänglich Updates zu bekommen. Ich bin gerne bereit, Major-Updates neu zu erwerben. Meine Bereitschaft endet aber bei Abo-Modellen, die mir aufgezwungen werden.

Ursprünglich habe ich meine Lizenz direkt beim Hersteller erworben, später dann auf die Version aus dem App-Store gewechselt (warum und weshalb kann ich nicht mehr nachvollziehen). Nach einem Update an einem Rechner auf die neuen „Kostenlose“-Version scheint noch alles so wie bisher zu funktionieren. Selbst neue Passwörter lassen sich anlegen. Synchronisiert wird wie bisher über Dropbox, auf die Anbindung an einen 1Password-Account kann ich offensichtlich verzichten. Frag sich allerdings, wie lange das noch so gehen wird.

Alles in allem hätte ich heute Abend große Lust, einen Nubbel zu verbrennen. Die einfache Art, sich eines Schuldigen zu entledigen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren