Unmotivierte Spielerezensionen

Unmotivierte Spielerezensionen

Mir sind die Macher von Shut up & Shit down sympathisch. Ich mag ihre mitunter sehr unkonventionellen Rezensionen. Genua so mag ich aber auch das Brettspiel Scythe – und hier fängt das Problem an. Genauer gesagt mit der jüngsten Rezension von Paul.

Selbstverständlich kann man unterschiedlicher Meinung in Bezug auf ein Spiel sein, keine Frage. Es gibt sogar ein paar Punkte in der Rezension von Paul, die man durchaus als berechtigte Kritik an bestimmten Mechanismen im Spiel ansehen kann. Meiner Meinung nach geht das jedoch alles unter in einer absolut lustlosen und unmotivierten Rezension. Zumindest ich habe den Eindruck, dass Paul eigentlich keine Lust auf die Rezension von Scythe hatte. Für mich ist die Rezension zu Scythe auch das mit Abstand schlechteste Video, welches Shut up & Shit down jemals produziert und veröffentlicht hat.

EtienneL / Pixabay

Die Anspielung aus der Szene im Wald, mit dem kleinen Rinnsal, über welches Paul nicht hinüber kommt, kann man nur verstehen wenn man Scythe bereits kennt. Anders als bei anderen Folgen weckt dieser Vorspann überhaupt keine Neugier. Das lässt Böses ahnen.

Über die Finanzierung von Spieler via Kickstarter kann man unterschiedlicher Meinung sein, ganz klar. Auch ich bin mir nicht sicher, ob das immer der beste Weg ist, an ein neues Spiel zu gelangen. Pauschales Bashing halte ich aber genau so falsch wie die Ablehnung eines Spiels nur deswegen, weil um das Spiel herum ein Hype entstanden ist. Paul nimmt Bezug zu dem vielen Spielmaterial, den ganzen Miniaturen in Scythe — die seiner Meinung wohl typisch sind für ein Kickstarter-Spiel. Es fällt auf, worauf er verzichtet. Mit keinem Wort wird erwähnt, welcher Verlag hinter Scythe steht. Stonemaier Games ist bei weitem keine Eintagsfliege, sie hatten vor Scythe bereits zwei andere Spiel auf den Markt gebracht, eines davon ist „Viticulture“ — meiner Meinung nach ein gelungenes Worker-Placement Spiel.

Wer wie ich Scythe bei Kickstarter mitfinanziert hat, wird wohl sich wohl auch meiner Meinung in Bezug auf die Vorbildlichkeit der gesamten Crowdfunding Kampagne anschließen. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, mir würde die Katze im Sack verkauft werden, im Gegenteil.

Wie gelungen sowohl die thematische Umsetzung als auch die grafische Gestaltung von Scythe ist, wird fast nur nebenbei erwähnt. Sehr schade, denn für mich waren das zwei sehr starke Punkte, die ausschlaggebend für meine Kaufentscheidung waren.

Paul vergleicht Scythe mit einigen anderen Spielen, da diese Scythe mehre Mechanismen in sich vereint. Seiner Meinung nach sind die jeweiligen Mechanismen in den betreffenden Spielen besser umgesetzt. Ehrlich, ich finde das unfair. Terra Mystica zum Beispiel ist ein gelungenes Spiel, aber es ist ein vollständig anderes Spiel. Natürlich baut man hier auch seine Infrastruktur auf, wie in Scythe. Genau so gut könnte man sagen, Siedler von Catan wäre besser als Scythe, weil dort die Hexafelder größer sind — und weil es eben auch Rohstoffe hat, die auf Hexafeldern produziert werden.

Der Spielfluss von Scythe ist anders, vielleicht auch zu Beginn etwas langsamer. Aber gerade das macht den Reiz aus, zusammen mit den immer wieder anderen Startvoraussetzungen. Ja, man hat Mechs, aber Scythe ist kein Kriegsspiel. Im Gegenteil, man wird durch den Verlust von Popularität abgestraft. Trotzdem lassen sich zwei der sechs notwendigen Spielziele durch einen militärischen Sieg erreichen. Man kann aber auch genau so sechs andere Ziele erfüllen ohne jemals einen Kampf ausgetragen zu haben. Die Entscheidung der Spieler schaffen immer wieder neue Möglichkeiten. Von den Begegnungen bis hin zu der Frage, welche Upgrades man in welcher Reihenfolge durchführt.

Man kann über Scythe kontrovers diskutieren, sicher. Unfair finde ich aber, wenn man lustlos an eine Rezension herangeht. Dann besser darauf verzichten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren